Brettspiel „Mensch ärgere Dich nicht“

Erfahrung schützt vor Ärger nicht

+
Ein Spiel, das Generationen verbindet: Georg Diederichs ist leidenschaftlicher „Mensch ärgere Dich nicht“-Spieler. Vor Turnieren spielt er zu Übungszwecken auch allein – mit allen vier Farben gleichzeitig.

Offenbach - Bei „Mensch ärgere Dich nicht“ hat wohl jeder schon geflucht und Verschwörungen vermutet. Der Offenbacher Georg Diederichs will jetzt Weltmeister in diesem Brettspiel werden. Von Jenny Bieniek 

Was hat schon 100 Jahre auf dem Buckel und sorgt im Familien- wie Freundeskreis noch immer zuverlässig für Reibereien? „Ich glaube, dass Sie in Deutschland fragen können, wen Sie wollen: ,Mensch ärgere Dich nicht’ kennt einfach jeder“, sagt Georg Diederichs. Aber kann man den Klassiker überhaupt in beschaulicher Runde spielen, ganz ohne sich zu ärgern? Diederichs sagt: Nein! Und er muss es wissen. Der Offenbacher ist leidenschaftlicher „MäDn“-Spieler, hat im Mai bereits an der Deutschen Meisterschaft teilgenommen und fährt kommenden Sonntag zur WM nach Baden-Württemberg. „Auch ich ärgere mich hin und wieder noch. Irgendwie packt es mich emotional immer wieder“, gesteht er und schmunzelt. Der Reiz des Spiels liegt für ihn darin, sich auf ständig neue Spielsituationen einzustellen. Eine gute Portion Glück gehört natürlich dazu.

„Weil die taktischen Möglichkeiten begrenzt sind, ergibt regelmäßiges Training wenig Sinn“, weiß Diederichs. Entweder man stelle sich möglichst breit auf – oder man konzentriere sich darauf, eine Figur schnell ins Ziel zu bringen.

Auch die Frau hat den „Virus“

Wie die meisten Menschen kennt er „MäDn“ aus Kindertagen, verbindet schöne Erinnerungen damit. Im Lauf der Jahre verlor das Spiel jedoch auch für ihn an Bedeutung. Als Mitarbeiter einer Behinderteneinrichtung fand er Jahre später schließlich zurück ans Brett. „Bei den Bewohnern war das Spiel beliebt, so habe ich mein Faible dafür neu entdeckt.“ Wie oft Diederichs zuhause zum Brett greift, hängt von der individuellen Laune ab. Mal spielt er mehrere Abende hintereinander, dann bleibt der rote Kasten wieder wochenlang unberührt. Am liebsten spielt er mit den roten Figuren. In seinem Freundeskreis kann sich für „MäDn“ niemand so recht begeistern. Seine Frau Emine aber hat er mit dem „Virus“ angesteckt. Auch sie war bei der Deutschen Meisterschaft mit von der Partie. „Damals waren 120 Teilnehmer dabei, zur WM werden es wohl noch mehr“, glaubt Diederichs, den es 2011 von Nordhessen an den Main zog.

Vor allem die Geselligkeit bei den offenen Turnieren hat es ihm angetan. Am kommenden Sonntag macht sich der 60-Jährige deshalb erneut auf den Weg nach Wiesloch-Baiertal, diesmal zur Weltmeisterschaft. Zwar schätzt er seine Chancen auf den Titel gering ein, doch für ihn steht ohnehin der Spaß im Vordergrund. „Das Schöne ist, dass das Turnier nicht nach Altersklassen geteilt ist. Teenager spielen gegen Senioren, und ein Zehnjähriger hat die gleichen Chancen auf den Titel.“

Die besten Partyspiele

Die besten Partyspiele

Über Gegner und Spielfarbe entscheidet das Los. Jede Partie ist auf eine Stunde begrenzt. Hat bis dahin niemand gewonnen, entscheidet ein Schiedsrichter. Zudem gilt: Berührt ist geführt. „Unter dem Zeitdruck übersieht man so manche Situation und macht Fehler“, so der Experte. Vor Turnieren spielt der 60-Jährige deshalb schon mal allein mit allen vier Farben gleichzeitig. „Es hilft dabei, den Überblick zu behalten“, erklärt er.

Also doch ein gewisser Ehrgeiz? „Klar will man gewinnen. Aber einige gehen es wirklich verbissen an und sitzen mit hochkonzentriertem Gesicht am Brett“, erzählt er amüsiert. Andere seien dagegen ganz locker drauf und machten während der Partien Späßchen. „Und genau darum geht es doch.“

DAS KÖNNTE SIE AUCH INTERESSIEREN

Kommentare