Die Generation viel zu sorglos

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Wie groß ist die Angriffsfläche, die ein soziales Netzwerk einem Stalker bietet? Ich mache den Versuch und suche im Online-Portal „SchülerVZ“ zufällig einen Jugendlichen heraus und betätige mich als Detektiv.

Frankfurt ‐ Wie groß ist die Angriffsfläche, die ein soziales Netzwerk einem Stalker bietet? Ich mache den Versuch und suche im Online-Portal „SchülerVZ“ zufällig einen Jugendlichen heraus und betätige mich als Detektiv. Ich kenne diese Person nicht und versuche, so viel wie möglich über sie herauszufinden, ohne auch nur ein einziges Mal mit ihr zu kommunizieren. Von M. Lüderwaldt

Zufällig klicke ich mir in der Liste des Verzeichnisses eine Jugendliche aus Freiburg heraus. Ich treffe auf Maria Schmidt (Name geändert). Maria ist 14 Jahre alt und 1995 geboren. Ihr Freunde nennen sie gerne Prinzessin. Ihr Lieblingsfach ist Englisch, ihr Hassfach Mathe. Sie hört gerne Musik, bevorzugt House und Hip-Hop, beschreibt sich selbst als „Zimtzicke“. Ihrem Freund Mario widmet sie auf ihrem Profil die Worte: „Waas Füür Scheeißee - Wir immer Maachen Soo Gaaail Liebee dich Übertrieben.“ Zahlreiche Einträge auf ihrer Pinnwand, keiner davon ohne, wohl absichtlich eingebaute, Rechtschreibfehler im Jugend-Slang, lassen genauestens verfolgen, wann sie sich wo mit welchem ihrer Freunde trifft.

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Auch plaudert sie über die Urlaubspläne der Familie, ohne Mühe könnte ein Einbrecher feststellen, wann die Wohnung leer steht. In den Herbstferien waren sie in Tunesien, die Freunde vermissten sie, so lauten jedenfalls die Nachrichten, die sie auf ihrer Seite hinterließen. Seit Maria im Dezember 2007 „SchülerVZ“ beitrat, ist sie Mitglied in zahlreichen Gruppen, die Besuchern der Seite Rückschlüsse über die Einstellung des Mädchens erlauben sollen. Aufgelistet ist in ihrem Profil die Mitgliedschaft in „Meine Eltern haben eine geile Tochter“, „Ey..Ich hab ne idee!!! Lass ma voll gegen die Wand rennen!!!“ oder „Leute, die rechts nur einen Arm haben.“ Maria läuft gerne Eis, doch vor allem läuft sie Gefahr, gestalkt zu werden.

Nach der Recherche, von der hier nur wenige Auszüge erwähnt wurden, kenne ich Maria vermutlich besser, als es ihr von einer fremden Person lieb wäre. Wäre das hier nicht ein Versuch, sondern die Verfolgung durch einen Stalker gewesen, wäre bestätigt: Kein Jugendlicher, der nicht weiß, wie er mit seinen Daten umgeht, lebt mehr sicher. Ich schreibe Maria an und teile ihr meinen Versuch mit. Schnell kommt eine schlichte Nachricht zurück: „Ehrlich jezz? Ist mir eigentlich egal.“

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