Geplante Sanierung des Maindamms

Luxusvariante auf Prüfstand?

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Nein, so sieht sie bestimmt nicht aus, die künftige Absenkung des Offenbacher Maindamms. Dennoch: Dank moderner Bildbearbeitung ist unserem Leser Michael Ackermann ein ungewöhnlicher Hingucker gelungen. Bei der geplanten Sanierung des Maindamms bringen technische Fragen den Zeitplan durcheinander. Was die Finanzierung angeht, erinnert der RP die Stadt an Schutzschirm-Vorgaben.

Offenbach - Es soll nichts Geringeres werden als ein Jahrhundertbauwerk. Schaut man sich das aktuelle an, das um die 120 Jahre auf dem Buckel hat, besteht kein Zweifel daran, dass auch beim Stadtbild prägenden Neubau Nachhaltigkeit angesagt ist. Von Matthias Dahmer 

Die Rede ist vom Offenbacher Maindamm, der zum Teil dem Land und zum Teil der Stadt gehört. Während Hessen seine Hausaufgaben längst erledigt hat, stehen sie für die Kommune, die sich um insgesamt 2,6 Kilometer Hochwasserschutz kümmern muss, noch an. Derzeit liegen die Offenbacher Pläne – besser gesagt: die nach einer beispiellosen Bürgerbeteiligung und einem Grundsatzbeschluss der Stadtverordneten formulierten Wünsche – beim Regierungspräsidenten (RP). Und wie es aussieht, kommt man im von der Stadt Mitte 2011 beantragten Planfeststellungsverfahren sowohl um zeitliche als auch inhaltliche Änderungen nicht herum.

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Sigrid Pietzsch vom Baudezernat ging bislang davon aus, dass der fürs weitere Verfahren nötige Planfeststellungsbescheid des RP im April kommt und die Bauarbeiten 2015 starten können. Doch Dieter Ohl, Sprecher der Darmstädter Behörde, dämpft diese Erwartung: „Wir hoffen, dass der Plan bis Mitte 2014 festgestellt werden kann.“ Grund für die Verzögerung sind technische Änderungen. Laut Ohl sollen bei der Sanierung Spundwände eingebracht werden, die bis ins Grundwasser reichen. Ein Gutachten, das seit November geprüft wird, soll Aufschluss darüber geben, ob sich das Grundwasser zur Stadt hin stauen kann. Zudem wurde eine Stellungnahme des Hessischen Landesamts für Umwelt und Geologie eingeholt. Ohl geht davon aus, dass Offenbachs Planung angepasst werden muss.

Weniger präzise ist, was der RP zur Finanzierung sagt. Die hoch verschuldete Stadt müsste sieben zu den für ihre bevorzugte Sanierungsversion veranschlagten zwölf Millionen Euro beitragen. „Für uns ist die Einhaltung der Vorgaben aus dem Schutzschirm maßgeblich, insofern liegt es in der Hand der Kommune, welche Sanierungsart sie wählt“, formuliert Ohl – und deutet an, dass es durchaus anspruchsloser und damit billiger ginge. Das dürfte für politischen Zündstoff sorgen. Heißt es doch nichts anders, als dass die bislang geplante Luxusvariante der Deichsanierung, unter anderem mit einer 90 Meter langen Absenkung vor dem Isenburger Schloss, nur machbar ist, wenn sie schutzschirm-kompatibel ist. Was wiederum nur funktioniert, wenn die dafür fälligen Millionen an anderer Stelle gespart werden.

Drei separat zu betrachtende Abschnitte

Nach den derzeitigen Plänen soll in drei separat zu betrachtenden Abschnitten saniert werden: 1,8 Kilometer zwischen Carl-Ulrich-Brücke und Allessa-Gelände, 550 Meter in Rumpenheim sowie ein zu vernachlässigender kleiner Abschnitt an der Grenze zu Mühlheim. Der Damm in Offenbach und Rumpenheim ist zwischen 40 und 65 Zentimeter zu niedrig und genügt in Sachen Standsicherheit nicht mehr aktuellen Anforderungen. Dritter Mangel: Der Damm im Offenbacher Abschnitt ist stark mit Bäumen bewachsen, die auf einem solchen Bauwerk eigentlich nichts zu suchen haben.

Um den Spagat zwischen dem technisch Erforderlichen und stadtgestalterischen Wünschen zu schaffen, soll auf den 1,8 Kilometern unterschiedlich saniert werden. Teilweise arbeitet man mit wasserseitig vorgelagerten Spundwänden und lässt die Bäume stehen; teilweise wird die Böschung erneuert, das Grün muss fallen. Gesonderter Betrachtung bedürfen die 90 Meter vorm Schloss, die zwecks freiem Blick auf den Main abgesenkt und im Hochwasserfall mit mobilen Schutzelementen bestückt werden sollen.

Experten-Infos zur Verstärkung der Deiche

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Für die Katastrophenschützer liegt die Absenkung an der denkbar ungünstigsten Stelle. Ausgerechnet dort ist das der Biegung des Flusses geschuldete sogenannte Prallufer des Mains, wo bei Hochwasser Treibgut oder im schlechtesten Fall sogar kleinere Schiffe dagegen schlagen können. Hinzu kommt: Das Areal um das Schloss ist der tiefste Punkt der Stadt. Wenn dort der Damm bricht, stehen weite Teile der Innenstadt und die S-Bahn unter Wasser. Im Rathaus hält man dagegen die Risiken für beherrschbar. Mobile Elemente entsprächen schließlich dem Stand der Technik.

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