Geschichte von Toni und Mike

Offenbach (mad) - Eine Betrügerin oder selbst das Opfer brutaler Männer? Weil das Schöffengericht unter Vorsitz von Richter Manfred Beck diese Frage nicht klären konnte, kam eine wegen Betrugs angeklagte 49-Jährige am Ende mit einer Freiheitsstrafe von 21 Monaten auf Bewährung davon.

Die Frau kam 2003 aus den neuen Bundesländern nach Offenbach. Da sie vom großen Geld träumte, gab sie ihren Büro-Job auf und versuchte sich mit einer Disco in Wiesbaden. Sie behauptete vor Gericht, zwei Männer, die sich Toni und Mike nannten, hätten von ihr Schutzgeld erpresst. Als sie dieses nicht mehr habe zahlen können, sei sie von den beiden in einem Lieferwagen verschleppt und vergewaltigt worden. Die Männer hätten ihr in der Folgezeit falsche Papiere besorgt und sie gezwungen, Betrügereien zu begehen.

Tatsächlich hatte die Angeklagte mehrere Personen , darunter ein Offenbacher Ehepaar, um insgesamt rund 80.000 Euro gebracht: Sie bot im Internet hochwertige Fahrzeuge äußerst preiswert an. Den Interessenten gaukelte sie vor, eine Firma zu besitzen und die Autos günstig bei den Herstellern erwerben zu können. Man müsse jedoch schnell handeln und ihr Bargeld geben, damit sie per Überweisung das Auto zu den günstigen Konditionen kaufen könne.

Mit dem Ehepaar, das ihr das Geld ausgehändigt hatte, ging sie sogar zur Bank. Die Opfer hörten die Geldzählmaschine laufen und dachten, die Frau habe das Geld einbezahlt. Tatsächlich hatte sie es wohl nur zählen lassen. Die Bank gab der Angeklagten eine Bescheinigung über die gezählte Summe, welche die Frau als scheinbaren Einzahlungsbeleg vorzeigte.

Dann bat sie die Offenbacher, sie zum Klinikum zu bringen, weil sie Schmerzen am Fuß hätte. Danach könne man gemeinsam das Fahrzeug beim Lieferanten abholen. Scheinbar begab die Frau sich in ein Ärztezimmer, verschwand aber tatsächlich durch einen Nebenausgang.

Die Angeklagte gab an, sie habe das Geld an Toni und Mike abgeben müssen. Weil das Gericht nicht ausschließen konnte, dass die Geschichte doch der Wahrheit entspricht, kam es zu der Bewährungsstrafe.

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