Schöffengericht verurteilt Ex-Schwimmclubchef

Offenbach - Ein Schöffengericht in Offenbach hat einen Ex-Schwimmclubvorsitzenden für seinen Griff in die Vereins-Kasse verurteilt. Von Marcus Reinsch

Eigentlich ist die Geschichte schnell erzählt: Ein Rechtsanwalt hat viel Geld veruntreut, und dafür hat das Offenbacher Schöffengericht dem geständigen Mann gestern zwei Jahre Gefängnis auf Bewährung, 300 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Auflage verpasst, „den Schaden nach besten Kräften wieder gut zu machen“.

Sowas ist nicht die Regel, passiert Juristen aber auch nicht so selten, wie man glauben möchte. Was den aktuellen Fall bemerkenswerter als andere macht, ist der Umstand, dass Norbert B. nicht das Geld eines Mandanten veruntreut hat. Opfer ist der für den Betrieb des Waldschwimmbades auf der Rosenhöhe auch mit städtischem, also Steuergeld ausgestattete Erste Offenbacher Schwimmclub (EOSC).

Einmal waren es 11.700 Euro auf einen Schlag

Dessen Vorsitzender ist der Rechtsanwalt mal gewesen. Und den Vertrauensvorschuss seiner Schwimmkameraden, den er während seiner Zeit an der Vorstandsspitze mit der Alleinvertretungsbefugnis bei der Bank bekam, nutzte er nachweislich, um sich selbst einen finanziellen Vorschuss zu gönnen. Von Staatsanwältin Evelin Teufert-Schwind aus 64 Einzelfällen summierter Gesamtschaden: 103.804 Euro.

Seit Januar 2005 ließ B. mal nur wenige hundert Euro verschwinden, mal waren es 11.700 Euro auf einen Schlag. Wie tief der Vorsitzende jeweils in die Kasse griff, hatte seiner Aussage nach viel mit dem Druck zu tun, den ihm ehemalige Mandanten machten. Und sie machten offensichtlich viel Druck.

B. war bis ins Jahr 2002 Partner in einer Anwaltssozietät gewesen. Sein Kompagnon wurde damals straffällig; von der Sozietät blieben nur Schulden übrig, für die B. haften musste. Diese „Briefkopfhaftung“, wie es B.s Pflichtverteidiger Joachim Badenschneider gestern formulierte, habe seinen Mandanten in eine „Eigendynamik“ getrieben. Bedeutet: B. stopfte viele der eigenen Finanzierungslücken, indem er beim EOSC welche aufriss.

Ex-Chef auch nach Enttarnung nicht selbst angezeigt

Dass dort Geld verschwand, fiel allerdings erst auf, als es schon Liquiditätsprobleme gab. „Die Kontrollmechanismen waren nicht sehr stark und nicht sehr streng“, fasste B. vor Gericht zusammen. „Ich muss gestehen, es ist mir leicht gemacht worden.“ In der Tat bescheinigte auch der Vorsitzende Richter Manfred Beck dem Verein in der Begründung für die Aussetzung von B.s Strafe zur Bewährung, dass es vor allem bei der Prüfung von Belegen wohl „keine Kontrollmechanismen, die die Taten verhindert hätten“, gegeben habe.

Selbst angezeigt hatte der EOSC seinen ehemaligen Vorsitzenden auch nach dessen Enttarnung nicht. Wohl, um die Chance zu erhalten, dass B. weiter als Anwalt arbeiten und das veruntreute Vermögen zurückzahlen kann. Aktiv wurden die Ermittler trotzdem; eine anonyme Anzeige sorgte dafür. B. - 51, verheiratet, keine Kinder - ist seine Zulassung nun los und wird es r wohl schwer haben, wieder Fuß zu fassen.

Auf dem Großteil seines Verlustes wird der EOSC trotzdem nicht sitzen bleiben. Etwa 75 000 Euro sollen aus B.s Verwandtschaft mittlerweile an den Club zurückgeflossen sein. Und seit zwei Wochen existiert eine Abtretungserklärung, mit der B.s Schwester ihren Bruder für 25 000 Euro pauschal von bekannten und auch unbekannten Ansprüchen freikauft.

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