Genossen setzen auf Pferde

Rumpenheim - Als der Isenburger Industrielle Arthur van Kaick in den 50er Jahren das Rumpenheimer Hofgut von der Kurhessischen Stiftung pachtete, dachte kaum einer an Pferdezucht und Rösser. Es begründete jedoch den Ruf Rumpenheims als „Reiterdorf“. Von Martin Kuhn

Kaik’sche Schimmel und Rappen sind längst aus der Ortsmitte verschwunden. Die denkmalgeschützten Stallungen werden zu Wohnungen umgebaut. Kommt für Rumpenheimer Pferdefreunde ein weiteres „Aus“? Das fürchten offenbar die Sozialdemokraten. In einer Pressemitteilung geben sie sich kämpferisch: „Rumpenheim muss Reiterdorf bleiben. “.

Aktuell geht’s um den Reit- und Fahrverein, zu dem sich acht Reiter 1978 zusammenschlossen, „da sie bei der Stadt keine Lobby hatten“. Schon ein Jahr später verpachtete die Kommune dem jungen Verein ein städtisches Areal „in jämmerlichem Zustand an der alten Schleuse“. In vielen Stunden und mit viel Enthusiasmus gestalteten die Mitglieder daraus den Schleusenplatz. Besonders stolz ist der Reit- und Fahrverein allerdings auf den Tempelplatz. Für diesen pachtete der Klub ein etwa 28 000 Quadratmeter großes und privates Gelände zwischen Rumpenheim und Mühlheim. Den sandigen Acker ließ der Verein zu einem grünen Vielseitigkeitsplatz werden, „mit einer 500 Meter Galoppbahn und vielen Naturhindernissen ein idealer Allwetter-Reitplatz“.

Viele Reitwege für Pferde nicht mehr begehbar

Um dieses Domizil, das Reiter auch aus den benachbarten Bundesländern anreisen lässt, bangt der etwa 150 Mitglieder starke Verein. Das erfuhr der SPD-Fraktionsvorsitzende Andreas Schneider bei einem Gespräch mit Hans-Jürgen Ott vom Reit- und Fahrverein Rumpenheim. Danach resümiert Schneider: „In Rumpenheim werden die Bedingungen für Reiter zunehmend schlechter.“

Das sei einerseits das Ergebnis unterschiedlicher Baumaßnahmen. Viele Wege, die bisher als Reitwege genutzt werden konnten, seien für Pferde nicht mehr begehbar. „Das ist beispielsweise bei einem geschotterten Weg der Fall“, berichtet Schneider. Der Schotter könne sich unter die Hufe der Pferde setzen und zu Verletzungen führen. Optimal wäre dagegen ein möglichst weicher Sand- oder Rasenbelag. Ein weiteres Problem sei, dass durch die Umgestaltung am Rumpenheimer Mainbogen Wege nicht mehr als Wege klassifiziert seien. Doch nur solche dürfen in Hessen von Reitern genutzt werden. „Inzwischen können auf Ausritten nur noch kleine Runden im Schritt gedreht werden. Das ist schade.“

„Pferdedorf Rumpenheim ein Alleinstellungsmerkmal“

Mehr Sorge bereite den Reitern aber der Verkauf des Tempelplatzes an einen privaten Käufer. Bisher sei keine Zusage erfolgt, dass der Reit- und Fahrverein Rumpenheim den Platz auch über 2011 hinaus pachten oder mieten könne. „Die Regionalparkroute wirbt in Rumpenheim besonders mit diesem Vielseitigkeitsplatz. Er gilt in Deutschland als einer der schönsten Plätze“, so Andreas Schneider. Daher werde sich die SPD-Fraktion dafür stark machen, dass sich die Bedingungen für Reiter in Rumpenheim „wieder verbessern und der Vielseitigkeitsplatz weiter für Reitsport zur Verfügung steht“.

„Das Pferdedorf Rumpenheim ist ein Alleinstellungsmerkmal im Rhein-Main-Gebiet“, sagt Rosa Kötter, Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bürgel-Rumpenheim. „Wo sonst ist es in einem ansonsten städtischen Umfeld so idyllisch wie hier?“ Sie sieht in einer Verbesserung der Bedingungen für Pferdesportler auch einen Marketingfaktor für Offenbach.

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