Geschäftswelt macht Front gegen Marktplatz-Umbau

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Heftig umstritten: Die Umgestaltung des Marktplatzes, der im Mai vier Tage lang probeweise für Autos gesperrt war.

Offenbach - In einem Abschlussbericht wird die Stadt am Mittwochabend die Ergebnisse der bisherigen Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung des Marktplatzes vorstellen. Demnächst befasst sich das Stadtparlament damit. Von Matthias Dahmer

Im Rathaus ist das Großprojekt der Stadtentwicklung wie kaum ein anderes mit der Hoffnung befrachtet, die derzeitige Verkehrsdrehscheibe zum fußgängerfreundlicheren Scharnier zwischen City und Wilhelmspatz umzuwandeln.

Was sich indes schon bei der probeweisen viertägigen Sperrung des Platzes im Mai angedeutet hat, wird jetzt konkreter: Die Geschäftswelt hat immense Vorbehalte gegen das Projekt und fordert eine Befragung des Einzelhandels. In unserer Zeitung vorliegenden Schreiben an die Fraktionen machen Gewerbeverein Treffpunkt, Einzelhandelsverband für Stadt und Kreis und Industrie- und Handelskammer in unterschiedlicher Intensität Front gegen die Umgestaltung.

Vernichtendes Urteil vom Treffpunkt

Ein geradezu vernichtendes Urteil fällt der Treffpunkt: Für ihn stellen sich Diskussion und Bürgerbeteiligung äußerst problematisch dar, in vielen Teilen seien sie unkoordiniert und unverständlich. „Wir sind äußerst besorgt und befürchten, dass hier großer Schaden für die Innenstadt und den Handel verursacht wird“, heißt es in dem Schreiben. Bisher gebe es widersprüchliche Aussagen zur geplanten Umgestaltung. Diese Verwirrung trage dazu bei, dass Kunden den Eindruck hätten, die Innenstadt sei nur noch über Umwege erreichbar.

Auch dem gewählten Verfahren stellt der Gewerbeverein kein gutes Zeugnis aus: Es sei in hohem Maß darauf ausgerichtet, einen Konsens unter „grundsätzlich für den Handel problematischen Alternativen zu suchen“ und den Handel gerade nicht zu beteiligen. Geschäftsleute seien in der Tagesarbeit gefordert und mehrheitlich nicht in der Lage, an langatmigen Diskussionsrunden teilzunehmen. „Wir Händler sind keine Politiker und nicht bereit, in öffentlichen Diskussionen politisch motivierte Alternativen zu diskutieren, wenn alle Alternativen eine Verschlechterung der Erreichbarkeit bringen“, schreibt der Treffpunkt.

Er fordert die Politik auf, diese Bedenken in Form einer wissenschaftlich fundierten Befragung des Handels zu erfassen und diese dann in die Entscheidung einfließen zu lassen. Dem schließt sich der Einzelhandelsverband für Stadt und Kreis an, der bei Umsetzung der derzeitigen Pläne einen weiteren Attraktivitätsverlust der Innenstadt befürchtet.

Etwas moderater gibt sich die IHK

Etwas moderater gibt sich die IHK: Der Umbau des Marktplatzes sei zwar langfristig eine Chance für die Innenstadt. Dennoch verfolgt auch die Kammer den Diskussionsprozess zur Neugestaltung „mit großer Sorge“. Wichtige Rahmenbedingungen erschienen offen, der betroffene Einzelhandel werde verunsichert. Aus Sicht der IHK bedarf es folgender Grundvoraussetzungen zum Gelingen des Projekts: Die Verkehrsführung am Marktplatz muss in ein Verkehrskonzept für die gesamte Innenstadt eingebunden sein; die Erreichbarkeit der City-Parkhäuser muss unverändert bleiben; ein Parkleitsystem muss her; und – da schließt sich die IHK dem Einzelhandel an – eine Befragung der Geschäftsleute ist nötig.

Die in den Schreiben formulierten Positionen dürften Wasser auf die Mühlen der FDP sein. Denn die Liberalen sprechen sich in einem Diskussionspapier zur Verkehrspolitik in der Innenstadt unter anderem dafür aus, dass der Marktplatz nicht für den Autoverkehr gesperrt, ein Parkleitsystems rasch eingeführt sowie kostenloses Kurzzeitparken verlängert und in der gesamten Innenstadt ermöglicht wird.

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