Gemeinsam mal richtig entfaltet

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Heilpraktikerin Jutta Graßmann-Bauer (links) zeigt die Übungen.

Offenbach - Irgendwann bekommt sie jeder, mehr oder weniger tiefe Furchen im Gesicht. Mit gezielter Gymnastik kann Abhilfe geschaffen werden. Wie es geht, zeigte ein Mitmach-Angebot der Reihe Kaleidoskop Gesundheit. Von Veronika Schade 

Da werden schöne Augen gemacht: Mit Eifer und Konzentration ist die Gruppe bei der Sache und sagt etwaigen Falten den Kampf an – ganz natürlich ohne Botox.

Wer an diesem Abend draußen an den bodentiefen und hell erleuchteten Fenstern des Stadtteilbüros Mathildenviertel vorbeigeht, dem bietet sich ein kurioses Bild: 15 Frauen und ein Mann, alle gesetzteren Alters, sitzen um einen mit Handspiegeln übersäten Tisch, blasen ihre Wangen auf, massieren sich die Stirn, pressen die Lippen zusammen. Gesichtsgymnastik gegen Falten ist Thema des Workshops innerhalb der Reihe Kaleidoskop Gesundheit, die seit 2003 mit unterschiedlichen Schwerpunkteneinmal monatlich an der Krafftstraße gastiert. „Ab einem bestimmten Alter wacht man auf, schaut in den Spiegel und denkt: Was ist denn da passiert?“, schmunzelt Referentin Jutta Graßmann-Bauer und erntet zustimmendes Kopfnicken und Seufzen. Hilfreiche Tipps zur Faltenbekämpfung erhoffen sich an diesem Abend so viele Teilnehmer, dass sogar weitere Stühle geholt werden müssen. „Manchmal kommen nur fünf Leute, das hängt immer vom Thema ab“, weiß Ingrid Wittfeld, eine der sieben Initiatorinnen – allesamt Heilpraktikerinnen beziehungsweise Ernährungsberaterinnen, die Wissen vermitteln wollen, das über die Beratung in den Arztpraxen hinausgeht.

Graßmann-Bauer, 64 Jahre alt, hat die Übungen fest in ihren Tagesablauf integriert. „Wenn man sie regelmäßig macht, zweimal täglich für fünf bis zehn Minuten, helfen sie wirklich“, motiviert die jugendlich wirkende Frau. Hilfsmittelchen wie Botox sind für sie wie für die Teilnehmer keine Alternative: „Das sieht immer künstlich aus, zerstört die Mimik.“ Falten machten so manches Gesicht schön und unverwechselbar, ist man sich einig. „Es geht vielmehr darum, die Elastizität und Struktur des Gesichts zu erhalten und zu festigen.“ Und dafür müssen die zirka 50 Kopfmuskeln richtig in Schwung gebracht werden. „Die Menschen machen Gymnastik mit ihrem Körper, vergessen aber, dass das Gesicht genauso trainiert werden muss“, sagt die Heilpraktikerin. Doch bevor sie zum praktischen Teil übergeht, beschwört sie die Bedeutung eines positiven Selbstbilds: „Lächeln Sie sich breit im Spiegel an, sitzen und stehen Sie aufrecht, Ihre Schultern hängen entspannt runter, auf dem Kopf tragen Sie ein imaginäres Krönchen.“ Allein die richtige Haltung bewirke viel und mache die Haut glatter.

Lieblingsübung für jede Gesichtsübungen

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Für die Gruppe wird es nun ernst. Schlupflider, Doppelkinn oder ausgeprägte Nasolabialfalten – jeder moniert bei sich andere Problemzonen. Graßmann-Bauer stellt für jede Gesichtspartie ihre Lieblingsübung vor, insgesamt fünf an der Zahl. Um die Durchblutung anzuregen, klopfen alle erstmal gründlich mit den Fingern ihr Gesicht ab und zupfen an der Haut, bis sie rosig wird. Und schon kommt die Übung fürs Kinn. Einen Arm auf dem Tisch abstützend, die andere Hand zur Faust geballt, drücken die Teilnehmer ihr Kinn gegen die Faust. Bei der Übung für den Mund formen sie mit zusammengepressten Lippen ein „O“, drücken die Zunge gegen den Daumen. „Anstrengend“, ist die erste überraschte Reaktion. Die Wangen werden gestrafft, indem man sie aufbläst, die Luft darin hin und her wälzt und dann langsam rauslässt. Im zweiten Schritt kann beim Luftentweichen mit den Handflächen gegen die Wangen geklopft werden. In Spiegeln beobachten sich die Frauen dabei, manche machen eifrig Notizen. Von schönen Augen träumt jeder. Um die Haut drumherum zu glätten, werden Zeigefinger und Daumen überm und unterm Auge ans Jochbein gelegt, dann wird die Haut leicht auseinander gezogen. Anschließend 15 bis 20 Mal blinzeln. „Ich habe jetzt eine neue Falte“, klagt eine Dame. „Dann haben Sie es zu fest gemacht“, vermutet Graßmann-Bauer und freut sich ihrerseits über das „Gefühl von einem klaren Blick“.

Danach greifen sich alle an die Stirn – mit beiden Händen, so dass sich die Fingerkuppen berühren. Die Haut abwechselnd anspannen und entspannen, die Finger sollen die Bildung von Falten verhindern. Zum Abschluss reiben sich alle die Hände und legen sie wärmend aufs Gesicht. „Das war gut“, lautet der Tenor, einige spüren richtige Spannung in der Haut. Die Referentin hat noch jede Menge Literaturtipps parat sowie weitere Übungen, etwa für eine glatte Kinnlinie: „Die Kuhle unterm Ohrläppchen 20 mal drücken!“ Nicht rauchen, ausreichend trinken und schlafen, sich ausgewogen ernähren, sich Gutes tun und mit Freunden treffen – all das trage zu einem gesunden Hautbild bei. Zwei einfache Tipps für ein Rundum-Gesichtstraining gibt die 64-Jährige der Gruppe noch mit auf den Weg: „Kaugummi kauen ist sehr effektiv. Und viel lachen!“

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