Gesellschaft gestalten

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Der 1. Mai ist eine gute Gelegenheit, Mike Josef persönlich kennenzulernen: Der DGB lädt für Sonntag,10 Uhr, ab Wilhelmsplatz zur Demonstration durch die Stadt und Kundgebung. Ab 12 Uhr soll dann auf dem Platz in bewährter Manier gefeiert werden.

Offenbach - Ein neues Gesicht steht in Offenbach für den Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Mike Josef heißt seit 1. März der Verantwortliche vor Ort, der als sogenannter Organisationssekretär firmiert und etwa 8 300 Mitglieder in der Stadt sowie 19 200 Mitglieder im Landkreis repräsentiert. Von Simone Weil

Am kommenden Sonntag, 1. Mai, will er sich ab 10 Uhr bei Demonstration, Kundgebung und Feier auf dem Wilhelmsplatz der Öffentlichkeit vorstellen.

Der 28-Jährige, der frisch von der Universität kommt und Politik, Jura und Geschichte studiert hat, hat bereits im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) Bekanntschaft und vor allem gute Erfahrungen mit den Gewerkschaften gemacht. Damals ging es um die Verfassungklage gegen Studiengebühren. Deswegen ist es für den jungen Mann eine klare Sache, dass gesellschaftlicher Gestaltungswille und Gewerkschaften untrennbar miteinander verbunden sind - auch wenn die politischen Gegner sich immer viel Mühe geben, um den Eindruck zu erwecken, solche Organisationen seien alles andere als zeitgemäß.

Mike Josef kam 1987 mit seinen Eltern aus Syrien (der Nachname ist eingedeutscht). 15 Jahre lang lebte er Ulm, bis es ihn nach dem Zivildienst beim Deutschen Roten Kreuz zum Studium nach Frankfurt-Bornheim zog.

Eher am guten Spiel interessiert

Der Eintracht-Fan („Der war ich aber auch schon in Ulm.“) hat sich bereits Spiele auf dem Bieberer Berg angeschaut und hält sich sportlich keineswegs für einen Dogmatiker, sondern für jemanden, der eher am guten Spiel interessiert ist, als am Sieg einer bestimmten Mannschaft auf Teufel komm raus. Der DGB-Vertreter hat früher gern gekickt und sogar heimlich von einer Profikarriere geträumt, wie er witzelt.

Doch nicht nur ihm steht immer weniger Freizeit zur Verfügung. Deswegen soll dies auch politisch ein Thema werden: „Die Balance zwischen Arbeits- und Lebenszeit wird uns beschäftigen“, nimmt sich Mike Josef vor. Eine der wichtigsten Fragen sei doch „Wie gestalten wir Staat?“.

Die Schuldenbremse und Themen wie Integration-Migration, aber auch Leiharbeit und Mindestlohn sowie soziale Gerechtigkeit stehen für den neuen DGB-Mann ganz oben auf seiner Tagesordnung. Er hofft allerdings auch auf viele Anregungen, Tipps und Inspirationen von anderen. Er sei durchaus froh über ein offenes Wort und habe auch keine Angst vor Kritik. „Die Leute sollen mich einfach ansprechen“, sagt er.

Ehrenamt nicht überstrapazieren

Weil es ohne Arbeitsteilung und Schwerpunktsetzung gar nicht gehen wird, denn von „klein, klein“ hält Mike Josef nichts, will er versuchen, möglichst viele junge Mitstreiter zu gewinnen. Auch wenn er weiß, dass das Ehrenamt nicht überstrapaziert werden darf.

Anders als seine Vorgängerin Heike Weber, die zwischen den Arbeitsplätzen in Darmstadt und Offenbach pendelte, soll ihr Nachfolger ausschließlich für Offenbach zuständig sein und sich als „beständiger junger Kollege mit Zukunft bewähren“, hofft Frank Herrmann, DGB-Vorsitzender Südosthessen.

Offenbach sei trotz der häufigen personellen Wechsel keineswegs in Vergessenheit geraten. Deswegen planen die Gewerkschaft Ver.di, die IG Metall, der DGB sowie der DGB-Rechtsschutz Ende 2012, ein gemeinsames Büro zu beziehen, kündigt Herrmann an. Die bestehenden Mietverträge ließen eine schnellere Umsetzung nicht zu. „Durch den Wegfall des Arbeitsgerichts in Hanau bekommt Offenbach auch wieder eine größere Bedeutung“, meint der Regionvorsitzende.

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