Gemeiner als der Maulwurf

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Die Polizei bekommt lange nicht jeden Gartenhüttenfrevel gemeldet.

Bieber ‐ Kleingärtner kennen kaum einen natürlichen Feind, der es in Sachen Hinterhältigkeit mit dem Maulwurf aufnehmen könnte. Außer den gemeinen Einbrecher. Der sucht Laubenliebhaber landauf, landab seit jeher regelmäßig in hässlicher Regelmäßigkeit heim. Von Marcus Reinsch

Mal knackt er nur ein Vorhängeschloss, säuft dem Eigentümer den Kühlschrank leer und trollt sich wieder. Mal tritt er das Interieur zusammen, bevor er mit dem teuren Rasenmäher abschiebt. Und manchmal begnügt er sich nicht mit einem kleinen Refugium, sondern bricht in das Vereinslokal ein, findet keine oder nur kleine Beute und lässt alles in Flammen aufgehen.

Nach allem, was der Brandermittler des Offenbacher Polizeipräsidiums Südosthessen bisher herausgefunden hat, war das auch in der Nacht auf Montag so. Da brannte es an der Bieberer Schlossmühlstraße in der „Lokomotive“, deren Pächterpaar seit 24 Jahren nicht nur unter Kleingärtnern als regionale Schnitzel-Institution berühmt ist - fast ein innerer Totalschaden, mindestens 80 000 Euro, eher mehr. Im Lokal des Kleingartenvereins Ost wird es für zwei, zweieinhalb Monate keine Schnitzel und auch sonst nichts mehr geben.

Außer Trauer, Enttäuschung, Bestürzung, Wut, im Ost-Verein ebenso wie bei den Gleichgesinnten aus der Nachbarschaft. Erfahrungen mit Zeitgenossen, die Mein und Dein nicht unterscheiden wollen, haben eigentlich alle, wenn auch nicht solche extremen.

Harald Biel, Vorsitzender des nahen Kleingartenvereins Erlensteg, hat alleine in den vergangenen zehn Wochen rund zwei Dutzend Einbrüche in Hütten von Mitgliedern registriert - plus, vor sechs Wochen, rund 3 500 Euro Schaden an der Vereinsgaststätte Bieberbau, nachdem Ganoven dort die schwere Eisentür aufgehebelt und die Trinkgeldkasse der Bedienungen geklaut hatten.

Biel selbst hat seinen Bieberer Garten seit 15 Jahren, und er kennt „Leute, die hier seit 30 oder 40 Jahren sind und diese Einbrüche in dieser Häufigkeit und Dreistigkeit noch nicht so erlebt haben wie jetzt.“

Längst sei es für heimgesuchte Kleingärtner eine Gratwanderung, ob sie in die eigene Tasche greifen oder sich die Reparaturkosten von der Versicherung wieder holen und den Rauswurf riskieren. „Das ist schon extrem.“

Das sieht die Polizei ganz ähnlich. Auch sie bekommt zwar lange nicht jeden Gartenhüttenfrevel gemeldet. Doch sie bittet inständig darum. Spuren seien gefragt, sagt Polizeisprecher Henry Faltin. Die Brandspuren und die Aufbruchspuren an einem Fenster im Fall des KGV-Ost-Lokals „Lokomotive“ - das unter seinem Taufnamen „Zur Gärtnerruh“ eigentlich niemand kennt - wiesen eindeutig auf einen Dieb hin, der aus enttäuschter Beutelust zündelte.

Das erinnert an den bisher nicht aufgeklärten Brand in einem nur einige hundert Meter Luftlinie entfernten anderen Vereinsheim: Am 11. November vergangenen Jahres war das Domizil des Obst- und Gartenbauvereins Heusenstamm nicht mehr zu retten gewesen, nachdem dort ein Brandstifter ganz Arbeit geleistet hatte. Auch hier galt die Vermutung, dass ein Einbrecher zum Feuerteufel mutiert war. Faltin: „Es wird zu prüfen sein, ob das Feuer in Bieber und das in Heusenstamm Parallelen aufweisen.“

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