Schutz vor Kriminellen

Geldautomaten in Offenbach gegen Sprengung gesichert

Bei der Sprengung eines Geldautomaten in Obertshausen kam es im März 2021 zu einer heftigen Explosion. (Archiv)
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Bei der Sprengung eines Geldautomaten in Obertshausen kam es im März 2021 zu einer heftigen Explosion. (Archiv)

Seit einiger Zeit ist auf so manchem Geldautomaten im Stadtgebiet ein Aufkleber zu finden: „Einleiten von Gas auf eigene Gefahr“ ist darauf zu lesen - zur Abschreckung Krimineller.

Offenbach – Ob der Aufkleber wirklich Verbrecher von ihrer kriminellen Tätigkeit abhält, wenn man sie auf eventuell gesundheitsgefährdende Folgen durch das Automaten-Sicherungssystem hinweist, sei mal dahingestellt. Interessant aber, dass die hiesigen Geldautomaten nun doch mit Sicherungssystemen ausgestattet wurden, nachdem verschiedene Geldinstitute noch vor drei Jahren erklärten, dass dies zu teuer sei.

Fakt ist, dass das Sprengen von Geldautomaten nicht nur für Banken und Sparkassen ein Problem ist: Auch wer in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Geldautomaten wohnt, lebt gefährlich. Durch die Wucht der Explosion können Gebäude derart beschädigt werden, dass darüber und daneben befindliche Wohnungen deutlichen Schaden nehmen können. Im Kreis Offenbach wurden dem Vernehmen nach einige Automaten deshalb abgebaut – die Gründe werden jedoch meist nur unter der Hand genannt. Was ihre Geldautomaten belangt, geben sich Geldinstitute meist schmallippig.

Die ersten Sprengungen von Automaten waren 2005 verzeichnet worden, wie das Landeskriminalamt (LKA) auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilt. 2019 erreichte die Zahl der Kriminalfälle einen Höchststand in Hessen, 53 Automaten wurden so aufgebrochen, im vergangenen Jahr ging die Zahl auf 30 zurück. In Offenbach wurden im vergangenen Jahr drei Geldautomaten gesprengt, in diesem Jahr einer. Im März sprengen Unbekannte einen Geldautomaten in Obertshausen im Kreis Offenbach und entkommen anschließen. Hessenweit sind in diesem Jahr insgesamt 28 Automaten betroffen.

Sprengung von Geldautomaten in der Region Offenbach: Es war zu einfach

Den Panzerknackern kam lange zugute, dass sich die Automaten durch Einleiten von Gas recht einfach sprengen ließen: Eine Acetylen-Sauerstoff-Mischung wurde in die Gehäuse eingeleitet, anschließend wurde das Gemisch entzündet.

Inzwischen bieten verschiedene Unternehmen aber Sicherheitssysteme wie die auf den Offenbacher Aufklebern propagierte „autonome Gasneutralisation“ an: Sensoren an den Geldautomaten registrieren, wenn Gas eingeleitet wird und lösen eine Verpuffung aus, bevor eine kritische Konzentration erreicht wird. Andere Systeme verdrängen das eingeleitete Gemisch durch CO2, welches sich in einem Behälter im Inneren des Automaten befindet. Durch eine Zündung verpufft dann eine kleine Menge des Gemischs. In allen Fällen ist es für die Täter gefährlich, daher der warnende Hinweis.

Aufkleber wie dieser sind auf Offenbacher Geldautomaten zu finden.

Geldautomaten in Offenbach gegen Sprengung gesichert: Ein Wettlauf mit den Tätern

„Allerdings ist das Sichern der Automaten immer ein Wettlauf mit den Tätern“, sagt Manfred Bernjus, Leiter des Vorstandsstabes der Sparkasse Offenbach. Denn die Täter passen ihr Vorgehen an und rüsten auf, wie auch das Landeskriminalamt schreibt. So werden auch Festsprengstoffe eingesetzt, die eine höhere Zerstörungskraft besitzen´und ganze Gebäude in Mitleidenschaft ziehen. Häufig müssen Statiker anschließend prüfen, ob das Gebäude einsturzgefährdet ist. Der Schaden, der durch die Explosion entsteht, überschreitet den Schaden durch den erbeuteten Betrag meist erheblich, heißt es vom LKA. So seien im vergangenen Jahr in Hessen Schäden in Höhe von 900. 000 Euro entstanden, während die Täter nach der Sprengung 320. 000 Euro erbeuten konnten.

Rund 5 000 Euro, so hieß es vor einigen Jahren, koste ein Sicherungssystem. Die Volksbank Maingau, an deren Rumpenheimer Geldautomaten das auf dieser Seite gezeigte Bild stammt, wollte sich zu der kompletten Thematik nicht äußern. Auch nicht zu Themen der Automatensicherung, die ohne Probleme frei im Internet zugänglich sind.

Die Sparkasse zumindest beantwortete die Frage unserer Zeitung, ob nach Installation von entsprechenden Sicherungssystemen abgebaute Automaten wieder aufgestellt würden – allerdings verneinte sie dies. Die Frage der Sicherheit sei nur ein Punkt unter mehreren, wenn es um die Entscheidung für den Abbau von Automaten ginge. Daher sei nicht geplant, bereits abgebaute Automaten wieder aufzustellen, obwohl sie besser zu sichern wären. (Von Frank Sommer)

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