Sanierung würde 12 Millionen kosten

Geschwister-Scholl-Schule: Energetisch völlig absurd

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Die Geschwister-Scholl-Schule ist nahezu 50 Jahre alt. An ihrem baulichen Zustand hat sich in all der Zeit nichts geändert. Den meisten Kummer bereiten die unisolierten Wände und Fenster, die den Schulbetrieb energetisch betrachtet völlig unberechenbar machen.

Offenbach - Die Heizungen im Klassenraum sind volle Pulle aufgedreht. Nur wenige Zentimeter darüber befindet sich ein Fenster. Es ist völlig verzogen, schließt nicht richtig. Der kalte Luftzug aus dem Spalt ist mit der Hand deutlich zu spüren. Von Veronika Schade 

Energetisch betrachtet eine Absurdität, bei der sich jedem umwelt- und kostenbewussten Betrachter die Fußnägel hochbiegen. An der Geschwister-Scholl-Schule ist sie Alltag. Die Integrierte Gesamtschule in Bieber ist gestern viertes und letztes Besuchsziel der von Stadtelternbeirat und Interessengemeinschaft Offenbacher Schulleiter initiierten, beispiellosen Aktion. Die Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger sollen dadurch auf den katastrophalen baulichen Zustand vieler Offenbacher Bildungseinrichtungen aufmerksam werden. Ziel ist, Landesmittel für die Schulsanierungen zu generieren, da die Stadt dafür nicht aufkommen kann.

Im naturwissenschaftlichen Lagerraum herrscht, abgesehen von Platzmangel, dicke Luft. Der Luftabzug funktioniert nicht richtig.

Ursprünglich sollte die Geschwister-Scholl-Schule im Jahr 2012 an die Reihe kommen. Daraus wurde nichts. Wann und ob sich überhaupt etwas tut, ist ungewiss. Ständige, kleine, den Stadtsäckel belastende Flickarbeiten an den akutesten Mängeln sind die Folge. Schulleiterin Fanni Mülot nennt einige Beispiele einer schier endlosen Reihe. Etwa das Loch, das sich an der Decke im Obergeschoss aufgetan und den Blick auf den Himmel freigegeben hat. Die Griffe, die an Fenstern abmontiert werden mussten, um sie durch Öffnen und Schließen nicht noch mehr zu verziehen. Die feuchte Wand, die aufgesprungen ist und innen völlig verrostete Rohre offenlegte.

Von Isolierung keine Rede

Und überhaupt, die Wände. Sie bestehen aus dünnen Platten, bei denen von Isolierung keine Rede sein kann. Lediglich die verklinkerten Außenwände sind einigermaßen massiv, aber ebenfalls nicht isoliert. Durch die großen Fensterfronten brennt die Sonne, im Sommer können die Räume schon morgens 38 Grad haben. Vorhänge können dem kaum entgegenwirken. Im Winter dagegen ist es kalt, die Heizung läuft auf Hochtouren. „Die Schule ist 1966 erbaut. Da galt sie als hochmodernes Gebäude, weil sie so lichtdurchflutet ist“, sagt Mülot. Fast fünf Jahrzehnte später sind die Mängel unübersehbar – zumindest als herunterkommender Putz oder bröckelndes Mauerwerk. „Die Sanierung wurde mit 12 Millionen Euro beziffert“, berichtet die Rektorin, seit 13 Jahren an dieser Schule.

Vor zwei Jahren wurde eine Thermografie-Aufnahme des Gebäudes gemacht. Das rot strahlende Foto machte eindrucksvoll klar, wie mies die Isolierung wirklich ist. „Man kann darauf den Verlauf der Heizkörper erkennen“, erzählt Mülot. Der Zustand ist unbefriedigend auch für die Offenbacher Gebäudemanagement (GBM), welche für die Schulen zuständig ist. „Wir bemühen uns, den Zustand der Räume auf jetzigem Stand zu belassen, damit überhaupt unterrichtet werden kann“, sagt Bau-Bereichsleiter Renato Antunes. So entstehen laufend hohe Wartungs- und Instandhaltungskosten. „Das Verschieben der Sanierung macht alles nur teurer“, weiß die Schulleiterin. Ganz zu schweigen davon, dass Schüler und Lehrer sich in solchen Räumen nicht wohlfühlen, keine Wertschätzung empfinden und im Unterricht oft improvisieren müssen.

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Vor allem bei den Naturwissenschaften. Es gibt jeweils nur einen Physik- und Chemieraum – zu wenig für die älteren Schüler, die mal aufs Gymnasium wollen. Experimentieren können sie an den alten Tischen lange nicht mehr. Diese fingen an, sich wegen Materialermüdung durchzubiegen. Da in ihnen Strom- und Gasleitungen verliefen, wurde dies zur potenziellen Gefahr. Sie mussten abgedreht werden. Der Luftabzug, der in Versuchsräumen Pflicht ist, funktioniert nur gelegentlich. So auch im naturwissenschaftlichen Lagerraum, wo die Schadstoffbelastung laut der Lehrergesundheitsbehörde Medical Airport Service zu hoch ist. „Das alles bedeutet eine eklatante Benachteiligung unserer Schule“, bedauert Mülot. „Hessische Standards einzuhalten ist nicht möglich.“

48 Pädagogen teilen sich ein Lehrerzimmer. Mehr Räume brauchen auch die 550 Schüler. Die zehnte Klasse soll künftig dreizügig sein. Außerdem kommen immer wieder Seiteneinsteiger hinzu, die Schule arbeitet inklusiv. „Im Gegensatz zu innerstädtischen Schulen hätten wir genug Platz für einen Anbau“, sagt Mülot. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft gibt sie nicht auf.

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