Gehätschelte Raritäten

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Mechthild und Lothar Köhler haben es sich neben ihrem Rolls Royce Continental 53 Silver Cloud „Chinese Eye“ bequem gemacht. Passend zu ihrem edlen Oldtimer hatte sich das Paar in Schale geworfen.

Offenbach ‐ Was eine Waschmaschine mit einem Rolls Royce zu tun hat? Wäre die besagte damals nicht kaputt gegangen, wären Mechthild und Lothar Köhler vielleicht nie an die britischen Edelkarossen geraten. Denn vom Vater des jungen Mechanikers, der die Maschine wieder zum Laufen brachte, kauften sie ihren ersten Oldtimer, einen weißen Rolls Royce Corniche. Den bekamen beim Saisonauftakt des Klassiker-Treffen im Hof der Heyne-Fabrik Besucher nicht zu sehen, dafür aber einen viel selteneren. Von Isabel Winkler

Zwei Jahre später nämlich erweiterte sich der Fuhrpark der Köhlers. Der Rolls Royce Continental 53 Silver Cloud „Chinese Eye“ kam hinzu. „Den Namen trägt er wegen der schrägstehenden Scheinwerfer“, erklärt Lothar Köhler und zeigt auf die Front des Wagens. Von dem wertvollen Automobil wurden nur 31 Exemplare mit dem Steuer auf der linken Seite hergestellt.

Gattin Mechthild und er haben es sich neben ihrem Fahrzeug bequem gemacht. Auf einem kleinen Tisch mit weißer Spitzendecke stehen der Sekt und zwei Kristallgläser bereit. Schokolade ist im Silberschälchen angerichtet und auch ein Tee für den Nachmittag im passenden Service darf nicht fehlen.

Der Erstbesitzer des Wagens war Alfons Müller-Wipperfürth, ein Herrenmodenfabrikant, der das Auto 1964 von England in die Schweiz bringen ließ. Station hat es noch bei einer japanischen Pianistin gemacht, die in einem Kasino den Jackpot gewann und ihrem Freund den Wagen zum Geschenk machte. Dass sie jemals einen Rolls Royce besitzen würde, hat sich Mechthild Köhler nie träumen lassen. „Wir hatten einen Tante-Emma-Laden und haben Gemüse verkauft“, erzählt sie schmunzelnd, „die Nachbarn haben sich ganz schön gewundert“.

Bilder vom Oldtimer-Treff

Oldtimer-Treffen in der Heyne-Fabrik

Außerdem ein Hingucker auf dem markenübergreifenden Klassiker-Treff: der Chevrolet „Lady“, Baujahr 1928. Ein Fahrzeug, das viel Pflege benötigt. „Die Felgen müssen immer mal mit Wasser besprüht werden, sonst klappern sie“, berichtet die Besitzerin. Schließlich sind diese aus Holz und dürfen nicht zu trocken werden. Sie trägt Hut und Kleid und ein wenig fühlt sich der Besucher in die Zeit der ersten Automobile zurückversetzt.

Die nächsten Oldtimer-Treffen in der Offenbacher Heyne-Fabrik an der Ludwigstraße sind für den 25. Juli und den 5. September geplant.

Immer wieder hört man laute Motoren. Die einen fahren wieder, dafür kommen immer wieder neue Schmuckstücke auf das Gelände gefahren. Besonders auffällig sind auch die Exponate des Veranstalters, Thomas Kypta. In hellgrün, der Farbe seiner Werbeagentur, stechen sie neben den meist in Silber- oder Brauntönen lackierten Fahrzeugen hervor. Bis auf die roten Alfa Romeos. Und den Ferrari von Carlo Olivieri. Stolz erzählt er von seinem feuerroten Wagen, Dino GT4, Baujahr 1977, den er von 175 auf 225 PS aufgemotzt hat. Aber auch viele Mercedes, ein Fiat 600, ein Volvo 444 und auch ein Cadillac sind zu bestaunen. Fast alle tragen ein „H“-Nummernschild. Es kennzeichnet ein historisches Fahrzeug und verrät seinen Oldtimer-Status. Um dieser Kategorie anzugehören; muss es 30 Jahre alt sein. Und es muss sich im Originalzustand befinden. Bis auf einige, genau definierte Ausnahmen.

Manche der Autos stehen zum Verkauf. Dem einen mangelt es an der Alltagstauglichkeit. „Vor dem Aldi kann ich das Auto nicht so einfach stehen lassen“, erklärt der Besitzer den Grund der Trennung. Probleme anderer Art kennen auch die Köhlers. Schon etliche Male wurden sie vom ADAC abgeschleppt. „Mich wundert es, dass die uns noch nicht rausgeworfen haben“, meint sie. Doch nach einigen Reparaturen sind die Wehwehchen nun behoben.

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