Ernährung spielt große Rolle bei Vorsorge und hat Einfluss auf Verlauf der Erkrankung

Gesundes Essen gegen den Krebs

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Viel Bewegung und frisch zubereitete Nahrungsmittel stärken die Abwehrkräfte - auch gegen Krebs. Unser Bild zeigt ein begehbares Darmmodell, Vorgänge der Tumorentstehung im Darm lassen sich damit besser begreifen.

Offenbach - An Ratschlägen fehlt es nicht, wenn es um das Thema Krebs geht. Doch viele Informationen sind schlichtweg falsch, nur wenige sind wissenschaftlich bewiesen. Ein wichtiges Thema für Gesundheitsbewusste. Bei einer Veranstaltung wird jetzt in Offenbach umfassend informiert.

Der Einfluss der Ernährung auf das Risiko und den möglichen Verlauf einer Krebserkrankung steht im Mittelpunkt einer Informationsveranstaltung, zu der das Sana Klinikum in Offenbach am Montag, 7. März, dem „Tag der gesunden Ernährung“ des Verbandes für Ernährung und Diätetik, einlädt. Nachgefragt bei Oberärztin Dr. Ulrike Wauer, Koordinatorin des interdisziplinären Darmzentrums der Klinik am Starkenburgring:

Welche Rolle spielt dabei das Thema „Ernährung“?

Es geht schwerpunktmäßig eigentlich immer um die Frage, ob und gegebenenfalls wie Krebspatienten den Verlauf ihrer Erkrankung selbst positiv beeinflussen können. Hier betonen wir ausdrücklich: Eine gesunde und ausgewogene Ernährung ist ein wichtiger, aber nicht der einzige Baustein, um das Risiko einer Krebserkrankung zu senken oder auch den Verlauf einer bereits ausgebrochenen Krebserkrankung positiv zu beeinflussen. 

Welche weiteren „Bausteine“ empfehlen Sie Ihren Patienten?

Wenn es möglich ist, raten wir auf jeden Fall zu einer ausreichenden körperlichen Aktivität. Wer kann, sollte nicht einfach nur auf dem Sofa liegen und in der Wohnung bleiben. Das schwächt den erkrankten Körper zusätzlich. Am besten bewegt man sich viel an der frischen Luft. 

Was können sich die Patienten von diesen Aktivitäten versprechen?

Die Bewegung führt zum Beispiel meist auch zu besserem und erholsamerem Schlaf. Dadurch wird wiederum der Stress reduziert, den unter anderem die Krankheit hervorrufen kann.

Sind auch direkte Einwirkungen von Nährstoffen auf das Krebsrisiko und den Krankheitsverlauf bekannt?

Es gibt einige Pflanzen, deren Inhaltsstoffe zu einem Schutz gegen Krebs beitragen oder die Krankheit sogar direkt bekämpfen. 

Würden Sie also empfehlen, die gewohnte Ernährung sofort komplett umzustellen?

Oberärztin Dr. Ulrike Wauer koordiniert seit sieben Jahren das Darmzentrum am Klinikum Offenbach und berät dort mit ihrem Team aus Ärzten, Pflegekräften und Ernährungsexperten regelmäßig Krebspatienten zu Fragen der alltäglichen Lebensführung.

Von unüberlegten Radikalkuren kann ich nur abraten. Es ist gut, wenn Patienten zuerst ihr Bedürfnis nach Veränderung in ihrem Leben entdecken und ihre Ernährung dann in Ruhe und schrittweise umstellen. Es kommt also nicht darauf an, von einem bestimmten Nahrungsmittel plötzlich größere Portionen zu sich zu nehmen oder ein anders Nahrungsmittel einfach wegzulassen. Gut ist, wenn die Patienten ihre Speisen frisch zubereiten. Damit nimmt man mehr Vitamine und Spurenelemente zu sich und reduziert oder verzichtet ganz auf Fertiggerichte, mit denen man unvermeidbar immer auch Schadstoffe und belastende Konservierungsstoffe in sich aufnehmen würde. Derzeit sind auch die sogenannten „grünen Smoothies“ sehr gefragt, und das aus gutem Grund. Dies ist ein pürierter Mix aus Gemüse oder Früchten, der ja in kürzester Zeit zubereitet ist und dank seiner speziell frischen Zubereitungsart hochkonzentrierte Vital- und Nährstoffe in ihrer natürlichsten Art liefert. 

Inwiefern kann eine solche Ernährung auch eine Krebstherapie direkt unterstützen?

Gesunde Ernährung stärkt die körpereigenen Abwehrkräfte, sodass die Nebenwirkungen einer Chemotherapie in abgeschwächter Form auftreten oder sogar ganz ausbleiben. Wer direkt vor der „Chemo“ einen Fastentag einlegt, kann damit sehr unangenehme Nebenwirkungen wie Übelkeit und Erbrechen deutlich verringern. Apropos Fasten: Regelmäßig durchgeführt, dient es auch der Krebsvorsorge. 

Immer wieder hört man von man von sogenannten „Krebs-Diäten“, die oft auch in fertiger Form angeboten werden. Was halten Sie davon?

Gar nichts, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass sie im günstigsten Fall wirkungslos sind, im ungünstigsten Fall aber auch schaden können. Mal wurde propagiert, komplett auf Kohlenhydrate zu verzichten, um so den Tumor „auszuhungern“. Dann wurde die Parole ausgegeben, den Krebs durch absichtliche Übersäuerung des Körpers zu bekämpfen oder sich, gerade umgekehrt, auf rein basische Ernährung zu beschränken. Das sind alles Irrwege, die man am besten vermeiden kann, wenn man mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt ein individuelles Ernährungskonzept entwickelt, das die Therapie gezielt unterstützt. Es geht also um eine gesündere Lebensführung und nicht um unseriöse Wunderwaffen gegen den Krebs, die letztlich nur dem Profit der verschiedenen Hersteller und Verkäufer dienen. 

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Was erwartet die Besucher der Informationsveranstaltung in Offenbach am 7. März?

Nach ihren Fachvorträgen informieren und beraten die Experten des Klinikums die Besucher in kleinen Gruppen und auch individuell zur Rolle der Ernährung in der allgemeinen Krebsvorsorge und -therapie, speziell auch bei Darmkrebs und Brustkrebs, erläutern zusätzliche Risikofaktoren wie Adipositas und geben Tipps, beispielsweise zur Vermeidung von Gewichtsverlust während einer Chemotherapie. 

psh/sjm

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