Gemaa-Fronten gegen die Kerb

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Große Begeisterung ruft die „Gemaa-Kerb“ unter Gemaa-Menschen kaum hervor.

Offenbach - Die Neuauflage einer „Gemaa-Kerb“ im Stadtteil Tempelsee durch einen „Frankfurt-Offenbacher Förderverein für Volksfestkultur“ an diesem Wochenende steht unter keinen guten nachbarschaftlichen Vorzeichen.

Über den Rummelplatz auf dem Dag-Hammarskjöld-Platz an der Stadthalle beschweren sich die unmittelbaren Anlieger, der örtliche Sportverein und die Arbeiterwohlfahrt.

Die Auskunft des genehmigenden Ordnungsamts, die städtischen Behörden hätten keine andere Wahl als Zustimmung zum Schausteller-Antrag gehabt, besänftigt die Nachbarn ebenso wenig wie die Versicherung, die Einhaltung strenger Auflagen werde durch Ordnungspolizei und Streifen des 1. Reviers genauestens kontrolliert.

Walter Greß, der zu den Anwohnern gehört, denen Fahrgeschäfte und Crêpes-Stand vor den Gartenzaun gesetzt wurden, hält die Fläche für generell ungeeignet. Er macht darauf aufmerksam, dass nicht nur der Parkplatz, sondern auch Geh- und Radweg blockiert seien: „...nach einer für aus Richtung Heusenstamm kommenden Radfahrer uneinsehbaren Rechtskurve ohne einen vorherigen Hinweis (höchste Unfallgefahr)!“

Verein Gemaa Tempelsee hat nichts damit zu tun

Stefan Mehling ist der Vorsitzende des Vereins Gemaa Tempelsee 1927 und nimmt die Kerb mit dem volkstümlichen Namen des südlichen Stadtteils (Gemaa = Gemeinde) mit Erstaunen zur Kenntnis: Sei doch zwischen Verein und den „zuständigen Organen der Stadt Offenbach am Main“ vereinbart worden, dass solch eine Veranstaltung nicht mehr stattfinden soll, „da in der Vergangenheit das Niveau solcher Veranstaltungen ziemlich am Boden war“.

Außerdem, so Mehling, habe allein der Verein Gemaa Tempelsee das Recht, eine Veranstaltung unter diesem Namen auszurichten. Und nicht etwa ein frisch gegründeter Volksfestkultur-Verein. „Die Genehmigung“, klagt der Vorsitzende, lag bereits seit dem Frühjahr vor, ohne dass es die zuständigen Organe der Stadt Offenbach es für notwendig gehalten hätten, die Anwohner zu informieren oder zu fragen, ob eine solche Kerb in ihrem Sinne sei. Mehrling: „Uns ist daran gelegen, gegenüber den Gemaa-Bürgern und der breiten Bevölkerung klar zu stellen, dass der Verein Gemaa Tempelsee mit dieser Veranstaltung nichts zu tun hat.“

Ein ganz anderes Problem hat hingegen die Arbeiterwohlfahrt: Der seit Montag aufgebaute Rummel bringt nach Befürchtung von AWO-Sprecher Rudi Schell indirekt geistig-behinderte Mitarbeiter der Werkstätten Hainbachtal in Gefahr. Seit die Waldstraßen-Brücke nach Heusenstamm gesperrt ist und öffentliche Verkehrsmittel mittags das Hainbachtal nicht mehr ansteuern, dürfen AWO-Pendelbusse über den sonst für Durchgangsverkehr gesperrten Parkplatz fahren, um direkt zur OVB-Haltestelle in Richtung Innenstadt zu gelangen.

„Wenn man sie auf der anderen Seite rauslässt, rennen sie einfach über die Straße“, weiß Rudi Schell von den Menschen mit geistiger Behinderung: „Bei der Genehmigung des kommerziellen Kerbplatzes wurde schlichtweg vergessen, dass dieses zur Sicherheit von behinderten Menschen geschaffene Provisorium nicht mehr befahrbar sein wird.“

Geklärt ist mittlerweile auch, warum das Nasse Dreieck gegenüber nicht wie früher zum Rummelplatz werden konnte: Als im Jahr 2011 die erste Anfrage einging, war für das fragliche Fest-Wochenende von der Stadthallen-GmbH noch für den 28. Juli ein Rockkonzert vorgesehen – mit bis zu 4000 auch Parkplätze benötigenden Gästen. 

tk

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