„Bisherige Ruhe ist dahin“

Anwohner wollen Verlängerung der B448 verhindern

Hier soll künftig der Verkehr auf der verlängerten B 448 rollen. Das ehemalige Wieghaus am Schneckenberg (links, direkt an der Bahn), das unter der Regie des OVO von einem Verein und von Bands genutzt wird, ist den Plänen zufolge zum Abriss vorgesehen.
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Hier soll künftig der Verkehr auf der verlängerten B 448 rollen. Das ehemalige Wieghaus am Schneckenberg (links, direkt an der Bahn), das unter der Regie des OVO von einem Verein und von Bands genutzt wird, ist den Plänen zufolge zum Abriss vorgesehen.

Es war zu erwarten: Geräuschlos wird das Verfahren in Offenbach zur Verlängerung der Bundesstraße 448 wohl nicht durchzuziehen sein.

Offenbach – Für die Trasse, die vom Bieberer Berg entlang der ehemaligen Deponie Grix in einem Bogen bis zu Laskabrücke und Mühlheimer Straße geplant ist, läuft derzeit eine Machbarkeitsstudie, die Ende des Jahres fertig sein soll. Erst danach kann in das förmliche rechtliche Verfahren für eines der Schlüsselprojekte des Masterplans eingestiegen werden.

Obwohl also noch einige Jahre vergehen dürften, bis am Schneckenberg der Verkehr rollt, zeichnen sich schon jetzt Hürden bis hin zu massivem Widerstand von Betroffenen ab. Zu diesen zählen ein halbes Dutzend Hauseigentümer in der Straße Am Schneckenberg ebenso wie der Kleingärtnerverein Süd und nicht zuletzt der Offenbacher Verwaltungs- und Organisationsverein (OVO), in dessen Gebäuden mehrere weitere Vereine und Bands ihr Domizil haben.

Offenbach: Anwohner wollen Verlängerung der Bundesstraße 448 verhindern

Marina Koll, Anwohnerin am Schneckenberg, ärgert sich darüber, dass bislang niemand von der Stadt mit den Hauseigentümern gesprochen hat. „Dass nun die Pläne zur Verlängerung der B 448 weiterverfolgt werden, haben wir erst aus der Zeitung erfahren“, sagt sie. Und: „Wir wollen in das Verfahren einbezogen werden.“

Seit 1985 wohnt Marina Koll in dem vom Lämmerspieler Weg abzweigenden Sträßchen, in dem man ohnehin von Bahn- und Fluglärm geplagt ist. „Als wir hierher gezogen sind, hieß es, ein Weiterbau der B 448 ist nicht beabsichtigt. Man wolle keine Konkurrenz zur S-Bahn schaffen. Nach 35 Jahren ist es trotz der propagierten Verkehrswende plötzlich wieder Thema.“

Koll erinnert daran, dass im Wäldchen unterhalb der ehemaligen Deponie geschützte Tiere und Pflanzen leben und dass im Zuge des entstehenden neuen Rechenzentrums am Lämmerspieler Weg Ausgleichsmaßnahmen am Schneckenberg geplant sind. „Ich werde versuchen, das Vorhaben mit allen Mitteln zu verhindern“, gibt sie sich kämpferisch.

Vereine in Offenbach haben Bedenken im Hinblick auf die Verlängerung der Bundesstraße

Bedenken hat auch Meike Keller vom OVO, der seit 26 Jahren links und rechts der vorgesehenen Trasse Gebäude nutzt. In einem ersten Gespräch mit der Stadt habe sich ergeben, dass das ehemalige Wiegehaus unmittelbar an den Bahnschienen abgerissen werden soll, so Meike Keller. Dort seien derzeit ein Fastnachtsverein und mehrere Bands beheimatet. „Die Stadt hat vorgeschlagen, die gegenüberliegenden Gebäude aufzustocken, damit die Nutzer des alten Wiegehauses dorthin umziehen können. Doch das wird kaum funktionieren.“

Hinzu komme, dass man dem OVO und anderen Vereinen nur noch 13 Parkplätze zugestehen wolle, was viel zu wenig sei. Auch Meike Keller weist darauf hin, dass im Wald rund um den Schneckenberg etwa Wildorchideen, Bussarde oder Eidechsen zu finden seien.

Etwas entspannter sieht Zacharias Leis die Sache. Der Vorsitzende des Kleingartenvereins berichtet von einem „informativen Gespräch“ mit der Stadt. Falls die derzeit favorisierte Trassenvariante gebaut werde, seien zehn von 35 Parzellen in der Kleingartenanlage betroffen. „Es handelt sich um die Grundstücke unmittelbar am Wald“, so Leis. Was mit den betroffenen Pächtern passiere, sei noch offen. Abgesehen von möglichen Abfindungsregelungen hält Leis es für denkbar, dass sie in einer anderen Anlage unterkommen. „Aber bis es soweit ist, werden sowieso noch drei bis fünf Jahre vergehen“, schätzt Leis. Klar ist für ihn aber auch: Trotz einer geplanten Lärmschutzwand sei die bisherige Ruhe dann dahin.

Sowohl für die Anwohner (rechts) als auch für die Kleingärtner (links) wäre die verlängerte B 448 eine zusätzliche Belastung.

Im Sommer soll es Infos zur Verlängerung in Offenbach für eine breite Öffentlichkeit geben

Marion Rüber-Steins, die als Referatsleiterin Stadtentwicklung das Vorhaben federführend betreut, weist drauf hin, dass die qualifizierte, sprich vertiefende Planung erst seit Kurzem vorliege. Weshalb man auch erst am Beginn der Gespräche mit den Betroffenen sei. „Das Gespräch mit den Anwohnern ist als nächstes dran“, versichert sie. Im Sommer soll es dann Infos für eine breitere Öffentlichkeit geben.

Was die Fauna und Flora am Schneckenberg angeht, so sei das im ersten Jahr der Machbarkeitsstudie aufwändig untersucht und in der bevorzugten Variante berücksichtig worden. Marion Rüber-Steins bestätigt, dass das alte Wiegehaus abgerissen wird, eine Lösung für die derzeitigen Nutzer müsse noch gefunden werden.

Die Frage, ob in Höhe der Kleingärten eine Lärmschutzwand entstehe, befinde sich in der Prüfung. „Vermutlich läuft unsere Empfehlung darauf hinaus“, so Marion Rüber-Steins. (Matthias Dahmer)

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