GEMA-Gebühren

Anhebung durch die Hintertür

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Protest gegen GEMA-Gebühren in Frankfurt im September 2012.

Offenbach - Die geplante erneute Tariferhöhung der GEMA zum Jahresbeginn lässt Clubbesitzer und Veranstalter zittern. Im Raum stehen Erhöhungen der Abgaben für Veranstaltungen zwischen 50 und 100 Prozent. Von Ronny Paul

Vor allem kleinere Offenbacher Veranstalter fürchten, dass unverhältnismäßig hohe Kosten auf sie zukommen. Nun nimmt auch die SPD-Fraktion Stellung zu der Debatte. Der SPD-Stadtverordnete und Vorsitzende des Offenbacher Jazzvereins, Lutz Plaueln, ist verärgert: „Die GEMA ist anscheinend beratungsresistent und hat aus der letztjährigen Diskussion um ihre neue und umstrittene Tarifordnung nichts gelernt“, sagt er. Nach massiven Protesten von Kulturschaffenden, Städten und dem Schiedsspruch des deutschen Patent- und Markenamtes seien diese Pläne „glücklicherweise ad acta gelegt“ worden, berichtet er.

Umso unverständlicher findet Plaueln, dass nun ein neuerlicher Anlauf geplant sei, um „den Kulturtreibenden erneut tief in die Tasche zu greifen“. Da schon im April 2013 die Gebühren um 15 Prozent angehoben worden seien, empfindet er eine nochmalige Erhöhung „als reine Abzocke“.

Plaueln vermutet, die GEMA könnte ihre ursprünglich geplante Anhebung nach und nach verwirklichen: „Die versuchen es nun durch die Hintertür.“ Dabei wäre dies gerade für Offenbach und seine Kulturlandschaft eine „unglaublich schädliche Entwicklung“. Die vielfältige und lebendige Kultur- und Musikszene könnte die höheren Tarife nicht stemmen. Damit drohe den Diskotheken und Veranstaltern teilweise das Aus, befürchtet der SPD-Stadtverordnete. Er appelliert nochmals an die GEMA, die Pläne zu überdenken: „Ich hoffe, sie zeigen sich offen für die bereits im vergangenen Jahr vorgebrachte Argumentation der Städte gegen höhere Tarife.“

Tanz-Demonstrationen gegen neue GEMA-Gebühren

Tanz-Demonstrationen gegen neue GEMA-Gebühren

Reinhard Prekel, Betreiber des Wiener Hofs in Bieber, wäre als kleinerer Veranstalter einer, der von den Plänen hart getroffen würde. Er hat einen Versuch gestartet, schlecht besuchte Veranstaltungen mit Hilfe der sogenannten Härtefallregelung abzurechnen. „Ich habe kürzlich bei drei Konzerten jeweils weniger Geld eingenommen als gedacht. Durch Künstlergage, Hotel und laufende Kosten muss ich draufzahlen“, rechnet Prekel vor. Mit der Härtefallregelung könnte Prekel den GEMA-Anspruch auf zehn Prozent der Eintrittsgelder begrenzen.

Wenn seinem Antrag stattgegeben wird, könnte dies seine kleinen Konzerte retten. „Bisher warte ich noch auf eine Gutschrift“, sagt Prekel. Er wolle ausprobieren, ob ihm dadurch Kosten und Gewinnausfälle erspart blieben.

Anti-GEMA-Demo in Frankfurt

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