Gerne gebrauchte Container

Offenbach - Es ist sehr karg in diesem Container und es ist sehr eng. 30, vielleicht 35 Quadratmeter, kein Vergleich mit der wenigstens relativen Gemütlichkeit, die die Fußballer ihrem alten Vereinsheim abgetrotzt hatten, bevor es abbrannte und außer einem geretteten Satz Trikots nur Fragezeichen hinterließ. Von Marcus Reinsch

Aber es ist alles, was sich Rot-Weiß Offenbach momentan leisten kann, und es ist eine Existenz. Das ist, was für die Kicker der Sportvereinigung Rot-Weiß momentan zählt. Der Spielbetrieb immerhin ist gesichert, es gibt zwei Herrenmannschaften, gerade geht es in der Relegation um den Aufstieg in die Kreisklasse B. Und vielleicht wird’s ja irgendwann auch was mit dem räumlichen Wiederaufstieg. Müsste natürlich kein Luxus sein, sagt der Rot-Weiß-Vorsitzende Manfred Bassler, „wir wären auch mit großen Containern glücklich, gebrauchte sind ja hoffentlich nicht so teuer.“ Entscheiden kann sich das in den nächsten Wochen, idealerweise bis zum Beginn der nächsten Punktspielrunde im August.

Es wird auch Zeit. Als das Vereinsheim an den Fußballplätzen gegenüber von „manroland“ in der Mühlheimer Straße, das sich die Sportvereinigung und der Fußballclub Italsud geteilt hatten, am 25. November vergangenen Jahres ein Raub der Flammen wurde, ging das Leben für die Sportler zwar weiter. Allerdings keineswegs wie in einem dieser märchenhaften Fälle, in denen Opfer einer Katastrophe dank der Hilfsbereitschaft anderer am Ende nicht schlechter oder sogar etwas besser dastehen als vorher.

Händeringende Suche nach neuem Domizil

Auch das vermutlich von einem Brandstifter angezündete und leider nicht versicherte Doppel-Domizil der beiden Clubs war eine Containerkonstruktion gewesen. Nach den Löscharbeiten war davon nichts mehr zu retten. Oberbürgermeister Horst Schneider und Sportbüro-Chef Jürgen Weil sagten Hilfe zu, die Stadt übernahm die 16.000 Euro für die Beseitigung dessen, was Feuer und Wasser zu Schrott gemacht hatten. Verschiedene Spender verhinderten, dass in Offenbach zwei Fußballvereine ohne Fußbälle leben müssen; es kamen auch Trikots und Trainingsklamotten von Sporen, und die Sparda-Bank übermittelte beste Wünsche und 3 000 Euro.

Von letzteren trägt Rot-Weiß-Vorsitzender Bassler nun jeden Monat exakt 297,50 Euro zur Bank - Miete für den engen Container, den der Verein ordern musste, um nicht auf der Straße zu sitzen. Eine Zwischenlösung, zwangsläufig, weil das Sparda-Geld bald verbraucht sein wird. Andere, größere Container, die sich wieder unter einem gemeinsamen Dach zum Domizil für beide Clubs vereinen ließen, würden nicht billig. Rund 10. 000 Euro, schätzt Bassler sehr vorsichtig und schon fast ein wenig optimistisch. Er will sich mit seinem Italsud-Amtskollegen Carmelo Manoti beraten, sobald ein Kostenvoranschlag vorliegt.

Dessen Schrecken könnte das Benefizspiel abmildern, das Kickers Offenbach den kleinen Clubs zugesagt hat. Vermutlich, sagt Bassler, werde in den nächsten Monaten was draus. Schon früher kann er mit konkreten Containerplänen ins Sportbüro gehen. Amtsleiter Weil hat eine finanzielle Beteiligung seitens der Stadt zugesagt. Er steht auch in ständigem Kontakt mit dem städtischen Gebäudemanagement. Das suche auf einem Markt, der durch den vom Konjunkturprogramm ausgelösten Bau- und Sanierungsboom wie leergefegt ist, händeringend nach brauchbaren Containern für alle möglichen städtischen Projekte. Und auch für die beiden Fußballklubs.

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