Gegen verbreitete Vorlieben

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Zur Eröffnung gab’s im Hafen 2 Kürbis-Karotten-Suppe, eine Independent-Komödie und einen vollen Saal.

Offenbach ‐ Die Stadt hat wieder ein Programmkino. Es öffnet zwar nur einmal pro Woche, aber jeden Freitag wird im Kulturzentrum Hafen2 immerhin den Freuden des künstlerisch anspruchsvollen Films gefrönt. Von Claus Wolfschlag

Zur feierlichen Eröffnung gab’s Suppe und Musik. Dass offenbar dringender Bedarf an einer derartigen Einrichtung besteht, belegt Hafen-2-Mitbetreiberin Andrea Weiß. Sie gibt verschämt zu: „Ich lebe seit zehn Jahren in Offenbach, ich war aber hier noch nie im Kino. Einmal bin ich ins Cinemaxx gegangen – allerdings nur bis ins Foyer.“

Freiluft-Kinonächte auf der Hafenwiese waren erfolgreich

Von der einstigen Kinostadt Offenbach ist nur noch das 1999 eröffnete Cinemaxx an der Berliner Straße übrig geblieben. Die regionale Programmkino-Kultur ist seitdem ein Frankfurter Monopol. Nun versucht das Kulturzentrum Hafen 2 wenigstens eine temporäre Wiederbelebung. Weil die sommerlichen Freiluft-Kinonächte auf der Hafenwiese so erfolgreich waren, kam das Team auf die Idee, Filmvorführungen erstmals im Winter fortzusetzen und somit zur festen Institution zu machen. Möglich wurde dies durch Umbauten. Eine Wand wurde durchbrochen, die ehemalige Werkstatt des Lokschuppens somit besser nutzbar gemacht. Festivals und diverse Sonderveranstaltungen finden dort ihren Platz.

Streifen, die kaum im „großen Kino“ gelaufen sind

Das Programm und mehr Infos zum Hafen 2 gibt es auf der Hafen2-Internetseite

Maßgeblicher Initiator der Kinonutzung ist der studierte Filmwissenschaftler Daniel Brettschneider, bekennender Cineast mit Herzblut. Als Offenbacher kann er sich an die alte Programmkinotradition erinnern und bedauert deren Sterben sehr: „Ich liebe den Film. Und ich möchte nicht nur über Filme schreiben, sondern praktisch mit ihnen arbeiten – etwa als Vorführer. Im Hafen 2 geht es mir darum, Filme auf einer großen Leinwand zu zeigen, die man selten in dieser Weise genießen kann. Das sind zum einen Klassiker, zum anderen Streifen, die kaum in den großen Kinos gelaufen sind.“

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