Geisterradler sollen bald keine mehr sein

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Zweirädriger Gegenverkehr ist hier laut Straßenschild erlaubt.

Offenbach - (mcr) Eineinhalb Jahre nach der Entscheidung des Stadtparlaments, Radlern in möglichst vielen Offenbacher Einbahnstraßen das Fahren auch gegen die dem motorisierten Verkehr vorgeschriebene Richtung zu erlauben, kann die Umsetzung langsam ins Rollen kommen.

Dem finalen Bericht des Amtes für Stadtplanung und Baumanagement zufolge könnte der zweirädrige Gegenverkehr in 95 der in 122 Abschnitte aufgeteilten 110 Einbahnstraßen vom Verstoß gegen die Verkehrsordnung zum Prinzip werden. Was das Amt vorschlägt, soll in den nächsten Jahren stufenweise umgesetzt werden.

Die Rosenhöhe sparten die Experten bei der Untersuchung aus. Was im quasi von einer einzigen Einbahnstraße erschlossenen Wohn- und Sportgebiet zu tun ist, bedürfe noch einer genauen Prüfung, heißt es. Unterm Strich aller anderen Ergebnisse stehen 226 000 Euro. Die müssten in Fahrbahnmarkierungen (12 000 Euro), die Aufrüstung vom Ampeln (138 000), kleinere Baumaßnahmen wie Bordsteinabsenkungen (25 000) und neue Zusatzschilder gesteckt werden, die am Beginn eines Einbahnabschnitts alle Nutzer warnen und am Ende Radlern die Einfahrt erlauben.

Mit Hilfe der Markierung auf dem Stadtplan werden Offenbachs ärgste Einbahnstraßen-Nester deutlich sichtbar. Rumpenheim, eine wahre Einbahn-Orgie, ist schlicht schwarz; in Bieber und Tempelsee stellt sich die Situation etwas entzerrter dar. Aber auch in der Innenstadt mit ihrem östlichen Fortsatz und im Nordend weist der Überblick Handlungsspielraum aus.

Dabei ist Einbahnstraße nicht gleich Einbahnstraße. Auf 25 der unter die Lupe genommenen Verkehrsachsen wird es mit einer Beschilderung wohl getan sein. In 59 müssen Bauarbeiter ran. Und in weiteren 11 Abschnitten kann es sowieso erst soweit sein, wenn dort Tempo-30-Zonen eingerichtet sind.

Das Tempolimit hat der Gesetzgeber als Grundbedingung für die Freigabe von Einbahnstraßen formuliert. Auch müssen die Fahrbahnen breit genug für Ausweichmanöver sein. In der Regel sind 3,50 Meter oder mehr gefordert, bei „geringer Begegnungswahrscheinlichkeit“ mindestens drei Meter. Einfluss auf die Genehmigung haben außerdem die Länge der Strecke (mehr als 400 Meter sind problematisch), der Streckenverlauf, die Einsehbarkeit von Kreuzungen, Einmündungen und Kurven und die Parkregelungen vor Ort.

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