Geisterauto per Knopfdruck

Offenbach - Der Fehler im System: Wie drei Fahrzeuge aus dem Datenbestand der Zulassungsstelle verschwanden

(mcr/clb) Es gab zwei Chancen, die mysteriöse Sache aus der Welt und die verschwundenen Autos wieder in die Welt zu schaffen: einen Computerexperten anrufen oder einen Geisterbeschwörer kontaktieren. Mit Hokuspokus hatte die ins Offenbacher Bürgerbüro integrierte Kraftfahrzeugzulassungsstelle noch nie etwas am Hut, also griff Amtsleiterin Martina Fuchs zum Telefon. Es war die richtige Entscheidung; das Geheimnis um aus der Behörde entfleuchte Zulassungen der Autos von mindestens drei Offenbachern ist gelüftet. Und mittlerweile ist Fuchs „zu 99,9 Prozent sicher, dass in Offenbach keine Fahrzeuge mehr herumfahren, deren Daten uns abhanden gekommen sind“.

Die restlichen 0,01 Prozent sind dem Erfahrungswert geschuldet, dass kein noch so ausgeklügeltes System 100-prozentig sicher sein kann. Auch nicht das komplexe Zulassungsverfahren, das am 14. Juli 2008 in ganz Hessen offiziell eingeführt, im Offenbacher Bürgerbüro aber als erstes auch in der täglichen Praxis eingesetzt wurde.

Dieser Pionierstatus barg Risiken. Welche genau, das kam ans Licht, als sich eine Offenbacherin, die ihren VW Golf in den Tagen nach der Systemumstellung korrekt im Rathaus angemeldet hatte, über die ausbleibende Kfz-Steuer-Forderung des Finanzamtes wunderte. Was da nicht mit rechten Dingen zugegangen war, stellte die Behörde mit Spezialistenhilfe fest: Die Golf-Daten waren zwar im behördeninternen Archiv gelandet, das neue Computerprogramm hatte sie aber nicht wie gewollt über das Darmstädter Rechenzentrum an das zentrale Fahrzeugregister des Kraftfahrtbundesamtes (KBA), die KfZ-Versicherung und das Finanzamt weitergeleitet. So wurden Autos per Knopfdruck zu Geisterautos, und die bei den Behörden sonst beispielsweise auch für polizeiliche Ermittlungen mögliche Kennzeichen-Abfrage lief ins Nichts.

Diese Kinderkrankheiten des Zulassungsverfahrens, berichtete die Bürgerbüro-Chefin gestern, seien ausgemerzt, die Daten der drei Betroffenen vom Amt wieder ins behördliche Diesseits befördert, die Versicherungen informiert worden. Und auch das Finanzamt sei im Bilde.

Mehr als die drei bekannten Fälle habe das Rechenzentrum nicht ausmachen können. Wer trotzdem vermutet, dass sein Fahrzeug betroffen ist, ruft das Bürgerbüro an:  069 80654222.

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