Gegen den Wortbruch

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Für Februar ist geplant, den Radweg auf der ehemaligen Industriebahntrasse auszubauen.

Offenbach ‐ Viele überregionale Fördertöpfe hat die Stadt angezapft, um ins lokale Radwegenetz zu investieren. Mehr als 1,6 Millionen Euro waren’s im vergangenen Jahr. „Und 2010 geht’s gleich weiter“, verspricht Oberbürgermeister Horst Schneider.  Von Martin Kuhn

Mit dem Umbau des Industriebahnwegs, der im Winter in schöner Regelmäßigkeit zur Schlammpiste mutiert, löst er ein Versprechen aus 2009 ein. „Ich wurde da schon des Wortbruchs bezichtigt“, gesteht er. Eine Asphaltdecke mit Splittabstreuung wird ab Februar aufgetragen - falls es die Witterung zulässt. Erfährt so ein leidiges Thema endlich ein gutes Ende? Die Geschichte des Radwegs, hinter dem Ring-Center (ehemals Stahlbau Lavis) zuletzt sogar gesperrt, beginnt, als die Industriebahn zum 31. Dezember 1993 ihren Betrieb einstellt. Zwischen Ostbahnhof und Sprendlinger Landstraße verband die Trasse 18 Betriebe mit der Fernbahnstrecke Frankfurt-Bebra. Der Niedergang des Industrie-Standorts Offenbach brachte auch das Aus für die Bahn. Unter der Regie des damaligen Stadtrats, späteren Bürgermeisters und heutigen Verbandsdirektors Stephan Wildhirt (SPD) wurde die gute Idee geboren, die alte Gleis trasse für Fußgänger und Radfahrer umzubauen.

Piste wird für 400.000 Euro nachgebessert

Der Radweg von der Kaiserleibrücke bis zur Schleuse wurde verbreitet und asphaltiert.

Der 2400 Meter lange, drei Meter breite und viel genutzte Weg wurde seinerzeit mit einer „wassergebundenen Decke aus Mineralstoffgemisch“ versehen. Schon damals urteilten Offenbacher über das Projekt: „Eine vertane Chance für Skater und Radler.“ Das sollte sich in den Jahren bewahrheiten. Es sei letztlich eine „Illusion“ (Schneider) gewesen, dass das Wasser seitlich abläuft. Vielmehr sei die Piste bei Regen „leicht schlammig und unkomfortabel zu befahren“. Viele empfinden das als Untertreibung. Jetzt wird für 400.000 Euro nachgebessert. Warum nicht gleich so? „Das ist eben ein paar Euro teurer“, versucht der Oberbürgermeister seine Magistrats-Vorgänger in Schutz zu nehmen. Weit entfernt ist die Stadt indes, den Wunsch der lokalen Radfahrer-Vertretung zu erfüllen. Für den ADFC wäre es traumhaft, die Industriebahntrasse zu beleuchten.

Naherholung entlang des Mains

Greifbarer ist das, was die Stadt in ihrer Erfolgsbilanz auflistet: Gut 7 Kilometer Radwege wurden unter der Regie der Stadtplanung im vergangenen Jahr neu gebaut, verbreitert oder verbessert. Die straßenbegleitenden Radwege und Radfahrstreifen wurden um 2 Kilometer auf 20,4 Kilometer erweitert. Das freut den passionierten Radler Horst Schneider: „Radfahren schont die Umwelt und hat hohen Erholungswert. Mit einem gut ausgebauten Radwegenetz steigert die Stadt die Attraktivität des Radfahrens.“

Naherholung finden die Menschen vor allem entlang des Mains. Entlang des Ufers investierte die Stadt 945.000 Euro. Über Offenbach hinaus ist das auch touristisch von Bedeutung, denn der Abschnitt ist Teil des 499 Kilometer langen Mainradwegs von Bayreuth bis Mainz. „Die Stadt hat viel dafür getan, ihren Teil komfortabel und verkehrssicher zu gestalten“, sagt Hans-Joachim Bier-Kruse, Leiter der Stadtplanung. Neben Landesmitteln nach dem Bundesverkehrsfinanzierungsgesetz wurden auch Bundesmittel zur Förderung von Radwegen an Bundeswasserstraßen und Mittel aus dem Konjunkturförderpaket II genutzt. Ein Kernstück: Der Herrnrainradweg von der Kaiserleibrücke bis zur Schleuse. Der Weg wurde auf einer Länge von 450 Meter auf drei Meter verbreitert und asphaltiert. Kosten: rund 72.000 Euro.

„Schöne Rennpiste für Radfahrer und Skater“

Zwischen der Schiffsanlegestelle Bürgel und dem Mainbogen war der Mainufer-Radweg früher nur 1,80 bis 2 Meter breit. Nun weist der asphaltierte Weg eine Breite von 3,50 Meter auf und verläuft teilweise in größerer Entfernung zum Main. Dadurch ist eine breitere Uferzone entstanden – teilweise bis zu 32 Meter breit. Sofern es das Wetter zulässt soll die abschließende Deckschicht im Januar/Februar aufgebracht werden. Von den Baukosten für diesen Abschnitt in Höhe von 773.500 Euro trägt die Stadt 94.000 Euro. Erste Kritik gibt’s dazu: „Man sieht, dass es eine schöne Rennpiste für Radfahrer und Skater wird. Die Fußgänger wären bestimmt für einen Nebenpfad, wo sie gefahrlos spazieren gehen können, dankbar. Ob der Bauherr an so etwas denkt?“, so ein Leser.

Meilenstein in Umsetzung des Radverkehrskonzeptes

In der Gesamtinvestition enthalten sind 100.000 Euro, die die Stadt für den Abschnitt zwischen Deichdurchlass Bildstockstraße und der Treppenanlage in Höhe Kreuzstraße in Bürgel aufwendet. Der Bau soll ebenfalls im Februar 2010 beginnen. Bereits fertiggestellt sind die jeweils 1,50 Meter Radfahrstreifen an der Mühlheimer Straße. „Das ist ein Meilenstein in der Umsetzung des Radverkehrskonzeptes“, so Schneider. Darin waren diese Radfahrstreifen mit hoher Priorität versehen. Und auch Radfahrverbände hatten sie nachdrücklich gefordert. Von den Gesamtkosten (692.000 Euro) trägt die Stadt einen Anteil von 178.000 Euro.

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