Geschichten können eine Lebenshilfe sein

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Nach Herzenslust darf auf den Büchertischen gestöbert und geschmökert werden. Die beliebte Ausstellung lockt sicher wieder einige Leseratten zur Vorweihnachtszeit ins Klingspormuseum.

Offenbach ‐ Wie viele Kinder passen in die Hände Gottes? Und was macht das Pferd mit der Maus eigentlich in der Krippe? Um Antworten auf diese Fragen und viele Lösungsansätze für verschiedene Lebenssituationen zu bekommen, führt kein Weg an den Büchern vorbei, die in Vitrinen liegen und sich auf den Lesetischen stapeln. Von Isabel Winkler

Ich bin gar nicht sicher, ob ihr es überhaupt schaffen könnt, all die Bücher zu lesen, die es hier gibt, selbst, wenn ihr jeden Tag hierher kommt“, macht Dr. Stefan Soltek den Kindern den Umfang der 54. Internationalen Buchausstellung „Kinderwelten“ im Klingspormuseum an der Herrnstraße bewusst. Obwohl sie bis 14. Februar Zeit hätten.

Mehr als 50 Verlage haben Bücher geschickt

Doch bei knapp 550 Büchern aus aller Welt könnte das zugegebenermaßen schwierig werden. Von Janoschs „Panama“ bis „Auf Reisen mit Pablo Picasso“ oder Sachbücher über Insekten – das Angebot ist riesig. „Mehr als 50 Verlage haben uns Bücher geschickt, 180 Werke stammen aus dem Ausland“, sagt Elke Rauer über die Zusammensetzung der Ausstellung. In den Auslagen ist Lesestoff aus Frankreich, Kanada, Neuseeland und der Ukraine zu bestaunen. Aber auch Verlage aus dem Iran haben seit zehn Jahren erstmals wieder Bände geschickt. Neu im Sortiment sind Bücher aus der Türkei.

Bereichert durch die Paukenschläge der Trommel-AG der Waldschule sowie den Gesang  der Anne-Frank-Schüler mit Liedern, wie „Lesen heiß auf Wolken liegen“ oder „Tief im Fabelwesenwald“ feiert das Museum einen gelungenen Auftakt der im 54 Jahr stattfindenden Ausstellung. Obwohl es im Vorfeld immer wieder bibbern heißt. Denn jedes Jahr schreibt Elke Rauer die Verlage erneut an und hofft auf genügend Resonanz. Gerade in schlechten wirtschaftlichen Zeiten sei es nicht selbstverständlich, kostenlose Exemplare zur Verfügung zu stellen, meint Soltek. Früher seien die Lesetische zwar noch besser gefüllt gewesen, trotzdem „freuen wir uns über das ungeheuer breite Spektrum“, betont er und umreißt die vielen Lebensfelder, die thematisch betrachtet werden. „Auch vom Kranksein und Sterben ist die Rede, die Bücher haben nicht nur unterhaltenden, sondern auch informativen Charakter.

„Ersetzen kann ein E-Book ein Buch niemals.“

Besonderen Wert legte der Museumsleiter außerdem darauf, den Kindern zu vermitteln, wie wichtig die Geschichten sind. „Wenn ihr viel lest, dann könnt ihr besser sehen und auch besser reflektieren“, sagt er und ist sicher, dass die Geschichten den Kindern bei der Bewältigung ihres täglichen Lebens und ihrer Zukunft helfen können. Ersetzen könne ein E-Book ein Buch niemals. Besonders spannend sei für ihn das Zusammenspiel von Lesen und Betrachten sowie die Schriftgestaltung und Aufbereitung für die unterschiedlichen Altersgruppen.

Das Haus bietet ein großes Begleitprogramm mit Bastelgeschichten, Perlen-Workshops, Vorlesestunden oder der Aufführung „Prinzessin Fantasie“. Anmeldung nötig, Kontakt: Elke Rauer, Tel.: 80652954.

In diesem Jahr steht die Ausstellung unter dem Motto „Arche Noah“. Im Obergeschoss finden sich Kinderbibeln, aber auch Illustrationen für Erwachsene. Besonderes Augenmerk legte Rauer auf ein Buch ohne Worte, das den Titel „Welle“ trägt. Sie vermittelt die unterschiedliche Art und Weise, wie Bücher gestaltet sein können. Diese enthalten nicht einfach nur Geschichten, sondern gewinnen durch Aufmachung, raffinierte Inszenierung und eine originelle Erzählweise noch an Aussage – auch ohne Worte. So wird die „Welle“ immer auf Doppelseiten erzählt, und das kleine Mädchen ärgert die Welle solange, bis es dieser gelingt auf die andere Seite des Buchs zu schwappen.

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