Wer geht jetzt baden?

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Am Dienstag wurde im Schultheis ein Blaualgenwert von 10 Mikrogramm pro Liter gemessen. Die Warntafeln verschwanden.

Bürgel - Es hat etwas von einem munteren Spiel: See auf, See zu. Wenn’s nicht so bitter wäre, könnte vielleicht sogar jemand lachen. Klappt leider nicht. Fakt ist: Seit drei Jahren versucht will die Stadt, auf behutsamen, ökologischen Weg den Schultheisweiher zu gesunden. Das will partout nicht gelingen. Zumindest nicht in der Geschwindigkeit, wie es sicher mancher erhofft. Von Martin Kuhn

Erst Ende letzter Woche stellte die Stadt Warnschilder auf. Dabei sind die Sommermonate noch fern, in der die Blaualgen kräftig gedeihen.

Seit einem Jahr gilt eine neue Verordnung über die Qualität und zur Bewirtschaftung von Badegewässern. Sie entschärft die strengen Regelungen zur täglichen Kontrolle ab einer bestimmten Anhäufung von Blaualgen im Wasser. „Das Baden in einem See wie dem Schultheis bleibt so lange erlaubt, bis die Blaualgenkonzentration im Wasser den Grenzwert von 150 Mikrogramm pro Liter erreicht“, so Gesundheitsamtsleiter Dr. Michael Maiwald.

Allerdings verlangt der Gesetzgeber jetzt früher als in der Vergangenheit „unverzügliche angemessene Maßnahmen“, wenn eine Blaualgenkumulierung von 40 Mikrogramm pro Liter gemessen wurde. Das beinhaltet eine Warnung der Bevölkerung über mögliche Gesundheitsgefahren. Ist die erste Stufe erreicht, stellt die Stadt - wie vergangene Woche - Warntafeln am See auf.

Am Dienstag wurde ein Blaualgenwert von 10 Mikrogramm pro Liter gemessen. „Damit wurde der erste Grenzwert, für den die Informationspflicht gilt, deutlich unterschritten“, so Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach. Die Tafeln wurden abgebaut. Der Messwert dokumentiert nach Meinung der Experten „die fortlaufende Stabilisierung des Ökosystems“. Dennoch sei wegen der neuen Verordnung in dieser Badesaison möglicherweise mit einer Zunahme der Warnungen zu rechnen - „auch bei gleicher oder besserer Wasserqualität als im vergangenen Jahr“, so Dr. Maiwald.

Der Amtsleiter weiter: „Nach Empfehlungen des Umweltbundesamtes liegt die Verantwortung jetzt stärker beim Bürger. Wir werden das Baden jetzt später verbieten als früher; im Gegenzug müssen wir frühzeitig unserer Verpflichtung zur Information nachkommen.“ Es ist also jedem selbst überlassen, selbst bei der ersten Warnung weiter im Schultheis zu baden. Diesen Schritt hat die Bürgermeisterin Birgit Simon bereits hinter sich, finden die Unionschristen.

Die Bürgeler CDU-Stadtverordnete Sieglinde Nöller findet, die Bürgermeisterin hätte nicht so voreilig zur Baderunde einladen und ihren barfüßigen Auftritt lieber sparen sollen. „Der Offenbacher Bevölkerung ist mit großspurigen Auftritten des hauptamtlichen Magistrats bei Ortsterminen nicht geholfen. Wenn in einigen Tagen die vollständige Sperrung des Badesees folgt, dann bleibt einer Großstadt wie Offenbach gerade einmal das 50 Meter große Schwimmbecken auf der Rosenhöhe. Dann geht Birgit Simon mit ihrer Eröffnungsshow nachträglich baden“, so Nöller.

Die Kommunalpolitikerin verlangt von der Bürgermeisterin, die dauerhafte Reinhaltung des Badewassers im Schultheis herzustellen, „damit endlich ein ordentlicher Badebetrieb möglich ist“. Dies müsse durch weitere Abfischaktionen und Entfernung der Blaualgen entlang des Ufers erreicht werden. Es müssen jetzt endlich „effektive und nachhaltige Maßnahmen“ zur Aufrechterhaltung der Wasserqualität des Weihers ergriffen werden. Nöller: „Der Magistrat und insbesondere Bürgermeisterin Simon sind hier in der Pflicht.

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