Gelernte Wege ändern

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Das Reich des Armin Bähr: Der 41-Jährige leitet seit Mai das KOMM und sieht den Offenbacher Hoffnungsträger in Sachen Kaufkraft- und Kundenbindung auf einem guten Weg.

Offenbach ‐ Der Andrang war groß, als am 24. September 2009 auf dem ehemaligen Gelände der Offenbach-Post im Herzen der Stadt die Fertigstellung einer Immobilie gefeiert wurde, deren Kürzel zum Begriff geworden ist. Von Matthias Dahmer

Dass hinter der Aufforderung KOMM auch das sperrige „Kaufhaus Offenbach/Main-Mitte“ stecken sollte, interessiert niemanden mehr.

Dass sich die ursprüngliche Projektbezeichnung nur in ihrer Kurzform etabliert hat, gefällt Armin Bähr. Der Begriff „Kaufhaus“, sagt der Center-Manager, sei nämlich nicht ganz treffend. Doch die Bilanz, die der 41-jährige Hamburger mit Blick aufs einjährige Bestehen des architektonisch gelungenen Baus zieht, lässt den Namen zu einer vernachlässigbaren Nebensache werden: Das KOMM habe sich „absolut positiv“ entwickelt, was sich allein daran festmachen lasse, dass es zu 95 Prozent vermietet sei.

Täglich zwischen 10.000 und 15.000 Besucher

Von „zufrieden bis „sehr zufrieden“ reichen die Rückmeldungen der 53 Geschäftsinhaber, bei denen es bis auf einen noch keinen Wechsel gegeben hat. Laut Bähr fragen potenzielle Großmieter Flächen nach. Das KOMM hat sich nicht zuletzt gut ins Offenbacher Stadtbild integriert.

Es sind Sätze voll des Lobes, die dem dynamischen Center-Chef über die Lippen kommen. Das unbestreitbar Positive hervorzuheben ist ebenso sein Job, wie die Relativierung dessen, was ihm seine zwei Vorgänger als öffentlich bekundete Zielvorgaben hinterlassen haben: 17.000 Besucher pro Tag, Vollvermietung bis Mitte des Jahres - so etwas hätte er in dieser Form nie verlauten lassen, meint Bähr, der seit Mai dieses Jahres an Bord ist. Schließlich setzt man sich damit nur unnötig unter Druck.

Immerhin: Bei der Kundenfrequenz ist man mit täglich zwischen 10.000 und 15.000 Besuchern „auf einem guten Weg“. Im Übrigen zeigt die Erfahrung dem Manager, dass gerade die Kundschaft von außerhalb „bis zu drei Jahre braucht um gelernte Wege zu ändern“. Sprich, nicht mehr ins Isenburg-Zentrum oder ins Hessen-Center, sondern nach Offenbach fährt. Um zu erkunden, wo die Kunden herkommen, ist im nächsten Jahr eine groß angelegte Befragung geplant. Was die Vermietungen angehe, so Bähr, gebe es kaum ein Einkaufszentrum, das voll belegt sei.

Herrenausstatter ist nicht in Sicht

Ende Oktober, berichtet er weiter, wird endlich auch das Restaurant einziehen, das die Außengastronomie auf dem Aliceplatz übernimmt. Weil der ursprüngliche Franchise-Nehmer unerwartet verstarb, hat sich die Eröffnung des Lokals mit Schweizer Spezialitäten verzögert. An die Stadt richtet sich Bährs Wunsch, sie möge den Aliceplatz ähnlich hinbekommen wie den Wilhelmsplatz. Das ist sicherlich nicht leicht mit dem großen Postgebäude auf der östlichen Seite. Aber etwas mehr Grün und einen Brunnen kann sich der KOMM-Boss schon vorstellen.

Bei einem Anliegen eines großen Teils der männlichen Kundschaft kann Bähr derzeit nur abwinken: Ein Herrenausstatter, der sich mit den noch freien Läden begnügen würde, ist nicht in Sicht. „Die Filialisten benötigen mittlerweile alle größere Flächen.“ Eine Absage erteilt er auch längeren Öffnungzeiten: Bis 20 Uhr habe sich bewährt. „Viele Zentren, die länger offen hatten, haben damit keinen Erfolg gehabt.“

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