Die Gemeinschaft zählt

Rumpenheim - Es sind nicht materielle Dinge, die eine Gemeinschaft oder einen Verein verbindet. Dennoch hängt so manches Herz an Gegenständen oder Objekten. Von Katharina Skalli

So ähnlich ist’s mit dem ehemaligen Vereinsheim der SKG Rumpenheim. Von ihm ist nichts übrig als ein Stein, der einen guten Platz in einer Ecke des neuen Clubhauses bekommen hat. Zwischen Fotos, Wimpeln und anderen Erinnerungsstücken erinnert der rote Backstein an Vergangenes.

Die Umgebung, in der er platziert wurde, ist neu. Seit gerade mal zehn Jahren steht das neue Heim der Sport- und Kulturgemeinschaft an der Bürgeler Straße. Blickt man über die sattgrünen Trainingswiesen, trifft das Auge auf die Stelle, an der einst das SKG-Heim stand. Heute stehen dort Einfamilienhäuser. Der Stein hilft, sich zu erinnern, denn der Verein hat eine lange Geschichte. In diesem Jahr feiert die SKG ihren 100. Geburtstag.

Gekickt wird in Rumpenheim bereits seit 1900

Dass dem runden Jubiläum eine noch längere Geschichte vorausgeht, wissen die wenigsten. Bereits in der Kaiserzeit wurden die Vorgängervereine gegründet. Gekickt wird in Rumpenheim jedoch bereits seit 1900. Der Fußballclub Viktoria 1911 schloss sich aus den Vereinen Viktoria und Britannia zusammen. Mit der Herrschaft der Nationalsozialisten kamen erneute Veränderungen auf die Kicker aus Rumpenheim zu. Im Zuge der Gleichschaltung wurden sie mit dem Turnverein 1921 zum Verein VfL Rumpenheim zusammengelegt. Auch beim Arbeiter-Gesangsverein Vorwärts, der Freien Turnerschaft und dem Arbeiter-Radfahrverein Solidarität 1906 kam es zum Zusammenschluss. Es entstand der Arbeiter-, Gesang- und Sportverein Rumpenheim, der nach dem Zweiten Weltkrieg Teil der SKG werden sollte. Bis heute sind alle Altersgruppen vertreten.

Schon damals war der Verein ein Ort für Jung und Alt. Tradition und Jugendlichkeit trafen aufeinander und ergänzen sich bis heute. Schwerpunkt und Herzschlag damals wie heute ist der Fußball. Im Jubiläumsjahr zählt die SKG etwa 300 Mitglieder. Das jüngste ist kein Jahr und das älteste feierte seinen 93. Geburtstag. Dass sich die verschiedenen Altersgruppen in dem Verein so wohl fühlen, erklärt Pressewart Henning Hehner mit dem tiefen Gemeinschaftssinn, der seit den Anfängen stetig gewachsen sei. „Eine gute Gemeinschaft ist die Grundlage für erfolgreichen Sport“, sagt er, der selbst seit 50 Jahren Mitglied bei der SKG ist.

Nachwuchssorgen hat SKG Rumpenheim nicht

Vieles auf dem Gelände ist in Eigenregie entstanden. So auch die Bänke und der Grillplatz vor dem Kleinfeld, auf dem sich meist die jüngsten Kicker tummeln. Dann ist es auch besonders voll hinter dem Clubhaus, denn es gibt kaum Eltern, die das Spiel ihres Sprösslings verpassen wollen. Nachwuchssorgen wie andere Vereine hat die SKG Rumpenheim nicht. Acht Jugendteams trainieren unter schwarz-gelber Flagge mit dem Fußball-Logo. Die jüngsten Kicker sind erst vier Jahre alt.

Nicht nur bei den Heimspielen wird es auf dem Gelände um das Spielfeld eng. Auch wenn die erste Mannschaft sich den Gegnern auswärts stellt, folgt ihnen eine große Fangemeinde. „Die SKG kommt nie alleine“, sagt Hehner. Das ist eben so Tradition. Genauso wie der Kuchen, den die Damen alle zwei Wochen zu den Heimspielen backen und am Spielfeldrand verkaufen. „Das ist schon ewig so“, versichert Experte Hehner.

Väter schon im gleichen Trikot gekickt

Für viele Mitglieder bedeutet „einmal SKG – immer SKG“. Von einigen Spielern haben die Väter schon im gleichen Trikot gekickt. Dennoch lässt der Vereine gute Spieler gehen, die in höherklassigen Ligen spielen können. Das gehöre zur Philosophie – irgendwann kommen sie wieder und spielen bei den Alten Herren. Auch Profi Christian Müller, mittlerweile beim FSV Frankfurt, ist ein Schützling der SKG, die es selbst nicht über die A-Liga hinaus geschafft hat. Den sportlichen Erfolg will der Club nicht um jeden Preis. Wichtiger ist der enge Bezug zu Rumpenheim.

Den lobt auch Oberbürgermeister Horst Schneider, der Schirmherr des Jubiläums ist, in seinem Grußwort in der Festschrift. Diese erscheint pünktlich zu den Feierlichkeiten im Juni. Vom 10. bis zum 13. feiert der Verein auf seinem Gelände mit einem Alt-Herren-, Jugend-Turnieren, Frühschoppen, Party und Musik. Am 4. Juni findet im Bürgerhaus, das einst vom Verein gebaut worden war, eine akademische Feier statt. Zumindest wenn im Vereinsheim gefeiert wird, erklingt mit Sicherheit das clubeigene Fußballlied, das bereits vor 50 Jahren gesungen wurde, und heute noch genauso klingt.

Rubriklistenbild: © Rainer Sturm/pixelio.de

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