Geprägt von der Historie

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Süd- (links) und Westflügel des Hofgutes zu Hessen hat die Unternehmensgruppe „Denkmal“ erstanden und plant den Bau von 18 Eigentumswohnungen. Ost- und Nordflügel (rechts) wurden schon 1970 saniert und werden seit dieser Zeit bewohnt. Foto: Georg

Rumpenheim - Klar, die erste Adresse ist schon weg: Schloss Rumpenheim, erbaut von Landgraf Friedrich von Hessen-Kassel, wurde vor Jahren aufwändig ausgebaut und verkauft. Nun folgt, sozusagen einen Hufschlag entfernt, das ehemalige Hofgut. Zunächst werden die Stallungen im Westflügel, später im Südflügel in Wohnraum umgewandelt.

Das Projekt stemmt die Wiesbadener Unternehmensgruppe „Denkmal“. Die ist seit 16 Jahren spezialisiert auf historische Schlösser, Hofgüter, Lofts und Gründerzeithäuser. Umgesetztes Immobilienvolumen: 240 Millionen Euro.

Die Stallungen sind mit stabilen Vorhängeschlössern gesichert, auf den Boden sind pinkfarbene Markierungen gesprüht. Thorsten Seegräber, geschäftsführender Gesellschafter, schwingt die Tür auf, schaltet einen Baustrahler an und deutet auf eine massive Holzkonstruktion: „Das kommt alles raus. Kernsanierung. Glatt gespachtelte Wände, Parkettboden, Beleuchtungskonzept, Philippe-Starck-Bäder.“ Noch gehört einige Phantasie dazu, sich die Ställe, in denen bis zum Sommer 2008 noch Pferde standen, als Luxus-Eigentumswohnungen mit Flair vorzustellen. Zum Innenhof hin wird an beiden historischen Gebäuden, zwischen 1860 uns 1870 erbaut, eine Stahl-Glaskonstruktion errichtet. Mit diesem Kniff wird die ehemalige Außenwand aus Basalt-Bruchstein zur Innenwand und es entsteht ein lichtdurchfluteter Wohn- und Essraum. „Eine reizvolle Kombination“, findet Seegräber.

Wohnen in historischen Wänden. Spielt denn da der Denkmalschutz mit - etwa bei den kleinen Fenstern an den Außenwänden? „Da war man bei der Stadt sehr kooperativ“, formuliert es der Geschäftsführer. „Keine Angst, das bleiben keine Schießscharten.“ Da hat das Unternehmen wohl im Sinn der künftigen Bewohner argumentiert und Gehör gefunden: „Wir bieten die heute gängigen und nachgefragten Standards - nur eben nicht in einem kompletten Neubau, sondern in einem prägenden Bauwerk.“ Dazu zählt heute zwangsläufig ein Niedrig-Energiekonzept (KfW-40). Man setzt auf ein Blockheizkraftwerk, das zum Teil eigenen Strom erzeugt und dessen Abwärme die Vorlauftemperatur für Heizung und Wasser erhöht.

Verkaufsleiter Frank Alexander spricht von gut zehn interessierten Kunden am ersten Besichtigungs-Wochenende. „Tendenz - auch mit besserem Wetter - steigend.“ Sowohl im West- als auch im Südflügel bietet Denkmal jeweils neun Wohnungen in verschiedenen Größen und Schnitten an - von 77 bis etwa 160 Quadratmeter. Aufgerufen wird folgender Preis: 2990 Euro pro m². Der Baubeginn ist noch in diesem Mai geplant für den Westflügel. Das gesamte Projekt soll bis Ende 2010 fertig sein. Und natürlich werben die Verkäufer mit steuerlichen Vorteilen aufgrund des Denkmalschutzes: „Und zwar in voller Höhe, wenn das Objekt vor der Sanierung gekauft wurde.“

Als Prunkstück der Anlage bezeichnet Seegräber übrigens den alten, 21 Meter hohen Wasserturm, der seinerzeit das Schloss Rumpenheim mit kühlem Nass versorgte und nun einen zweigeschossigen Anbau erhält - „ein Bekenntnis zur modernen Architektur ohne auf das Authentische eines Altbaus verzichten zu müssen“, heißt es in der Broschüre des Wiesbadener Unternehmens. Die Außenanlage, die derzeit aus verschiedenen Betonschichten besteht, wird übrigens aufgebrochen. Pflanzen und Pflaster sollen das Gesamtbild abrunden und vergessen machen, dass dies dort einst Rösser prägten.

Derweil hat offenbar ein weiteres Gebäude den Besitzer gewechselt, das einst zum erweiterten Schloss-Ensemble zählte. Die Breite Straße 2 (vormals Sitz der Schlossverwaltung, von Rumpenheimern „gelbes Haus“ genannt) soll nach dem Willen des Magistrats an einen privaten Investor verkauft werden. Das bedeutet eine Kehrtwende in der städtischen Politik. Bislang wollte die Stadt das Areal in Erbpacht vergeben - und erntete dafür nur Absagen.

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