Gepflegter Masochismus

Offenbach - Die Kulturschaffenden aus Rumpenheim sind zehn Jahre aktiv. Man feiert’s öffentlich. „RUK  Stock“ lockt am 27. Juni in den Schlosspark. Ein Gespräch mit RUK-Mann Thomas Kühn. Von Martin Kuhn

Zehn Jahre RUK. Kaum zu glauben, wie die Zeit vergeht. Was und wer ist von den Anfängen geblieben?

Es ist viel geblieben und einiges dazu gekommen. Zum einen sind eine ganze Reihe von Gründungsmitgliedern immer noch aktiv, auch wenn uns alle mal in den Jahren eine Durstphase erwischt hat. Einige sind im Lauf der Zeit aus unterschiedlichen Gründen ausgestiegen, andere – gerade im vergangenen Jahr, als wir personell ein bisschen am Ausbluten waren – sind dafür neu eingestiegen und gehören jetzt zu den aktivsten.

Und die angestrebten Ziele?

Unsere Ziele haben wir alle erreicht, schon nach dem ersten Jahr. Das lag und liegt daran, dass wir uns eigentlich keine gesteckt, sondern uns aus einem gemeinsamen Interesse an Kunst, Theater und Musik zusammengefunden hatten. Mit dem Mausoleum hatten wir die Möglichkeit, uns unser eigenes Kultur-Wunsch-Programm vor unserer Haustür auf die Bühne zu holen; zusammen spannende Dinge zu entdecken und auszuprobieren. Rumpenheim war ja nicht gerade ein Ort, wo in Sachen Kultur die Post abging.

Welche Höhepunkte – negative wie positive – gab es seit 1999 für RUK?

Positive Höhepunkte? Viele kleine. Angefangen von den ersten improvisierten Veranstaltungen über tolle Auftritte von damals noch nicht ganz so bekannten Künstlern, die heute im TV zu sehen sind und große Hallen füllen – etwa Vince Ebert oder Johann Köhnich –, bis hin zu netten Anerkennungen wie dem Kulturpreis der Stadt. Und einen konstanten großen: Dass fast alle Veranstaltungen eine hervorragende Resonanz bei einem inzwischen fast überregionalen Publikum finden und gleichzeitig ganz viele Rumpenheimer kommen, für die das Mausoleum heute eine Institution ist.

Zehn Jahre. Da würde mancher die Beine hochlegen und sich feiern lassen. RUK geht da einen anderen Weg und veranstaltet eine Riesenparty. Warum tut man sich das an?

Es feiert uns ja keiner, das müssen wir schon selbst machen. Auch wenn’s wie immer bei unseren großen Events in eine Art gepflegten Masochismus ausartet. Wir brauchen das wahrscheinlich alle paar Jahre.

Es gab Open Fähr und Open Hof. Wer kam auf die Idee von RUK Stock?

Es war klar, dass wir’s zum Zehnjährigen mal wieder krachen lassen wollten, auf jeden Fall im Park und am besten mit irgendetwas, was wir bisher noch nicht hatten. Wie Straßentheater (eine wirklich basisdemokratische Kunstform, und so verstehen wir uns vom ersten Tag an), das einfach perfekt in den Schlosspark passt. Mit Hartmut Narwin gab’s ja seit einigen Monaten ein neues Mitglied, das auf diesem Gebiet seit 20 Jahren Kontakte aufgebaut hatte. Und abends sollte Partytime sein, deshalb haben wir uns zwei tolle Bands aus Frankreich und Italien geholt, von denen die eine noch nie in Deutschland zu hören war.

Das Vorbild – nicht schwer zu erraten – ist ja das Woodstock Music and Art Festival von 1969, das als Höhepunkt der Hippiebewegung gilt. Gibt es 40 Jahre später Parallelen?

Na ja, da führt wohl das Wortspiel im Namen ein bisschen in die Irre, der ist beim Rumspielen entstanden. Ruk Stock hat für ein, zwei Lacher gesorgt, und dann haben wir ihn nicht mehr aus dem Kopf bekommen – kein schlechtes Zeichen. Nein, Woodstock ist sicher kein Vorbild, zu viel Matsch, zu viele Hippies, zu viele Drogen. Und dann war Woodstock ja auch erst kostenlos, als die Massen auf des Gelände drängten und die Organisation zusammenbrach. Das wollten wir von vornherein verhindern, also haben wir uns einen Eintritt einfach geschenkt und damit auch eine Umzäunung und Bewachung gespart.

Zum Glück haben wir Sponsoren gefunden, die uns das größte Risiko abfedern, und dank der Mitgliedsbeiträge ist unsere Kasse gut gefüllt, die sind laut Satzung für „Kulturzwecke“ zu verwenden. Da das Programm im Mausoleum seit Jahren gut läuft, hatten wir ein paar Euro übrig ...

Es wird also nicht so chaotisch und regnerisch wie auf der legendären Farm in Bethel...

Das mit dem Regen müssen Sie Jörg Kachelmann fragen. Wir können nur hoffen, dass uns ein Wetterchaos erspart bleibt. Wenn’s wirklich in Strömen regnet, werden wir improvisieren, das Mausoleum nutzen und vielleicht ein, zwei andere kleine Räume in Rumpenheim. Aber einige der Programmpunkte würden dann wortwörtlich ins Wasser fallen.

Das Gegenteil schließt allerdings ein gewisses Chaospotenzial ein. Wenn’s wirklich sehr voll und heiß werden sollte, dürften die Essensversorgung und die Getränkekühlung schwieriger werden. Aber ansonsten gehen wir davon aus, dass alles klappt. Schließlich sind 60 unserer 90 Mitglieder an diesem Tag im Einsatz.

Und nach RUK Stock? Oder folgt eine längere Kreativpause der lokalen Kulturaktivisten?

Erst mal geht’s wie gehabt im Mausoleum weiter. Im Herbst gibt’s Kabarett, Comedy, Musiktheater, eine Latin-Ska-Band und wahrscheinlich noch eine Lesung. Und dann schau’n mer mal. Wenn wir jetzt gleich das nächste größere Ereignis planten, würden die bereits genannten 60 beim RUK Stock engagierten Mitglieder wahrscheinlich sofort geschlossen austreten.

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