Geräuschloses Verhandeln

Offenbach ‐ Nachdem der Vorstand des Mannheimer Mutterkonzerns MVV Energie AG am Mittwoch im Rathaus vorstellig geworden ist, herrscht in der Offenbacher Politik mehr denn je die Zuversicht, dass der regionale Versorger seine Eigenständigkeit behält. Von Matthias Dahmer

Oberbürgermeister Horst Schneider und am Gespräch beteiligte Fraktionsvertreter lobten gestern das offene und konstruktive Gespräch und betonten, man befinde sich auf dem richtigen Weg.

Konkret bedeutet das: Die ursprüngliche MVV-Strategie der Zentralisierung von Dienstleistungen und Bündelung von Aufgaben in Mannheim ist endgültig vom Tisch, die EVO bleibt ein selbstständiges Unternehmen mit zentralen Steuerungsfunktionen am Standort Andréstraße.

Keine Einigung, so war aus informierten Kreisen zu hören, konnte bislang über die Abgrenzung der Vertriebsgebiete erzielt werden. Während der EVO derzeit gemäß dem im Oktober abgelaufenen Bestandsschutz das erweiterte Rhein-Main-Gebiet zugestanden wird, würde sich die MVV künftig dort gerne das Geschäft mit den Gewerbekunden unter den Nagel reißen, heißt es.

Stark bei erneuerbaren Energien

Grünen-Fraktionschef Peter Schneider freute sich, dass die EVO nun „in den Bereichen ihren Kurs fortsetzen kann“, in denen sie stark ist – etwa bei den erneuerbaren Energien oder der Pelletsproduktion. Zudem seien beim Treffen alle Punkte des in der jüngsten Plenarsitzung beschlossenen Dringlichkeitsantrags angesprochen worden.

Darin hatten die Koalitionsfraktionen mit CDU und Freien Wählern noch einmal die wichtigsten Ziele aus Offenbacher Sicht formuliert und dem Magistrat eine hartnäckige Verhandlungsführung mit auf den Weg gegeben. Nach Ansicht von Peter Freier, Fraktionschef der CDU, war dieser Parlamentsbeschluss sogar entscheidend für den Erfolg des Gesprächs mit dem MVV-Vorstand. Weder mit dem, so Freier, „wachsweichen Beschluss“, den das Parlament vor der Sommerpause gefasst habe noch mit der „bisherigen Verhandlungsführung“ hätte man ein solches Ergebnis erzielt, sagte er.

„Die MVV weiß nun, was Offenbach will. Wir hatten zudem den Eindruck, dass jetzt im fairen Miteinander das weitere Vorgehen geprüft werden kann“, fasste Fraktionschef Stephan Färber für die Sozialdemokraten zusammen. Im übrigen sei es nicht zum Schaden für Offenbach, dass die Gespräche mit der MVV bislang relativ geräuschlos gelaufen seien.

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