Genug ist nie genug

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Weil nie genug Blut zur Verfügung steht, erhöht das Deutsche Rote Kreuz die Altersgrenze für Mehrfachspender von 68 auf 71. Allein in Deutschland werden täglich 15 000 Gaben benötigt.

Offenbach - In Horrorfilmen fließt es immer reichlich: leuchtend rotes Blut. Die Flüssigkeit mag täuschend ähnlich aussehen, aber für den echten Lebenssaft gibt es bis heute keinen Ersatz. Deswegen sind Kranke und Unfallopfer nach wie vor darauf angewiesen, dass genug gegeben wird. Von Simone Weil

Immerhin werden allein in Deutschland täglich 15 000 Spenden benötigt.

Beim Blutspendedienst Baden-Württemberg - Hessen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) setzt man auf die besonders zuverlässigen Mehrfachbesucher, die regelmäßig ihr kostbares Gut spendieren - freiwillig und unentgeltlich. Weil die in der Regel schon ein bisschen in die Jahre gekommen, aber sehr engagiert sind, wurde jetzt die Altersgrenze unter dem Motto „Zu fit um aufzuhören“ von ehemals 68 auf 71 erhöht. Die Spender müssen allerdings eine ärztliche Bescheinigung vorlegen, dass ihr Gesundheitszustand in Ordnung ist.

Die Jüngeren kommen oft nur einmal und dann jahrzehntelang nicht mehr“, weiß DRK-Referent Eric Max. Doch die Blutsammler haben vorwiegend Interesse an einer langfristigen Bindung. Denn die kostbare Flüssigkeit wird immer gebraucht.

Bei der jüngsten Sammelaktion in der Stadthalle Offenbach am vergangenen Montag fanden sich in vier Stunden immerhin 196 Freiwillige ein. „Wegen der Herbstferien war der Andrang etwas schwächer“, bilanziert Max. Doch 32 Besucher wurden gar nicht erst zugelassen: Mittels ärztlicher Untersuchung und eines Fragebogens wird unter anderem ausgesiebt, wer nicht gesund ist, ein Antibiotikum nimmt, innerhalb der letzten zwölf Stunden Alkohol getrunken hat oder sich innerhalb der vergangenen fünf Monaten piercen oder tätowieren ließ. Um sich einen unnötigen Weg zu ersparen, sollten sich Interessierte unter Tel: 0800 11 949 11 bei der kostenlosen Hotline informieren, empfiehlt Max.

Ruhepause, Imbiss und gutes Gewissen

Diejenigen, die es dann hinter sich haben und etwa einen halben Liter Blut losgeworden sind, werden nach einer kurzen Ruhephase ein wenig aufgepäppelt: Ein Imbiss soll ihnen helfen, wieder zu Kräften zu kommen. Mit einem Dankeschön-Präsent, in das die Ortsvereine Saft und Süßigkeiten gepackt haben, gehen die DRK-Unterstützer nach Hause. Und mit einem guten Gewissen.

Eric Max, der die in diesem Jahr 245 Spendetermine im Kreis Hanau, Dieburg und Offenbach im Blick hat, ist mit der Resonanz recht zufrieden. Und doch könne es nie genug sein.

Denn insgesamt spenden derzeit nur knapp drei Prozent der Bevölkerung Blut. Benötigt würden aber etwa sechs Prozent der Bevölkerung als regelmäßige Dauerspender, wenn die Versorgung mit Blutpräparaten langfristig ausreichend gesichert werden soll.

Das meiste der kostbaren Flüssigkeit wird inzwischen zur Behandlung von Krebspatienten benötigt. Es folgen Erkrankungen des Herzens, Magen- und Darmkrankheiten, Sport- und Verkehrsunfälle. Bei schweren Unfällen kann es vorkommen, dass wegen bestimmter innerer Verletzungen mindestens zehn Blutkonserven pro Unfallopfer bereitstehen müssen.

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