Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst

Nach Zug-Absagen: „Hauptproblem sind die Böen“

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Ein Bild aus Mainz.

Offenbach - Der Rosenmontag gilt als einer der Höhepunkte der närrischen Tage. Doch Orkantief „Ruzica“ macht den Feierwütigen vielerorts einen Strich durch die Rechnung. Wir haben mit Gerhard Lux vom Deutschen Wetterdienst über die Wetterlage gesprochen. Von Konstanze Löw

Herr Lux, Rosenmontagsumzüge wurden aufgrund der Warnung des Wetterdienstes abgesagt. Worin besteht ihre Aufgabe?

Die Aufgabe des Deutschen Wetterdienstes ist, die Wetterlage darzustellen und bei entsprechender Situation zu warnen. Wir spiegeln die Lage der Dinge wider, das müssen wir – egal ob Rosenmontag ist oder nicht. Denn das ist für die Vorhersage natürlich völlig unerheblich.

Der Umzug in Seligenstadt wurde abgesagt, in Mühlheim findet er statt. Wieso?

Wir geben Warnungen für die einzelnen Landkreise heraus. Denn die Auswirkungen eines Sturmtiefs können sehr unterschiedlich sein. Es kommt immer auf die entsprechende, oftmals ganz individuelle geografische Lage des Ortes oder der Stadt an. So ergibt sich oft eine unterschiedliche Gefährdungslage.

Und wer entscheidet letztendlich, ob der Umzug stattfindet?

Das machen die Veranstalter in eigener Verantwortung. Wir als Wetterdienst decken nur die rein wissenschaftliche Seite ab – wir warnen, wenn bestimmte Kriterien erreicht werden. Aber die Städte haben ja in den letzten Jahren schon ihre Erfahrungen gesammelt, um mit solchen Warnungen verantwortungsbewusst umzugehen. Sicherheit geht immer vor.

Wann gab es denn die letzten Warnungen zu Fasching?

Das kommt leider alle paar Jahre mal vor. Vom Wetter verweht wurden die Karnevalisten letztmals 1990. Damals fegte Orkan „Vivian“, gefolgt von „Wiebke“, mit orkanartigen Böen über Deutschland hinweg. Auch damals reagierten die Karnevalsvereine in Düsseldorf mit der Absage ihres Rosenmontagszuges, während er in Köln unter hohen Sicherheitsvorkehrungen stattfand.

Bilder zum 125. Rosenmontagszug in Mühlheim

Welche Gefahren gehen denn von diesen orkanartigen Böen aus?

Ganz nach Situation vor Ort: Pferde könnten durchgehen, Fahnen und Mäste umfallen, und auch die Dekoration auf den Karnevalswagen würde stürmischen Winden wahrscheinlich nicht standhalten. Außerdem können sich Dachziegel lösen und auf die Menschenmenge fallen – gerade in alten und engen Gassen besteht dieses Risiko. Bei Windböen von 80 bis 100 km/h hält auch kein Schirm mehr. Dann vielleicht noch Regenschauer – das macht niemandem Spaß.

Gestern wurden Windstärken zwischen acht bis zehn gemeldet. Was bedeutet das genau?

Bei dieser Angabe gibt es Windböen, die zwischen 80 bis 100 km/h schnell werden. Damit man es sich besser vorstellen kann: Bei 120 km/h kann man schon nicht mehr stehen und muss sich festhalten. Bei Geschwindigkeiten bis 100 km/h fliegt eigentlich alles weg, was nicht niet- und nagelfest ist. Das Hauptproblem sind vor allem die Böen, die immer unverhofft kommen sowie Düseneffekte in engen Straßenschluchten.

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