Positive Bilanz der Insolvenzverwalterin

Geldsegen nach der GOAB-Pleite

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Von der Insolvenz nichts mehr zu spüren: Die Performancekünstlerin Mia Florentine Weiss ließ sich vom Verein VTBO handwerklich anspruchsvolle Flügel für ein spektakuläres Kunstobjekt herstellen. Der Pegasus flog dann direkt von Offenbach über das Senckenberg Museum in Frankfurt zur Biennale nach Venedig.

Offenbach - Es ist wohl sehr selten, dass ehemalige Beschäftigte von pleite gegangenen Firmen die in Sozialplänen vereinbarten Abfindungen erhalten. Nur in zwei von hundert Unternehmerinsolvenzen gäbe es etwas, weiß die Frankfurter Rechtsanwältin Petra Heidenfelder.

Somit hat sie eine nicht unbedingt zu erwartende freudige Nachricht für Ex-Mitarbeiter der von ihre betreuten Gemeinnützigen Offenbacher Ausbildungs- und Beschäftigungsgesellschaft GOAB. Insgesamt 103.382 Euro werden in den nächsten Tagen jenen 29 Personen überwiesen, die nach dem Aus für die städtische Firma keinen Job in einem Nachfolgebetrieb erhielten, sondern in eine Transfergesellschaft kamen. Eventuell folge eine zweite Auszahlung, kündigt Petra Heidenfelder an.

Vor zwei Jahren sah die Zukunft der GOAB recht düster aus. Mitte der achtziger Jahre gegründet, um arbeitslose Jugendliche, erwachsene Langzeitarbeitslose sowie Behinderte für die Arbeitswelt zu qualifizieren und wieder einzugliedern, galt die Stadtfirma lange Zeit als bundesweites Vorzeigeprojekt. 2010 kappte der Bund jedoch die Zuschüsse und so drohte dem Unternehmen im Herbst 2013 die Zahlungsunfähigkeit. Sozialdezernent Felix Schwenke (SPD) zog die Reißleine: Am 1. Dezember 2013 wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

215 Mitarbeiter waren bei der GOAB festangestellt oder über Fördermaßnahmen der Agentur für Arbeit und des kommunalen Jobcenters Mainarbeit beschäftigt. „Der Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze war uns von Anfang an ein zentrales Anliegen“, sagt Insolvenzverwalterin Heidenfelder. Für die Mitarbeitern wurde nach neuen Perspektiven gesucht.

Umweltmesse auf GOAB-Gelände

Das Recyclingzentrum für Elektroschrott ging mit fast allen Mitarbeitern zum ESO. Das Wohnservice-Team wurde erfolgreich verkauft. Andere soziale Einrichtungen übernahmen Projekte für junge Mütter, die Vermittlung Jugendlicher in Pflegeberufe sowie die Schwerbehindertenvermittlung. Rund ein Drittel der 29 Mitarbeiter, die in eine Transfergesellschaft gewechselt sind, konnte in neue Jobs vermittelt werden. Der Garten- und Landschaftsbau wurde im Sommer 2014 einer gemeinnützige GmbH übertragen.

„Ladenhüter“ blieb zunächst die Ausbildungswerkstatt mit acht Mitarbeitern und etwa 50 Auszubildenden und Umschülern. Petra Heidenfelder ermutigte aber die ehemaligen GOAB-Ausbilder, einen gemeinnützigen Verein für technische Berufsausbildung Offenbach (VTBO) zu gründen und selbst Arbeitgeber zu werden. Seit der Vereinsgründung haben 14 VTBO-ler an der Mühlheimer Straße ihre Ausbildung erfolgreich beendet, elf davon mit Prädikatsnote, zwei sogar als Kammerbeste. (tk)

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