„Geschäftsführung wenig sensibel“

Offenbach (ku/al) Wieder Ärger beim angeschlagenen Druckmaschinenhersteller „Manroland“ in Offenbach: Mit Unmut haben IG Metall und Betriebsrat auf die Beschäftigung von sieben Leiharbeitern in der Buchhaltung des Unternehmens reagiert.

Kurz vor ihrer Einstellung waren andere Beschäftigte in der Verwaltung entlassen worden. „Das ist ein absolutes Unding“, sagte Marita Weber, die erste Bevollmächtigte der IG Metall Offenbach unserer Zeitung. Sie spricht von einem Skandal. „Die Belegschaft ist schon leidgeprüft.“ Die Geschäftsführung zeige wenig Sensibilität, erklärte die Gewerkschaftschefin. Sie verweist darauf, dass derzeit im Offenbacher Werk von „manroland“ der Abbau von etwa 300 Arbeitsplätzen bis Ende 2012 laufe. „Eigentlich macht man das nicht“, sagte Weber mit Blick auf die Einstellung der Leiharbeiter.

Wie die Offenbacher Betriebsratschefin Alexandra Roßel unserer Zeitung sagte, habe sich der Betriebsrat gegen das Engagement der Leiharbeiter ausgesprochen. Deshalb habe am vergangenen Freitag ein Gütetermin vor dem Offenbacher Amtsgericht stattgefunden, bei dem jedoch keine Einigung erzielt worden sei. Nun sei für den 28. Juni ein Kammertermin angesetzt worden. „Bis dahin sind jedoch die Leiharbeiter vielleicht schon wieder weg“, so Roßel.

Die Betriebsratsvorsitzende ist verärgert über die Geschäftsleitung von „Manroland“: „Wir haben vor einem Personalmangel gewarnt, weil die Mitarbeiter zu spät über ihre Wechselmöglichkeiten informiert worden sind“, sagte Roßel. Erst Ende Januar sei den Finanzfachleuten angeboten worden, nach Augsburg zu wechseln, wo der Druckmaschinenhersteller die Finanzbuchhaltung zusammen mit anderen Verwaltungsbereichen konzentrieren will. Nur acht von 18 Mitarbeitern hätten das kurzfristige Angebot akzeptiert. Das Unternehmen habe die Einstellung der Leiharbeiter damit begründet, das nur so die Personallücke geschlossen werden könne.

Aufträge um 15 Prozent gesteigert

Roßel ist sich dagegen sicher, dass andere Konzernmitarbeiter kurzfristig hätten einspringen können: „Dies scheiterte allerdings daran, dass die Geschäftsleitung die geplante Qualifizierungs- und Beschäftigungsgesellschaft unbedingt zum 1. März starten wollte.“ So habe es keine Perspektive für die Mitarbeiter im Haus gegeben. Konsequenz: Ihnen wurde gekündigt. Ihr Gehalt muss „manroland“ jedoch weiterzahlen, da die Geschäftsleitung sich in einem Interessenausgleich zur Freistellung verpflichtet hat.

„Manroland“-Sprecher Thomas Hauser erklärte: „Im Rahmen der notwendigen Restrukturierung des Unternehmens haben sich Vorstand und Arbeitnehmervertreter im vergangenen Jahr auf einen umfassenden Interessenausgleich verständigt.“ Deshalb hätten Mitarbeiter die Möglichkeit bekommen, an einen anderen Standort oder in die Qualifizierungsgesellschaft zu wechseln. Stichtag sei der 1. März gewesen. „Der durch die diversen personellen Veränderungen kurzfristig aufgetretene Arbeitsbedarf kann unter Berücksichtigung des Interessenausgleiches aktuell nur sinnvoll durch Leiharbeit gedeckt werden“, so Hauser.

Wie Roßel weiter sagte, sollen die Abteilungen Einkauf, IT, Rechnungswesen und Controlling nun endgültig im Sommer nach Augsburg umziehen. Die Mitarbeiterzahl soll nach früheren Angaben in Offenbach bis Ende des Jahres von rund 1900 auf 1600 fallen.

Erst Mitte März hat „manroland“ vermeldet, dass sich der Auftragseingang im Vorjahr um 15 Prozent gesteigert habe und der Druckmaschinenbauer für dieses Jahr nach den tiefroten Zahlen der Vergangenheit wieder mit einer Rückkehr in die Gewinnzone rechnet.

Rubriklistenbild: © Thomas Meier

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