Anlieger zahlen „Fehlwürfe“

Offenbach - Zugegeben, das mit dem Grünen Punkt und der Gelben Tonne ist schon etwas höhere Abfallwirtschaft – und manch einer sieht dabei rot. Kein Wunder: Ein gutes Dutzend Abfallarten müssen von Hand getrennt werden. Von Martin Kuhn

Selbst wenn die Haushalte das ordentlich hinbekommen, ist noch nicht gewährleistet, dass Stadtdienstleister ESO die Gelben Tonnen abfährt. Erblicken die Mitarbeiter Sachen, die nicht zu sogenannten DSD-Verkaufsverpackungen zählen, bleibt der Abfallbehälter ungeleert stehen. Dann fangen die Probleme erst richtig an.

Horst Dambacher wendet sich geradezu verzweifelt und lesbar erbost an den ESO und die Redaktion. Seine Klage, die aus der Luisenstraße kommt: Wieder einmal sei die Gelbe Tonne nicht entleert worden, da sich Restmüll und Papier darin befanden. Dabei unternimmt die Hausverwaltung einiges, um den Recycling-Kreislauf nicht durcheinander zu bringen: „Auf Anweisung stellt der Hausmeister die Tonnen morgens um 6 Uhr nach draußen und vergewissert sich, dass die Behälter in einwandfreiem Zustand am Straßenrand stehen.“

Nicht jeder Passant schere sich in der „Hauptstadt der Analphabeten“ aber um die Hinweise und entsorge so munter Restmüll in die Tonnen, bis diese am späten Nachmittag geleert werden: „Soll die Hausverwaltung einen Sicherheitsdienst beauftragen, der das verhindert“, fragt Dambacher polemisch.

Tonnen mit „Fehlwürfen“ werden nicht mitgenommen

Sicher nicht. Für den Stadtdienstleister ist das eine bekannte Problematik, gerade in „stark frequentierten Straßen“, wie ESO-Sprecher Oliver Gaksch erläutert. Er gibt auch zu: „Wir haben da leider keine Musterlösung.“ Heißt: Der lokale Entsorger stellt lediglich fest, dass die Tonne sogenannte Fehlwürfe enthält; wer diese tätigte, ist für den ESO letztlich nicht maßgebend. In welchem Umfang die jährlich etwa 2000 Tonnen Offenbacher DSD-Wertstoffe verschmutzt sind, vermag der Sprecher nicht zu beziffern. Auf jeden Fall steht der Eigenbetrieb beim übergeordneten Recycler in der Pflicht, der die an der Daimlerstraße zwischengelagerten Wertstoffe abholt: „Auch unsere Chargen werden genau kontrolliert.“

Lösung des Problems kostet auf jeden Fall Geld

Aber wie ist konkret Herrn Dambacher zu helfen? Die Möglichkeiten, die der Sprecher nennt, werden ihn jedenfalls nicht glücklich machen: Es ist immer mit Kosten verbunden. Auf jeden Fall muss nachsortiert werden; sind alle „Fremdbefüllungen“ entfernt, darf die Tonne regulär als DSD-Behältnis geleert werden. Weitere Option: Die so verunreinigte Gelbe Tonne wird als Restmülltonne gegen Gebühr mitgenommen. Oder: Gegen entsprechendes Entgelt holen die ESO-Teams die Gelbe Tonne im Vollservice selbst aus dem Hinterhof.

Eine weitere Variante regt Gaksch an, falls die Gelben Tonnen regelmäßig mit Müll ihrer angedachten Funktion enthoben sind: „Da sollten es die Haushalte mit Gelben Säcken probieren.“ Nun, das widerspricht der leider verbreiteten Praxis, dass ESO-Mitarbeiter schon mal jenen kräftig anblaffen, der mehr als eine Rolle der hauchdünnen Säcke haben möchte: „Wozu brauchen Sie die denn?“ Zumeist folgt der Hinweis, doch eine weitere Gelbe Tonne in den Hof zu stellen: „Die kostet schließlich nichts.“ Das kann zumindest Horst Dambacher jetzt nicht mehr so stehen lassen.

Aber vielleicht hat sich das Thema erledigt: Der Bundestag hat ein neues Abfallgesetz beschlossen. Die Einführung einer Wertstoff-Tonne soll im nächsten Jahr in einem weiteren Gesetz geregelt werden – dann könnte der Abfallweg legalisiert sein für Töpfe, Plastikeimer, Spielfiguren oder Toilettenbrillen, die heute noch als „Fehlwurf“ gelten.

Rubriklistenbild: © dpa

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