Mit gestalterischer Vielfalt

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Die Räume im neuen Stadtteilbüro Nordend in der Bernardstraße 63 wurden von den Anwohnern mitgestaltet. Jedes Zimmer strahlt seine eigene Atmosphäre aus.

Offenbach ‐ Zum nächsten Bastelnachmittag haben sie sich schon verabredet. „Gut, dass man sich jetzt hier und nicht nur immer zu Hause treffen kann“, freuen sich Mariam Meziane (12 Jahre) und Yousra Ezzarouali (13). Von Lis Schulmeister

„Wir können hier lernen und lesen oder spielen.“ Der neue Treffpunkt der beiden Schülerinnen der Schillerschule ist das Stadtteilbüro Nordend in der Bernardstraße 63, das am Samstag offiziell eröffnet wurde. Eingerichtet als multifunktionale Anlaufstelle im Quartier hat es die Initiative „Besser Leben in Offenbach“, ein Zusammenschluss von Stadt und Stadtwerke Offenbach Holding GmbH (SOH). Unterstützung gab es vom Bund und dem Europäischen Sozialfonds über das Projekt „Stärken vor Ort“.

Die durch viel Glas transparent wirkenden Aufenthaltsräume mit Küche, Büro und Bad auf einer Gesamtfläche von rund 160 Quadratmetern hatte die SOH im Herbst erworben. Zusammen mit der Ausstattung wurden 150.000 Euro investiert.

Die multifunktionale Anlaufstelle entstand unter der Regie der Initiative „Besser Leben in Offenbach“.

Ideen, Fantasie und Tatkraft haben Anwohner eingebracht, für die bereits in den vergangenen Wochen die Türen jederzeit offen standen. 26 Jugendliche aus der Schillerschule und vom Boxclub Nordend haben während der Ferien Hand angelegt, renoviert, gebastelt, gemalt und dekoriert.

Das Ergebnis sind Räume, die unterschiedliche Atmosphäre ausstrahlen. Strandfarbene und in durchscheinend wirkendem meeresgrün angelegte Wände, ein Hauch von weißer luftiger Gardine am Fenster und helle Möbel kennzeichnen einen Raum mit mediterranem Flair. In einem anderen Zimmer hängt eine alte Wanduhr, in offenen Regalen und am Buffet prangt Zinngeschirr, ein geräumiger Polstersessel sowie eine Eckbank laden zum gemütlichen Sitzen am Eichentisch ein. Im dritten Raum fühlt sich der Besucher in das Märchen von 1001 Nacht versetzt. Ornamente und die Konturen mattgolden schimmernder Kuppeln auf tiefblauem und rotem Hintergrund an den Wänden, auf dezent blau-golden gemustertem Teppich stehen zierliche Tischchen mit Teegläsern, ein kunstvoll verzierter Spiegel ist ein weiterer Blickfang.

Auf den mit losen Kissen gepolsterten Sitzbänken am Fenster und entlang der Wände betrachten einige der jungen Konzeptkünstler und Dekorateure ihr Werk, das sie unter Anleitung von Brigitte Holtermann produziert hatten. „Das hat sehr viel Spaß mit den Jugendlichen gemacht“, sagt die Diplom-Designerin über ihre Debütarbeit nach Abschluss ihres Studiums an der Hochschule für Gestaltung.

Die Räume, in denen Sprachkurse oder Beratungen ebenso stattfinden können wie private Treffen von Anwohnern oder Vereinen, stehen allen aus dem Viertel offen, sagt Sabine Süßmann, Projektleiterin von „Besser leben in Offenbach“. Ihr Anliegen ist es, die Lebensqualität im am dichtesten besiedelten Quartier und die Identifizierung mit ihm dauerhaft zu verbessern. Dazu soll auch das von der Starthaus GmbH betriebene Café als Treffpunkt beitragen, das täglich bis 16 Uhr geöffnet ist „und im Sommer vielleicht auch mal länger“, überlegt Süßmann.

Firma sponserte Büromöbel

Die Angebote im Stadtteilbüro sind vielfältig. Kurse und Beratungen gehören dazu. Das Sekretariat nimmt acht Stunden täglich Wünsche und Anregungen entgegen. „Drei sich selbst „1 Euro-Denkerinnen“ nennende Frauen aus der Kampagne Chance 50 plus für ältere Arbeitssuchende wollen beim Formulieren und Ausfüllen von Anträgen behilflich sein,“ erzählt Andrea Egerer, Geschäftsführerin des „Starthauses“. Jugendliche von derselben Einrichtung möchten eine Fahrradwerkstatt etablieren.

Eine Firma sponserte Büromöbel, Schreiner von der GBM zimmerten Bänke. Projektleiterin Süßmann entdeckte bei einer Haushaltsauflösung einen höchst dekorativen Keramikofen sowie das Mobiliar für das altdeutsch anmutende Zimmer und stiftete aus eigenem Bestand die Ausstattung für die Kinderecke. Auch Oberbürgermeister Horst Schneider war nicht mit leeren Händen gekommen. Er überreichte einen Samowar, damit Besuchern stilecht Tee bereitet werden kann. Das Stadtteilbüro am Goetheplatz ist geöffnet montags bis freitags von 7.30 bis 16 Uhr.

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