Gelungener Versuch oder Todesstoß für die City?

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Die Ergebnisse der viertägigen Marktplatz-Sperrung wurden kritisch gewürdigt.

Offenbach - Viele Überraschungen, manche Euphorie, aber auch Missbilligung brachte die Sperrung des Marktplatzes Ende Mai mit sich. Um diese Empfindungen und Erkenntnisse aufzuarbeiten, hatte die Bürgerbeteiligung Umbau Marktplatz ins Rathaus geladen. Von Claus Wolfschlag

Heraus kam eine turbulente Debatte. Sehr unterschiedlich erwiesen sich die Stellungnahmen der gut 40 anwesenden Bürger. „Ich fühlte mich in meine Jugend versetzt. Der Marktplatz ohne Autos versprühte ländlichen Charme“, äußerte einer. Und Barbara Levi-Wach von der Lokalen Agenda 21 räumte ein: „Manche vorherigen Meinungen haben sich durch die Praxis geändert. Man hat gesehen, was funktioniert und was nicht.“

Dem standen einige skeptisch gestimmte Bürger gegenüber. Ein Mann beklagte, dass die Parkhäuser teils gar nicht mehr erreichbar gewesen seien: „Sie können dann die Stadt auch gleich abschließen.“ Dem pflichtete der Vertreter des Parkhauses im Einkaufscenter KOMM bei: „Wir hatten einen Rückgang von 30 Prozent bei den Nutzern.“ Dass die Einzelhändler eine katastrophale Bilanz der Marktplatzwoche vorzuweisen hätten, wusstn zwei Frauen zu berichten: „Die Innenstadt muss für die städtischen Randgebiete gut erreichbar bleiben, sonst geht diese Stadt endgültig vor die Hunde.“

„Es muss sich etwas verändern in dieser Stadt“

Ein junger Mann hielt dagegen: Nur Leute, die an der Marktplatzwoche aktiv beteiligt gewesen seien, und Ansässige dürften überhaupt mitreden, sagte er an die Adresse eines kritischen Mühlheimers: „Es muss sich etwas verändern in dieser Stadt. Und dabei geht es auch darum, die Aufenthaltsqualität des Marktplatzes zu verbessern. Es kann nicht das Ziel von Stadtplanung sein, allein zu ermöglichen, dass Leute bequem mit dem Auto hin und zurück kommen.“

Auch die Politik musste sich rechtfertigen. Stadtverordnete Ulla Peppler (SPD) verteidigte sich gegen Vorwürfe der Hinterzimmerabsprachen: „Die Politik hat noch nichts beschlossen. Wir nehmen die Bürgerbeteiligung ernst. Wir möchten nur, dass der Platz wieder als solcher ins Bewusstsein zurückkehrt, also nicht allein eine Durchgangsstraße ist.“

Astrid Tschann vom Referat Verkehrsplanung versuchte zu beschwichtigen: „Es ging darum, den Marktplatz vier Tage mit einem anderen Verkehrsaufkommen wahrzunehmen.“ Sie musste zugeben, dass die auf einer offiziellen Schauwand getätigte Aussage, wonach es nur geringe Ausfälle bei den Parkhausbesuchern gab, auf wenigen stichpunkthaften Beobachtungen beruhte. Generell habe es zwar ein paar Staus auf der Berliner Straße gegeben, aber der Verkehr suche sich auch automatisch bei Veränderungen neue Wege. Somit würde sich nach einer Sperrung des Platzes der Verkehrsfluss von alleine reorganisieren, so Tschann.

Ein positives Resümee

Ein positives Resümee zog die mit der Bürgerbeteiligung betraute Stadtplanerin Ragna Körby: „Wir wollten einfach mal den Verkehr beruhigen und symbolische Aktionen durchführen. Dadurch sollte die Aufmerksamkeit auf den Platz gelenkt werden.“ Grundsätzlich wurde als Ergebnis der Marktplatzwoche festgehalten, dass mehr Sitzmöglichkeiten, mehr Farbakzente, Licht, Sauberkeit und Sicherheit gewollt sind.

Hinzu kommt die ersehnte Begrünung zur besseren Fassung des Platzes, die jedoch nicht im Widerspruch zur Nutzung als Durchgangsort stehen dürfe. Auch der Wunsch nach historischen Orientierungspunkten war in der Woche häufig zu vernehmen, wobei hier besonders oft die Rekonstruktion des alten Uhrtürmchens genannt wurde.

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