Gesundheitsreport zu medizinischer Versorgung

Bis 2020 werden viele Pfleger gebraucht

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Offenbach - Wenn ein Großteil der Offenbacher Ärzte, die bis 2020 in den Ruhestand gehen, keine Nachfolger finden, wird die medizinische Versorgung der Stadt schlechter als im Landesdurchschnitt.

Doch stellen aktuelle hessenweite Prognosen des Regionalen Gesundheitsreports von Land und Kassenärztlicher Vereinigung nur ein sogenanntes Worst-case-Szenario dar. Was aber auf jeden Fall verstärkt benötigt wird, sind Gesundheits- und Altenpfleger.

Derzeit verteilen sich 82 Hausärzte an 55 Standorten in der kreisfreien Stadt Offenbach. Davon werden im Jahr 2015 allerdings voraussichtlich sieben eine Nachfolge suchen, 2017 sind es 14, 2020 27 Mediziner, wenn Praxen mit 65 abgegeben werden. Aktuell gibt es in Offenbach elf Augenärzte. Bis 2017 wird nach gegenwärtigen Ermittlungen nur einer seine Praxis aufgeben. Für 2020 wird ein Rückgang von drei Augenärzten prognostiziert. Diese 27 Prozent liegen knapp unter dem hessischen Durchschnitt von 31 Prozent. In der Gynäkologie werden gegenwärtig 23 zugelassene Ärzte in der Stadt gezählt. Bis 2017 kann ein Rückgang von sechs Ärzten verzeichnet werden, die Veränderung zum Jahr 2020 ist dagegen nur gering: Bis dahin wird ein Rückgang von sieben Gynäkologen, das sind 30 Prozent erwartet. Für Hessen konnte ein Durchschnittswert von 27 Prozent errechnet werden, somit liegt die Stadt knapp über diesem Wert.

In der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde können zum jetzigen Zeitpunkt acht zugelassene Ärzte nachgewiesen werden. Hier ist bis zum Jahr 2020 der Nachfolgebedarf höher als im hessischen Vergleich: Es ist zu erwarten, dass drei Ärzte aus der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde bis dahin ihre Praxis schließen. Hierfür konnte ein Durchschnitt von 38 Prozent ermittelt werden, der weit über dem hessischen Wert von 26 Prozent liegt.

In Offenbach gibt es zurzeit 13 zugelassene Kinder- und Jugendärzte. Bei der Prognose für den Nachfolgebedarf bis 2020 bei einer Praxisabgabe mit 65 Jahren konnte ein Rückgang von sechs Kinder- und Jugendärzten festgestellt werden. Dies bedeutet, dass im Jahr 2020 nur noch 54 Prozent aller Ärzte der Kinder- und Jugend-Heilkunde in Offenbach niedergelassen sein werden. Der Prozentsatz der ausgeschiedenen Ärzte liegt mit 46 über dem hessischen Durchschnitt von 33 Prozent.

Die Urologie ist aktuell in Offenbach durch sieben zugelassene Ärzte vertreten. Bis zum Jahr 2020 werden nach der aktuellen Prognose drei Ärzte ihre Praxis schließen, womit dann von einem Rückgang von 43 Prozent ausgegangen werden muss. In Hessen liegt der Nachfolgebedarf bei 31 Prozent.

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Medizin kurios: Bei diesen Patienten staunt sogar der Arzt

Die Anzahl der Pflegebedürftigen (65 und älter) in der Stadt wird von rund 2500 im Jahr 2011 auf über 2700 im Jahr 2020 steigen. Die Zahl der Menschen in der stationären Dauerpflege wird von 530 auf fast 580 steigen. Diese Entwicklung zieht einen erhöhten Bedarf an Pflegekräften nach sich: Benötigt werden neun zusätzliche Gesundheits- und Krankenpfleger sowie 14 Altenpfleger. Zusätzlich besteht ein altersbedingter Ersatzbedarf von voraussichtlich 35 Gesundheits- und Krankenpflegern sowie 25 Altenpflegern.

Im Vergleich mit Landkreisen und anderen kreisfreien Kommunen hat die Stadt damit einen unterdurchschnittlichen, von der Demografie bedingten Erweiterungsbedarf, muss aber mehr Pfleger altersbedingt ersetzen.

tk

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