Gemischte Gefühle

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Hermann Gaffga, engagierter Anwohner der Beethovenschule, und seine Mitstreiter zeigen Parlamentschefin Sieglinde Nöller, worum es geht.

Offenbach (mad) - Angesichts des Protestes vorm Sitzungssaal fanden die Stadtverordneten am Donnerstagabend schnell einen gemeinsamen Nenner zur Beethovenschule. Einstimmig beschloss das Parlament einen von Koalition, CDU und FDP eingebrachten Dringlichkeitsantrag.

Der sieht wie berichtet schnellstmöglich eine Bürgerversammlung zur geplanten Fällung von 21 Bäumen auf dem Schulgelände vor, schreibt Ersatzpflanzungen vor und die Erhaltung des südlichen Geländes als Schulhof fest.

Simon Isser hatte zuvor für die CDU betont, es sei richtig, eine Bürgerversammlung einzuberufen. Die Sicherheit der Kinder habe zwar Vorrang, doch man müsse sich auch die Zeit nehmen, Schulgemeinde und Anwohnern die Situation zu erklären. Der Stadt warf Isser vor, nach dem Bombenfund im August 2011 nicht richtig nachgeschaut zu haben, ob sich weitere Sprengkörper auf dem Gelände befinden.

Hinweise auf Bomben

Sabine Grasmück-Werner zeigte sich für die Grünen schockiert über die Nachricht, dass alle Bäume auf dem Gelände der Beethovenschule gefällt werden sollen. Bei der Bürgerversammlung müsse die Verwaltung öffentlich darlegen, ob beziehungsweise unter welchen Bedingungen auf weitere Baumfällungen auf dem Gelände der Beethovenschule verzichtet werden könne.

Die Grünen-Politikerin räumte ein, dass es seit Anfang des Jahres Hinweise auf Bomben gegeben habe und man bis vor kurzem der Meinung gewesen sei, das Problem technisch in den Griff zu bekommen.

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Sie freue sich aber, so Grasmück-Werner weiter, dass nun klargestellt werde, dass eine Bebauung des südlichen Teilgrundstücks vom Tisch sei und die Fläche weiterhin als Schulhof zur Verfügung stehe. „Das ist ein klares Bekenntnis der Politik zum Erhalt der gesamten Schulhoffläche für die Beethovenschule, an der somit die besonderen Herausforderungen des Ganztagsunterrichts verwirklicht werden können.“

Komplettfällung alles andere als unausweichlich

Günther Eufinger, Sprecher der Initiative Beethovenschule, begrüßte gestern ebenfalls die Erhaltung des gesamten Schulhofs. Die Bürgerversammlung hält er für zwingend notwendig. Denn: „Nach jüngsten Erkenntnissen aus unseren Recherchen, ist die Komplettfällung alles andere als unausweichlich.“

Unterdessen verfestigt der Blick in die Historie die Vermutung, dass die fraglichen Bäume erst nach dem Zweiten Weltkrieg gepflanzt wurden. So kann Anwohnerin Ursula Merbach, die seit Anfang der 50er in Nachbarschaft zur Schule lebt, berichten und mit Fotos belegen, dass seinerzeit Bäume von der Kaiserstraße, die Taxiplätzen weichen mussten, zum großen Teil auf den Hof der neu erbauten Beethovenschule gepflanzt wurden. Gleichzeitig wundert sich Ursula Merbach, dass die baumbestandene Umgebung der Schule, die damals ebenfalls mit möglicherweise Bomben enthaltendem Schutt verfüllt wurde, nun nicht auch zur potentiellen Gefahrenzone erklärt wird.

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