„Genehmigte Körperverletzung“

+
„See us There“

Offenbach - Dröhnende Bässe, wummernde Beats: 1500 meist jugendliche Besucher feierten am Sonntag im Leonhard-Eißnert-Park eine lautstarke Freiluftparty. Von Veronika Szeherova

Die monotonen Technoklänge verleiteten die einen zu Körperzuckungen, für andere grenzten sie an Körperverletzung: Die Anwohner um den Park hatten sie zehn Stunden am Stück zu ertragen. Mehr als zwei Dutzend beschwerten sich bei der Polizei. Doch der waren die Hände gebunden. Die Veranstaltung war von der Stadt genehmigt.

„Offenbach wird eh von allen Seiten zugelärmt, und da kommt so ein selbstgemachtes Ding dazu“, schimpft Kurt-Michael Stöhr. Sein Haus am Bierbrauerweg stand unter Dauerbeschallung. „Meine Kinder kamen heulend zu mir, weil sie es nicht ausgehalten haben“, so der vierfache Vater.

Ursula Caillaud aus der Konrad-Adenauer-Straße in Bieber hatte ebenfalls alles andere als einen erholsamen Sonntag: „Der Bass war ganz furchtbar. Bis in den späten Abend hat er gedröhnt und uns um jede Ruhe gebracht. Wie kann die Stadt nur so etwas erlauben?“ Mehrere Male habe sie bei der Polizei angerufen: „Sie waren sehr nett und verständnisvoll, konnten aber nichts tun. Mir graut jetzt schon, wenn die warme Jahreszeit anfängt. Geht es dann so weiter?“

Weitere Partys sind geplant

Tatsächlich sind ähnliche Festivals für 22. Juli und 26. August geplant. Ordnungsamtsleiter Peter Weigand beruft sich auf die „Freizeitlärmrichtlinie“, die zehn solcher Veranstaltungen im Jahr erlaube: „Im Leonhard-Eißnert-Park sind es nur drei.“ Der Dauergeräuschpegel dürfe 60 Dezibel nicht überschreiten – gemessen an den Fenstern der nächsten Wohnbebauung. Er räumt ein, dass es am Sonntag keine Messungen gab, ob die Auflagenwerte überschritten werden.

„Kollegen, die in der Nähe wohnen, haben die Bässe auch als sehr laut empfunden, und am Morgen kamen viele Beschwerden“, so Weigand. „Wir haben den Veranstalter vorgeladen und werden mit ihm vor allem im Hinblick auf die zwei geplanten Veranstaltungen im Sommer sprechen.“ Das Ordnungsamt will die Festivals „mit Personal begleiten“, außerdem soll der Lärmpegel gemessen werden.

Die Polizei hat während der Party bei zwei Männern – mutmaßlich Dealern – mehr als ein halbes Pfund Amphetamin sowie Cannabis sichergestellt. „Das ist keine Veranstaltung, die das kulturelle Leben Offenbachs bereichert“, sagt Anwohner Stöhr zum Publikum.

Er spricht von „genehmigter Körperverletzung“. Auch für Ursula Caillaud ist das Thema nicht erledigt: „Beim nächsten ,OB vor Ort’ werde ich das ansprechen. Der Lärm nimmt jede Lebensfreude.“ Von den Flugzeugen hörten die Einwohner bis 22 Uhr nichts. Sie wurden übertönt...

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare