Gelungene Auftritte

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Um das Erscheinungsbild des Theresienheims kümmerten sich die Abiturientinnen (von links) Elisabeth Schulze, Elvira Stoz, Jeanette Langner und Dabrina Krause.

Offenbach ‐ Wer sich tagtäglich in den unendlichen Weiten des Internets tummelt, nimmt es meist schon gar nicht mehr wahr: Welche Arbeit nämlich dahinter steckt, eine gute Website zu kreieren. Eine, die den virtuellen Wanderer zum Verweilen einlädt, die den Betrachter wirklich interessiert. Von Stefan Mangold

Wie das geht, demonstrierten am Dienstag und gestern die Abiturienten für Medientechnik und Gestaltung an der August-Bebel-Schule. „Wer zu uns kommt, hat ein Ziel vor Augen,“ sagte Lehrer Rolf Winckler. Außer den klassischen Fächern wie Mathematik oder Englisch als Leistungskurs belegen die Schüler zehn Stunden in der Woche Web-, Produkt- und Kommunikationsdesign. An den beiden Tagen präsentierten zwanzig Gruppen mit jeweils drei oder vier Schülern ihre Projekte als Abiturprüfung. Die bestand beispielsweise darin, die Homepage des Optikers Eberhard Wenzel von Grund auf neu zu gestalten. Moderner sollten auch das Logo, die Visitenkarten und das Briefpapier des Unternehmens aus Gründau-Lieblos werden.

Knapp drei Monate beschäftigte sich ein Quartett von jungen Designern mit den Details von Wenzels neuem geschäftlichen Erscheinungsbild. Sogar um die Brillenetuis und die dazugehörigen Putztücher kümmerten sich Christian Daum, Philipp Geib, Catherine Hope und Anna Peters. Die Abiturienten hielten jeweils die alte Gestaltung dem neuen Entwurf gegenüber. Auf den Putztüchern etwa „befanden sich zu viele Informationen,“ bemerkte Philipp Geib. Mit dem, was am Ende heraus kam, zeigte sich Geschäftsinhaber Eberhard Wenzel äußerst zufrieden. Auch das neue Logo gefalle ihm wesentlich besser, als das, „was ich mir vor dreißig Jahren ausgedacht habe.“

Als bunte Truppe traten Emanuel Brod, Luis Jacobi, Christian Schuppner und Alina Yhlymova in der Mehrzweckhalle der Schule vor das Publikum, gekleidet als Cäsar, Dame aus dem Rokoko, Bürger aus der Gründerzeit samt dessen Burschen. Die vier präsentierten ihre Arbeit für die Frankfurter Firma „Theaterkostüme Jansen“, ein Kostümverleih, den es seit fast hundert Jahren gibt. Lange habe man überlegt, „ob wir einen Hut oder eine Maske ins Logo setzen sollen,“ gab Emanuel Brod Einblick in die Diskussionen und stellte die Alternativen bildlich vor. Am Ende entschieden sie sich für die Maske, „denn die ist typisch für die Branche.“

Die Verbindungen zu den Geschäften und auch zu Vereinen wie einem Tierheim oder der Fasanerie in Klein-Auheim kamen zum einen durch private Kontakte zustande. „Philipp Geib und ich kennen uns vom Volleyball,“ erklärte Brillenmacher Wenzel, woher die Bekanntschaft rührt. Zum anderen war teilweise einfach nur Klinken putzen angesagt, wie Rolf Winckler berichtete. Die Abiturienten machten Vereinen, Institutionen und Geschäften ein Angebot, dass die eigentlich nicht ablehnen konnten. Nämlich ihren gesamten öffentlichen Auftritt neu zu gestalten. Und das kostenlos. „Ein Risiko bestand für keines der Geschäfte.“ Nur wenn die Inhaber hinterher das Ergebnis übernehmen wollen, „geben sie an die Schule eine Spende.“

Die Lehrer bewerten am Ende „das Produkt, die Präsentation und die Dokumentation der Arbeit.“ Wichtig sei die funktionierende Teamarbeit. „Einzelspieler braucht niemand in der Branche,“ betont Rolf Winckler.

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