Geocaching

Auf moderner Schnitzeljagd

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Geocacher Jörg Grimm mit seinem wichtigsten Gerät: dem GPS-Ortungsgerät.

Waldhof - Für Jörg Grimm ist Geocaching ein leidenschaftliches Hobby. Mit Hilfe von GPS und Landkarten hat er schon einige Gleichgesinnte kennen gelernt und macht auf diese Weise den Stadtteil bekannt.  Von Stefan Mangold

Wohl die meisten Menschen verbinden das Spiel aus der Kindheit mit Klassenfahrten oder Geburtstagen. Die einen gehen vor und verstecken irgendwo einen Schatz. Die anderen müssen ihn finden. Um der suchenden Nachhut eine realistische Chance zu geben, markiert die Vorhut den Weg mit Schnipseln oder Sägemehl. Finten dürfen sie legen, an einer Weggabelung beide Optionen anbieten oder Zettel mit verklausulierten Hinweisen an einen Baum kleben.

Die Schnitzeljagd kehrt heute in neuem Gewand zurück, als Steckenpferd für technisch Vernetzte aller Altersklassen. Jörg Grimm, der Mann, der für den Arbeitskreis Waldhof Aktiv die Webseite gestaltet, erzählt von einem 80-jährigen Ehepaar, das er zusammen mit einem Freund auf freier Flur kennen gelernt hat. Das Paar beteiligt sich gern an der modernen Schatzsuche.

Koordinaten lösen Schnipsel ab

An Schnipseln muss sich dabei niemand mehr orientieren. Die Richtung weisen Koordinaten aus dem Internet und ein GPS-Signal aus dem All. Geocaching (sprich: Geokätsching) nennt sich das Such- und Versteckspiel zwischen Unbekannten. „Bisher war Waldhof ein weißer Fleck in der Szene“, sagt Grimm. Er ist dabei, das zu ändern, indem er sogenannte „Caches“ auslegt. Wasserdichte Behältnisse, in denen kleine Gegenstände zum Mitnehmen und Tauschen nebst einem Büchlein liegen, dem Logbuch. „Darin kann sich jeder eintragen, der das Cache gefunden hat.“ In seine Verstecke legt Grimm deshalb einen kleinen Bleistift, falls jemand keinen Kugelschreiber im Revers stecken hat.

Alle möglichen Dinge können so in einer durch Äste und Zweige im Wald getarnten Tupperware liegen, vom Nippes bis zu Nützlichkeiten. Grimm erfreute den ersten Öffner im Umkreis der Goldbergstraße mit einer Tüte Gummibärchen. Der goutierte den Fund erfreut im Internet. Das Prinzip des Geocaching beruht auf Tausch. Wer etwas herausnimmt, legt etwas hinein. Etliche haben sich schon ins Logbuch eingetragen. Jemand legte in die Tupperware einen Schlüsselanhänger mit dem Wappen von Obertshausen. „Ich will Waldhof bekannt machen“, sagt Grimm.

Blutige Anfänger und Profis

In seinen Caches liegt eine kurze Abhandlung über den Ort, an dem der Finder gerade steht. Oder er schreibt im Internet darüber, bevor sich jemand auf den Weg macht, um nach seinen Angaben zu suchen. „Als Waldhofer Bub habe ich in meiner Kindheit hier gespielt“, heißt es über das Versteck unweit der Goldbergstraße. Der 31-jährige weiß aus den Einträgen, „dass viele von außerhalb kommen und suchen, besonders aus dem Main-Kinzig-Kreis“. Für das erste Cache, das er auslegte, machte sich jemand aus Freigericht auf den Weg.

Grimm erzählt von den Schwierigkeitsstufen des Geocaching. Ein Versteck der ersten Kategorie findet wohl auch der blutige Anfänger. In der fünften Stufe hingegen bedarf es einer besonderen Ausrüstung: „Das kann ein Boot samt Taucherausrüstung sein. Es gibt aber auch Caches, die liegen auf Bäumen oder im Hochgebirge.“

Ansehnliche Flecken in Offenbach

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Einige Regeln gehören dazu

In Waldhof legte Grimm bisher neun Verstecke aus. Als Regel gilt: „Keins darf sich näher als 162 Meter am nächsten befinden.“ Geocaching führt die Leute nicht nur in die Natur, sondern auch zueinander. In Hanau ist er einmal einem Mann begegnet, der in gleicher Absicht wie er gekommen war. „Wir haben gemeinsam gesucht.“

Der Telekommunikations-Fachmann kam im vergangenen April durch einen Artikel in einer Computerzeitschrift auf den Geschmack. Anschließend legte er im Internet auf der entsprechenden Seite ein Pseudonym an. Später informierte er Freunde und Bekannte über sein neues Hobby. „Viele machen jetzt mit.“ Grimm erzählt von ansehnlichen Flecken im Kreis Offenbach, „die ich tatsächlich nicht kannte, bis ich dort suchte“.

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