Theoretisch täglich Pizza

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Pünktlich kurz nach 13 Uhr ist an den Essensausgaben in den Schulen reger Betrieb. Knurrende Mägen sollen gut und vor allem gesund gefüllt werden.

Offenbach - Was ist ein gesundes Essen für Kinder? Dass diese Frage nicht einfach zu beantworten ist, macht sich bereits bei der Betrachtung des Speiseplans an Offenbacher Schulen bemerkbar. Von Sabrina Kristen und Martin Kuhn

So haben Kinder an dem einem Gymnasium theoretisch die Möglichkeit, täglich Pizza zu essen. Eine andere Bildungsstätte lehnt die Mafiatorte dagegen konsequent ab und setzt auf zwei Hauptgerichte, die eine ausgewogenere Alternative versprechen.

Gesunde und abwechslungsreiche Ernährung für Kinder und Jugendliche – das ist das erklärte Ziel der gemeinnützigen Integrationsgesellschaft Esswerk. Die Tochtergesellschaft von Lebensräume e.V. ist an mehreren Offenbacher Schulen bei der Verpflegung involviert. An zwei Gymnasien ist Esswerk für Verwaltung, Service und Speiseplan zuständig. Allein in der Leibnizschule verpflegt Esswerk täglich etwa 130 Schüler. An anderen Schulen stellt das Unternehmen nur die Arbeitskräfte oder ist lediglich für organisatorische Aspekte zuständig.

Enorme Herausforderung

„Ein gesundes und gleichzeitig kindgerechtes Essen zu konzipieren, ist schon eine enorme Herausforderung“, sagt Mike Gräf. Die Beschwerde von Eltern, dass das Angebot zwar ausgewogen, aber nicht zwangsläufig für Kinder ansprechend sei, hat der 43-jährige Geschäftsführer von Esswerk schon häufiger gehört. „Aus diesem Grund sind wir stets mit der Schulleitung und Schülervertretern im Kontakt, um Vorschläge und Ideen einzubeziehen“, erzählt Gräf. Eltern von Schülern der Rudolf-Koch-Schule haben sogar online ganz einfach die Möglichkeit, Kritik zu äußern. Die Köche seien stets für neue Gerichte offen. Einen festen Speisenplan, der sich wochenweise wiederholt, will das Esswerk nicht.

Die Menüauswahl orientiert sich an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE). Vor allem im Hinblick auf Ausgewogenheit und die richtige Zusammensetzung eines gesunden Mittagessens in Schulen. „Neben gesunden Gerichten mit Gemüse und Vollkornnudeln bieten wir aber auch mal ganz klassisch Schnitzel an“, so Gräf. Wichtig sei vor allem, dass die Kinder eine ausreichende Menge eines bestimmten Lebensmittels zu sich nähmen. So gibt die DGE Richtwerte an, wie viel Fleisch, Fisch und Gemüse ein Heranwachsender in der Woche verzehren sollte.

Frisches Obst vom Biohändler

Das Essen wird in drei Großküchen im Kreis Offenbach gekocht und anschließend an die jeweilige Ausgabe-Station geliefert. Dort sind zwischen vier und sechs Mitarbeiter für die Verteilung des Essens zuständig. Wo die Lebensmittel herkommen, weiß Geschäftsführer Gräf ganz genau: „Unsere Produkte kommen von Händlern aus der näheren Umgebung: Gemüse vom Bio-Großhandel Phönix und das Fleisch von Eidmann aus Frankfurt.“

Mindestens einmal pro Woche sorgt Esswerk dafür, dass Schüler in den Genuss von frischen Obst vom Biohändler kommen. „Wir wollen einfach für gesunde Abwechslung auf den Tellern sorgen“, ergänzt der Geschäftsführer.

Generell gleicht die Essensversorgung in Offenbach einem sehr bunten Strauß (siehe Tabelle). Fest steht: Die Einrichtung der Küchen ist Teil des kommunalen Schulsanierungs- und -erweiterungspakets – mit Summen bis zu rund 110.000 Euro (Albert-Schweitzer-Schule).

Nach Information des Stadtschulamts werden für „Dienstleistungen rund um die Essensausgabe“ etwa 225.000 Euro jährlich von der Stadt aufgewendet. Der Essenpreis beträgt in den meisten Schulen 3,50 Euro. Alle Caterer, die an den Offenbacher Schulen Verpflegung liefern, sind den Grundsätzen des DGE-Qualitätsstandards verpflichtet.

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