Gesichter der Integration

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Ein Musterbeispiel für Integration: Maria Carmela Dinice-Lehmann arbeitet als Unternehmensberaterin und ist Stadtverordnete. Ihre Eltern kamen in den 60ern als Gastarbeiter aus Italien nach Deutschland. Foto: Oberück

Offenbach - Maria Carmela Dinice-Lehmann ist Deutsche. Oder vielleicht doch nicht? Sie hat zumindest keinen deutschen Pass; laut offiziellen Papieren ist sie italienische Staatsbürgerin. Von Domenico Sciurti

Die hierzulande geborene und seit langem in Bürgel lebende Frau wusste selbst nie so genau, wo sie denn eigentlich hingehört. Mal war sie mehr Deutsche, mal mehr Italienerin, erzählt sie. Und heute ist sie sicher: „Ich bin beides.“

Dinice-Lehmann ist ab Freitag, 14. April, als Porträt-Bild zu sehen - in der Austellung „Ich integriere mich von frühmorgens bis spätabends. Vom Wegkommen und Ankommen“. Thematischer Mittelpunkt der vom evangelischen Dekanat organisierten Schau sind Lebensgeschichten, in denen es um Heimat geht und um Zugehörigkeit: Arbeitsmigranten, Flüchtlinge oder einfach nur Menschen, die ein neues Zuhause suchen. Etwa 30 Bilder der Fotografin Hermine Oberück hängen dann in der evangelischen Stadtkirche.

Integration besser verstehen

Mit jedem der abgebildeten Menschen hat die Literaturwissenschaftlerin Gertraud Strohm-Katzer ein Interview geführt. Aus einzelnen Lebensgeschichten entstand ein Booklet, das die Austellung mit Hintergrundinformationen zu den Abgebildeten ergänzt.

Das Ziel der Veranstaltung sei, Integration besser zu verstehen, sagt Dekanin Eva Reiß. Dass auch Muslime in der Kirche zu sehen sein werden, sei überhaupt kein Problem. „Wir möchten, dass die Menschen miteinander reden und lernen, sich gegenseitig zu respektieren.“ Die Kirche mit ihren Räumlichkeiten sei ein idealer Ort dafür. Zum „offenen Austausch“ lädt Reiß in die Herrnstraße 44, der Eintritt ist frei. Die Vernissage mit der Schirmherrin, Bürgermeisterin Birgit Simon, beginnt am Freitag, 15. April, 18.30 Uhr.

Begleitprogramm mit Lebensgeschichten

Und auch ein Begleitprogramm wird es geben: Drei der 30 Bilder zeigen Offenbacher, und die werden bei Erzählcafés über ihre Erfahrungen sprechen. Am Mittwoch, 20. April, erzählt Hasan Temiztürk Uhr von seinem Leben als muslimischer Kalligraph in Deutschland. Maria Carmela Dinice-Lehmann spricht am Mittwoch, 27. April, und Waltraud Meckel am Dienstag, 10. Mai, jeweils um 16 Uhr. Einen Gottesdienst gibt es am Ostermontag, 25. April, 10 Uhr. Schauspieler Detlev Nyga liest zum Thema am Dienstag, 10 Mai, um 18.30 Uhr. Die Finissage mit Clowns findet am Donnerstag, 12. Mai, um 18.30 Uhr statt.

Dinice-Lehmann merkte mit 15 das erste Mal, dass sie keine Deutsche ist, als sie während eines Schulausflugs zur Passkontrolle an einen anderen Schalter musste als ihre Freunde. Auch als sie für längere Zeit nach Italien zog, behandelte man sie als Ausländerin, sagt sie. Das sei nicht immer leicht gewesen. Mit ihrer Fotogeschichte möchte sie anderen Migranten zeigen, wie wichtig es sei, sich zu integrieren. Menschen, die kein Deutsch können, seien nicht frei: „Sie leben zwar in einem freien Land. Wenn sie aber nicht mal das Werbeplakat verstehen, wird die ganze Stadt zum Gefängnis.“

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