Was geht ab in Offenbach?

Offenbach - Es gehört noch eine Portion Fantasie dazu, sich vorzustellen, wie eine der künftigen Säulen der Offenbacher Kreativwirtschaft aussehen wird: Bis Ende des Jahres wird das in der Stadt ansässige Unternehmen Sensory-Minds einen Internetauftritt erstellen, der zum einen auswärtige Kreative anlocken und zum anderen die bereits ansässigen Betriebe in der Stadt halten soll. Von Matthias Dahmer

Insgesamt rund 49.000 Euro lässt sich die städtische Wirtschaftsförderung die Dienste von Sensory-Minds kosten. Die Firma wurde 2009 gegründet, zählt mittlerweile 29 Mitarbeiter und gilt in der Branche als anerkanntes Designstudio für Neue Medien, das Komplettlösungen im Bereich der digitalen Kommunikation anbietet. Das Unternehmen zählt unter anderen Mercedes-Benz und Microsoft zu seinen Kunden.

Ein neuer Internetauftritt sei eine der Kernforderungen eines Gutachtens zur Kreativwirtschaft gewesen, sagt Jürgen Amberger, Leiter der städtischen Wirtschaftsförderung. Kreative „ticken ein wenig anders“ und eine von der Verwaltung erstellte Website schrecke sie nur ab, so Amberger. Deshalb habe man sich zur Beauftragung von Sensory-Minds entschlossen.

Weil Kreative im Internet zudem ein offenbar äußerst sensibles und schnell zu verschreckendes Klientel sind, sieht sich der Geschäftsführer und Kreativ-Direktor von Sensory-Minds, Professor Wolfgang Henseler, vor die Aufgabe gestellt, die Zielgruppe „mediengerecht anzusprechen“, wie der einstige HfG-Absolvent gestern bei Vorstellung der Pläne formuliert. „Der erste Eindruck ist sehr, sehr wichtig.“

Es gelte, die Leute bei der Gestaltung des Internet-Auftritts mit ins Boot zu holen und ihnen möglichst nur einen Rahmen vorzugeben, in dem sie ihre eigenen Vorstellungen von dem verwirklichen können, was für die Kreativ-Gemeinde wichtig ist. Dazu zählen Angebote an freien Räumen und Ansprechpartner für ansiedlungswillige Unternehmen ebenso wie die Ankündigung von Veranstaltungen oder der Austausch über die neuesten Neuigkeiten in der Szene. Die neue Kommunikations- und Informations-Plattform stehe kurz gesagt unter dem Motto „Was geht ab in der Kreativwirtschaft“, sagt Henseler.

Um rauszufinden, was genau gewünscht wird, hat Sensory-Minds eine Vorstudie erstellt. Dabei gab es einen Workshop mit unterschiedlichen Interessenten, haben Promis der lokalen Kreativ-Szene, wie HfG-Präsident Bernd Kracke oder der städtische Kulturmanager Ralph-Philipp Ziegler gesagt, was sie erwarten.

Die Online-Plattform, für die jetzt die Feinarbeit beginnt, soll in den Internet-Auftritt der Stadt integriert werden. Sie wird das bisherige Forum Kreativwirtschaft im Netz ablösen, in dem derzeit 174 Betriebe gelistet sind. Man habe bereits vor einem Dreivierteljahr aufgehört, aktiv für das Forum zu werben, sagt Jürgen Amberger. Die Plattform sei ohnehin mit dem Makel behaftet gewesen, dass einige Unternehmen ihre Daten mehr als ein Jahr lang nicht aktualisiert hätten. Das soll bei dem neuen Internetauftritt nicht passieren. Man setze darauf, dass die Kreativen einen Mehrwert in dem neuen Angebot erkennen und aus eigenem Interesse den Auftritt interessant gestalten und weiterentwickeln, so Firmenchef Henseler.

Rund 1200 Unternehmen mit etwa 5000 Beschäftigten zählt Wirtschaftsförderer Jürgen Amberger zur Kreativwirtschaft in Offenbach. Zum Paket, das für die Umworbenen geschnürt wurde und wird, zählen zum Beispiel das Sommerfest, bei dem man sich mittlerweile der Anfragen kaum noch erwehren könne, Publikationen, Unterstützung für einzelne Vorhaben und auch die Stiftungsprofessur „Kreativität im urbanen Kontext“.

Der Erfolg dieser Anstrengungen ist indes nur schwer messbar. Immerhin: „Die Anfragen rund um das Thema Kreativwirtschaft werden mehr“, sagt Jürgen Amberger.

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