Gespielt wird auf dem Dach

Offenbach ‐ Was die Rangliste der beliebtesten Helden aus der zeitlosen Feder der Kinderbuchautorin Astrid Lindgren betrifft, kann Karlsson vom Dach beim Nachwuchs üblicherweise nicht gegen Pipi Langstrumpf an-stinken. Und so wird das vermutlich auch noch fünf, eher sechs Jahre bleiben. Von Marcus Reinsch

2017 allerdings, wenn die Stadt die Bieberer Mauerfeldschule fit für den Ganztagsbetrieb gemacht hat, wird der rotzfreche Propellermann wohl einen kräftigen Sympathieschub erfahren. Denn dann bekommen die Grundschüler nicht nur eine Cafeteria und andere eigentlich schon jetzt nötige Räume spendiert. Sie bekommen auch einen neuen Schulhof - auf dem Dach. Auf dem gerade mal 2838 Quadratmeter großen Schulgelände an der Mauerfeldstraße mitten im alten Ort ist es eigentlich zu eng, um alle heute üblichen räumlichen und pädagogischen Ansprüche an einen modernen Lehrbetrieb erfüllen zu können. Die mehrstöckigen, denkmalgeschützten Klassentrakte aus der vorletzten Jahrhundertwende beanspruchen die beiden kürzeren Flanken des rechteckigen Areals für sich, für eine Turnhalle hat‘s 1991 noch gerade so gereicht, und der Rest ist Schulhof. Architektonische Manövriermasse: null. Deshalb soll nun nicht in die Breite gebaut, sondern gestapelt werden.

Nicht Schüler natürlich. Die sollen nach dem Umbau sogar mehr Platz haben als heute. Bewerkstelligt werden kann dieses Kunststück, indem der komplette Schulhof mit einem eingeschossigen Zusatztrakt überbaut wird, der in sich die für den Ganztagsbetrieb gebrauchten Funktionsräume für Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung und auf sich Platz für den Pausenspaß beheimatet. Mittendrin: ein Loch, durch das sich eine altehrwürdige Platane strecken kann, die hoch genug ist, um auch auf dem höhergelegten Schulhof Schatten zu spenden. Die Klassen- und Differenzierungszimmer in den Bestandsbauten werden dann sinnvoller aufgeteilt, ein dreigeschossiger Anbau im Südwesten schafft zusätzlichen Platz, Barrierefreiheit und eine Fluchttreppe mehr.

Bald eine Elterninitiative?

So gelingt es, der Grundschule mit heute 310 Schülern inklusive Vorklasse auch in Zukunft ihre Dreizügigkeit zu sichern. Das ist dringend nötig, weil Bieberer Kinder sonst vermutlich bald aus Platzmangel in der Schuldependance in der Waldhof-Siedlung hätten eingeschult werden müssen.

Letztere wird nun zwar bekanntlich mit einem zweizügigen Quasi-Neubau in der Ottersfuhrstraße aus ihrem oft, letztlich erfolgreich beklagten Container-Dasein befreit und mit einer Turnhalle bestückt. Doch die Gründung einer Bieberer Elterninitiative, die ihren Nachwuchs morgens nur widerwillig in den Waldhof gefahren hätten, hätte trotzdem sicher nicht lange auf sich warten lassen.

Rubriklistenbild: © Stadt

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