Höchstgeschwindigkeitsreime mit Tiefgang

Gegenmodell zum Gangsta-Rap: Macklemore in der Stadthalle

Hatte sein Eintracht-Trikot glücklicherweise wieder ausgezogen: US-Rapper Macklemore in der Stadthalle Offenbach
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Hatte sein Eintracht-Trikot glücklicherweise wieder ausgezogen: US-Rapper Macklemore in der Stadthalle Offenbach

Offenbach - Es gibt sicher bessere Arten, die Gunst des Offenbacher Publikums zu gewinnen: US-Rapper Ben Haggerty, besser bekannt als Macklemore, war kurz vor seinem Auftritt in der Stadthalle noch im Eintracht-Frankfurt-Trikot herumgelaufen – bei seinem Besuch in deren Sportleistungszentrum. Von Sebastian Krämer

Doch selbst OFC-Fans konnten dem Rapper dieses Foul verzeihen. Es braucht wenige Sekunden, bis das Publikum in der ausverkauften Halle richtig auf Touren kommt und zum ersten Titel „Ain’t Gonna Die Tonight“ mitwippt und tanzt. Dabei zeigt der 34-Jährige aus Seattle keinerlei Berührungsängste und wirft sich mehrfach ins Publikum, um sich von Fans zwischen 19 und 40 Jahren auf Händen tragen zu lassen.

Neben Stagediving, witzigen Videoclips und einem Kurzauftritt als Willy Wonka (aus „Charly und die Schokoladenfabrik“) hat sein Programm zum aktuellen Album „Gemini“ mehr zu bieten als Funk und Rap; einen Dancebattle, eine Senf-Challenge oder frisches Obst. Auch wenn sich Macklemore als schlechter Werfer entpuppt, als er Bananen in die hinteren Reihen schmeißen will. Macht nichts: Musikalisch erweist er sich als wahrer Scharfschütze. Seine Reime treffen selbst im höchsten Tempo den Punkt.

Klar formuliert ist die Kritik an US-Präsident Donald Trump, der Vorurteile und Ängste schüre. Deutschland lobt Macklemore für seine Flüchtlingspolitik. Ziemlich rockig kommt der neue Titel „Firebreather“ daher. Daneben gibt es jede Menge Crossover-Elemente zum Soul und Funk. Äußerst abwechslungsreich sind die Arrangements gestaltet, die clever Loops mit Live-Elementen verbinden. Als wirkungsvoll erweist sich die Bläsersektion, die einigen Titeln viel Power verleiht.

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In Zeiten von Skandalen um Gangsterrapper und deren rassistische oder gewaltverherrlichende Texte präsentiert sich Macklemore als hörenswertes Gegenmodell. Statt sich auf Kosten anderer zu erhöhen, nimmt er sich Zeit, sein komplettes Team samt Leibwächter vorzustellen. Was dem einen oder anderen Hardcore-Rap-Fan möglicherweise zu poppig daherkommt, sorgt beim Publikum für 90 Minuten Partystimmung.

Und wer weiß: Vielleicht hat die grandiose Atmosphäre in der Stadthalle Macklemore davon überzeugt, beim nächsten Konzert im Rhein-Main-Gebiet mal am Bieberer Berg vorbeizuschauen ...

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