Geld sparen und Umwelt schonen

+
Thomas Stahl will nicht unbedingt alle Beschäftigten dazu bringen, Bus zu fahren, aber er will Mobilität auf ihre Effizienz überprüfen - nicht zuletzt um die Umwelt zu schonen.

Offenbach - „Wir wollen den Verkehr nicht verwalten, sondern gestalten.“ Das ist das Leitmotiv von Thomas Stahl. Der betriebliche Mobilitätsmanager der Lokalen Nahverkehrsorganisation Offenbach (LNO, die unter der Dachmarke NiO - Nahverkehr in Offenbach arbeitet) nimmt Unternehmen und kommunale Verwaltungen in Stadt und Kreis in Sachen Fortbewegung unter die Lupe. Von Simone Weil

Dabei erfasst er zunächst einmal den Ist-Zustand: Wie, von wo und wann kommen die Beschäftigten zur Arbeit? Welche Lieferungen erreichen die Firma, gibt es Botenfahrten?

Wenn Stahl über den Umfang des betrieblichen Verkehrs Bescheid weiß, klopft er ihn auf seine Effizienz ab: Möglicherweise lassen sich Touren durch Zusammenlegen einsparen. Ähnliches gilt auch für die Beschäftigten. Nicht jeder muss allein im Auto zur Arbeit fahren. Eventuell lassen sich Fahrgemeinschaften bilden: Das spart Sprit und schont die Umwelt.

Leider bleiben Staus und hohe Benzinpreise auch künftig ein Thema. Das Dilemma: Das steigende Bedürfnis nach Mobilität bekommt der Umwelt ganz und gar nicht. Deswegen ist vor allem die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes ist ein wichtiges Anliegen des betrieblichen Mobilitätsmanagements. „Da gibt es unwahrscheinliche Potenziale", sagt der LNO-Mitarbeiter. Derzeit bringt er seine Kenntnisse bei der Kreisverwaltung Offenbach ein. Könnte er alle 832 Mitarbeiter dazu bringen, aufs Auto zu verzichten und auf den ÖPNV umzusteigen, so ließen sich jährlich 36 000 Tonnen Kohlendioxid einsparen. Mit solch beeindruckenden Zahlenbeispielen bringt er die Beschäftigten bei Informationstagen immer wieder zum Nach- und Umdenken.

Allerdings will Stahl niemanden auf Teufel komm‘ raus zum Verzicht aufs Auto bringen: „Das ist nicht immer sinnvoll“, sagt er. Aber er will Anstöße geben und für andere Verkehrsmittel sensibilisieren. Eine Beratung kann zum Beispiel klären, ob sich die Einführung des Jobtickets lohnt oder ob sich die Nutzung von Leihfahrrädern oder Car-Sharing anbietet.

Der Kaufmann, der seit über zehn Jahren in Offenbach wohnt, geht mit gutem Beispiel voran. Er geht zu Fuß zur Arbeit. Vom Wohnort in der Innenstadt bis zur Hebestraße braucht er zirka zehn Minuten. Seit etwa anderthalb Jahren ist er für das Mobilitätsmanagement zuständig, das Kreisverkehrsgesellschaft und LNO ins Leben gerufen haben und gemeinsam finanzieren. Das ursprünglich auf zwei Jahre angelegte Projekt wurde bereits um zwei Jahre aufgestockt.

Unternehmen, die sich für das Angebot interessieren, sollten mindestens 100 Mitarbeiter haben. Tel: 069 85008-812 oder thomas.stahl@nio-of.de

Das Ziel: Unternehmen werden durch einen kompetenten Berater unterstützt, für sie maßgeschneiderte Mobilitätskonzepte zu erarbeiten und umzusetzen. Die individuellen Lösungen sollen eine hohe Mobilität gewährleisten, die sich mit städtischer Infrastruktur und Umwelt gut verträgt. Stahl: „Wir wollen an die Unternehmen appellieren und sie an ihre Verpflichtung dem Standort gegenüber erinnern.“ Doch die Betriebe profitieren auch von der kostenlosen Dienstleistung. Schließlich können im Idealfall Kosten gesenkt werden.

Bundesweit könnten Stadt und Kreis Offenbach Vorreiter sein: „Ein gleichartiges ,betriebliches Mobilitätsmanagement‘ innerhalb zweier Gebietskörperschaften gibt es in Deutschland bisher nirgends sonst“, sagt LNO-Geschäftsführerin Anja Georgi. Auch die Zahl der Mobilitätsmanager ist noch recht überschaubar: Thomas Stahl hat bundesweit lediglich vier Kollegen in Hamburg, München, Aachen und Dresden.

Bislang hat der Mobilitätsmanager mit 72 Unternehmen in Stadt und Kreis Kontakt gehabt und 58 besucht. Aktuell ist er mit 27 Betrieben im Gespräch. Doch noch längst nicht alle wissen von der Einrichtung.

Kommentare