Gern auch andere Abmessungen

Offenbach -  Horst Schneider ist wieder einmal in Bürgel. Im neuen Sportzentrum der TSG. Trotz Verteuerung um rund 500 000 Euro ist’s für den Oberbürgermeister ein Vorzeigeprojekt, das der größte Bürgeler Verein da allein mit öffentlichen Geldern gebaut hat. Von Martin Kuhn

Doch die Lobeshymnen verklingen schnell an diesem Abend. Zwei Bürgeler Baugebiete erzeugen zwei unterschiedliche Reaktionen bei den gut 80 Zuhörern: Ungeduld und Unverständnis.

Da ist einmal das Wohngebiet Bürgel-Ost, in dem einmal mehr als 1 000 Menschen wohnen sollen. Der das Gebiet erschließende und die Ortskern umfahrende Mainzer Ring ist fertig, sonstige Bautätigkeiten sind nicht zu erkennen. „Wann passiert etwas“, fragt der Bürgeler Norbert Best. „Ich bin da genauso ungeduldig“, bekennt der Verwaltungschef. Das Problem: Immer noch ist die privatrechtliche Erschließung nicht abgeschlossen. „Es hängt weiter an fünf Grundstückseigentümern. Bei dreien hatten wir auf eine Zwangsversteigerung gesetzt – aber die ist abgesagt“, bedauert Schneider.

Etwas zügiger voranschreiten könnte ein Projekt auf dem stadteigenen 10 000-Quadratmeter-Areal rund um den alten Vereinssitz der TSG. Für die Fläche, die bislang die marode Sporthalle und der ungepflegte Tennenplatz einnehmen, gibt es einen Interessenten. Schneider: „Ein Bauträger hat ein Konzept mit uns abgestimmt. Bis Ende des Jahres hat er eine Option auf das Areal.“ Geplant sind, so viel verrät Schneider, zwischen Jahn- und Schönbornstraße 56 Reihenhäuser: dreigeschossig, mit etwa 110 Quadratmeter Wohnfläche. Dafür wäre kein Bebauungsplan notwendig, die Bebauung müsste sich nach Gesetzeslage lediglich an der Umgebung orientieren. „Am Ende des Prozesses steht ein Beschluss der Stadtverordneten über den Verkauf des Grundes, nicht über die Art der Bebauung.“

Eben das sorgt die Ortsansässigen. Die Häuser sind, so berichten stets gut unterrichtete Kreise, ohne Keller geplant. „Das verbietet der Untergrund.“ Der hat schon dem Umkleide- und Sanitärtrakt der Jahnhalle nachgegeben. Kein Wunder: Es handelt sich um eine alte Lehmgrube, die nach und nach mit Hausmüll und Schutt verfüllt wurde. Das lässt sich nach teuer zu entsorgende Altlasten an... „Also Bodenplatte“, unkt ein Bürgeler, der zudem böse nachlegt. „Als die Bebauung auf dem Gelände der ehemaligen Rumpenheimer Ernst-Reuter-Schule erfolgte, sprachen viele von Hasenkästen. Das nehmen sie angesichts der Bürgeler Variante zurück.“

Selbst die SPD-Stadtverordnete Andrea Karnoll scheint mit den Ausführungen ihres Parteifreundes Horst Schneider nicht einverstanden. „Die Stadt sollte einmal auch an andere Dimensionierungen denken. Wo kann ich denn in Bürgel ein freistehendes Einfamilien-Haus bauen?“ Da überlegen auch einige Damen und Herren im Auditorium lange. „Genau diese Leute ziehen dann in den Kreis“, heißt es. Die Antwort Schneiders, dass dort der Baugrund wesentlich günstiger sei als in der Stadt Offenbach, lassen viele nicht gelten. Man dürfe das finanzielle Potenzial der Offenbacher nicht unterschätzen: „Es gibt einige, die das Geld hätten...“

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