Geo-Radar statt Flickwerk

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Neuen Asphalt bekommt die Sprendlinger Straße in Höhe des Klinikums spendiert. In der nächsten Woche stehen Erneuerungsarbeiten in der Unteren Grenzstraße zwischen Hebestraße und Mühlheimer Straße an. Mit Verkehrsbehinderungen ist zu rechnen. 600 000 Euro stehen pro Jahr für die größeren Straßensanierungen im Stadtgebiet zur Verfügung.

Offenbach - Straße gesperrt, Asphalt drauf, und fertig ist die neue Piste. Wenn's nur so einfach wäre. Manchmal würde sich Peter Walther das vermutlich so wünschen. Von Matthias Dahmer

Doch schon die Zahlen arbeiten gegen den Chef des Stadtdienstleisters ESO: Gerade mal 600 000 Euro werden ihm von der Stadtregierung für die größeren Reparaturen an Offenbachs Straßen pro Jahr genehmigt. Um das rund 260 Kilometer lange Straßennetz der Stadt aber tatsächlich auf - sagen wir mal - ostdeutsches Niveau zu bringen und für die nächsten fünf Jahre Ruhe zu haben vor Schlaglochpisten, müssten satte 14 Millionen her.

Ein wünschenswerter Vollausbau der stark beschädigten Straßen lässt sich aus finanzieller Sicht der Stadt Offenbach derzeit nicht realisieren“, hat denn Walther auch höflich der Stadtverwaltung geantwortet, die eine entsprechende Anfrage der Freien Wähler geklärt haben wollte.

Doch Walther und seine Mannschaft versuchen das Beste aus dem schmalen Budget zu machen. Kurzfristig ist das nicht mehr als Schadensbeseitigung, um der Verkehrssicherungspflicht genüge zu tun, räumt er ein.

Doch mittel- und langfristig plant man beim ESO so etwas wie einen Neustart in Sachen Straßensanierungen. Die Zeiten, in denen man nach dem Winter die Asphaltpisten abgefahren und Pi mal Daumen entschieden hat, wo was zu flicken ist, sollen bald der Vergangenheit angehören. Ein neues Straßenkataster wollen die ESO-Leute anlegen. Eines, in dem alles systematisch erfasst und mit dessen Hilfe erkennbar ist, ob ein Streckenabschnitt sofort oder vielleicht erst in vier, fünf oder sechs Jahren erneuert werden muss. Im Durchschnitt, klärt ESO-Leiter Walther auf, hält eine Straße je nach Frequentierung bis zu 20 Jahre.

Um im wahrsten Sinne des Wortes belastbare Zahlen zu haben, wird in den nächsten Monaten ein mit sogenanntem Geo-Radar bestückter Wagen durch Offenbach rollen; gemächlich mit 30 Stundenkilometern, um jeweils die ganze Breite der Fahrbahn zu erfassen. Die nur einmal anzuwendende Technik liefert die notwendigen Basisdaten fürs künftige Kataster.

Der ESO ist seit Anfang des Jahres für die Instandhaltung der Verkehrs- und Grünanlagen alleine zuständig. „Bislang lief nicht immer alles koordiniert ab“, sagt Peter Walther, der sich von der Bündelung der Aufgaben im Eigenbetrieb eine technische und wirtschaftliche Optimierung der Straßenunterhaltung verspricht.

Bei den zu flickenden Kleinigkeiten sind die Sanierer von der Daimlerstraße auf Hinweise der Offenbacher angewiesen, wo was getan werden muss. Wer in diesem Sinne etwas zu melden hat, kann es unter Tel: 069/ 8065-4545 los werden.

Auf 50 Straßenabschnitten hat der ESO nach dem vergangen strengen Winter „sofortigen Handlungsbedarf“ gesehen. Es wurde eine Prioritätenliste erstellt, die nun nach und nach abgearbeitet wird. Zwei Verfahren werden dabei angewendet. Bei kleineren Schäden soll es eine dünne Schicht Bitumenemulsion richten, die kalt aufgesprüht und mit Splitt bedeckt wird. Beim zweiten Verfahren, das unter anderem in der Rhönstraße zum Einsatz kam, werden stark beschädigte Abschnitte zunächst abgefräst und dann mit einem neuen Belag versehen.

Alle von uns geplanten Arbeiten sind mit Baumaßnahmen Dritter abgestimmt, um größere Behinderungen zu vermeiden“, sagt Peter Walther.

So ganz ohne Flickwerk wird es indes auch künftig nicht gehen. Wenn etwa Bordsteine ausgebessert oder einzelne Schlaglöcher beseitigt werden müssen. Das fällt dann unter die kleineren Reparaturen, für die dem ESO mit 1,9 Millionen Euro sogar ein größerer Etat als fürs flächige Ausbessern zur Verfügung steht.

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