Apartments statt Leerstand

Geisterzustand am Kaiserlei bald zu Ende

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Der 1973 errichtete KWU-Gebäudekomplex soll zum Jahresende entkernt und dann umgebaut werden. Da er bei Metalldieben beliebt ist, wird er überwacht.  

Offenbach - Das leerstehende KWU-Gebäude am Kaiserlei soll zum Jahresende entkernt werden. An seiner Stelle entstehen Apartments zur Kurzzeitnutzung, ringsherum ein Viertel zum Wohnen und Arbeiten. Von Veronika Schade 

Der grau-grünliche Betonriese ragt in luftige Höhe, die umliegenden Häuser und Wolkenfetzen spiegeln sich in seinen kahlen Fassaden. Graffiti-Sprüher haben am Fuß des Gebäudes ganze Arbeit geleistet. Ansonsten ist jedes Leben verschwunden, nur für Metalldiebe ist es ein beliebtes Ziel. 1973 erbaut, wurden im Kaiserlei einst Kraftwerke geplant, die weltweit zu finden sind – von Deutschland über Brasilien bis zum Iran. Seit elf Jahren steht der für die Zeit so stolze und hochmoderne Gebäudekomplex der Siemens/AEG Kraftwerksunion (KWU) leer. Dass dieser Geisterzustand in absehbarer Zeit ein Ende hat, wird immer wahrscheinlicher. Der in Berlin und Leipzig ansässige Projektentwickler CG-Immobilien hat das 44 600 Quadratmeter große Areal zwischen Berliner und Strahlenbergerstraße, Goethering und Kaiserleikreisel 2013 dem Versicherungskonzern Allianz abgekauft. Der bemühte sich jahrelang, die marode Immobilie loszuwerden, was nicht leicht war: Um die bisherige Geschosszahl und -höhe im Falle eines Neubaus wieder genehmigt zu bekommen, musste sich ein Investor im Vorfeld auf die spätere Nutzung festlegen.

CG-Immobilien ist dies gelungen. Vorgesehen ist eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe. Wobei das Kernprojekt ein Wohnhaus mit „Kurzfrist-Mietwohnungen“ für Firmenmitarbeiter ist, die nur für einen begrenzten Zeitraum im Rhein-Main-Gebiet verweilen. „Die Planungen laufen mit Vollgas“, sagt Markus Selinger, der bei der CG-Tochter „Artists Living“ für das Projekt verantwortlich ist. Zwar habe es fast ein Jahr länger gedauert als zunächst geplant: „Das hat mit Baurecht zu tun.“ Doch nun sei das Projekt sehr konkret und die Zustimmung von der Stadt da. „Zum Jahresende soll die Entkernung starten“, zeigt sich Selinger zuversichtlich.

So soll das Areal am Kaiserlei künftig aussehen.

Begonnen wird mit der Entkernung der beiden Türme. Das Y-Gebäude dazwischen wird abgerissen, die umliegende Bebauung ebenfalls. Dort sollen Mietwohnungen entstehen, ein Baufeld ist nur für Gewerbe vorgesehen. Aus den ehemaligen KWU-Bürohochhäusern entsteht ein „Vertical Village“ – ein senkrechtes Dorf, in dem die künftigen Bewohner alles finden, was sie zum Leben brauchen. 640 kompakte Apartments mit jeweils etwa 45 Quadratmetern sollen das Kurzzeit-Zuhause für Menschen werden, die aus Berufsgründen einige Zeit im Rhein-Main-Gebiet leben. „Wir haben mehrere Zielgruppen. Zum Beispiel Berufsanfänger in verschiedenen Firmen. Oder Angestellte der EZB“, sagt Selinger. „Etwa 1500 Banker aus ganz Europa werden nach Frankfurt geschickt und bleiben meist ein, zwei Jahre.“

Die Bewohner können, je nach Geschmack, aus drei Einrichtungsstilen wählen, von klassisch bis modern. In die möblierten Apartments brauchen sie lediglich mit ihrem Koffer einzuziehen, sonst ist alles schon da. „Diese mobile Zielgruppe möchte die Umzüge einfach gestalten und trotzdem komfortabel wohnen“, weiß der Projektleiter. Im Haus gibt es alles Notwendige für den Alltag: Bistro, Einkaufsladen, Fitnessräume sowie Lounge und Gemeinschaftsraum mit Fernseher. Wer noch weiterarbeiten möchte, findet „Coworking Spaces“ vor.

Neugestaltung am ehemaligen Hafen

15 Euro kostet der Quadratmeter in den Apartments. Für Selinger ist dies das Wohnmodell der Zukunft, das auf wandelnde Bedürfnisse reagiere: „Wir schließen die Lücke zwischen normalen Mietwohnungen und Boarding Houses.“ Der Standort Offenbach, speziell Kaiserlei, sei wegen seiner guten Erreichbarkeit und der Nähe zu Frankfurt ideal für ein solches Vorhaben. Die Dauer der Bauarbeiten ist noch nicht genau absehbar. „20 Monate sind es mindestens“, vermutet Seliger. Das leere Bauwerk verursacht jedenfalls jeden Monat Kosten – und Unannehmlichkeiten. Immer wieder dringen Metalldiebe ein und lassen hauptsächlich Stromkabel mitgehen: „Wir haben deshalb Bretterwänder an allen Öffnungen angebracht und die Türen zugeschweißt“, so der Projektleiter. Zusätzlich hat die CG-Holding eine Überwachungsfirma engagiert.

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